Freitag, 24. Juni 2016

Wie ich mit dem Rauchen aufhörte

Was das nun ausgerechnet mit dem Islam zu tun haben soll? 

Ich will es euch erklären. Vielleicht dient es ja dem/der einen oder anderen Immernoch-Raucher/in als Anregung.

Damals, unmittelbar nach meiner Schahada*), hörte ich aus einem Impuls heraus erst mal einfach damit auf. Nicht, weil mir jemand gesagt hätte, man "dürfe" als Muslima nicht rauchen, nein, darauf wäre ich gar nicht gekommen - ich dachte mir nicht einmal viel dabei, ich tat es einfach, es war mir ein Bedürfnis, ich wollte ein Zeichen setzen.

Nun muss ich gestehen, dass ich in meiner fast vierzigjährigen Raucherkarriere eine lange Leidensgeschichte aufwies, was das Aufgeben anbelangt. Wohl konnte ich - zuweilen - relativ gut aufhören, doch noch viel leichter fiel es mir, irgendwann wieder damit anzufangen. Mal war es nach ein paar Wochen, mal nach ein paar Monaten,  manchmal hielt ich es recht lange aus, einmal sogar fast drei Jahre.

Mich ärgerte es immer, süchtig zu sein. Dieses doofe Gefühl am Abend, wenn du weißt, dass die Zigaretten nicht mehr reichen. Dass du - oh Schreck - keine mehr hast für morgen früh. Oder nur eine statt die gewohnten zwei ... Und dann die furchtbaren Raucherräume auf Flughäfen. Und die Zigaretten in der Kälte schmecken auch nicht gleich gut wie drin im Lokal ... Ganz abgesehen davon, dass es nun wirklich nicht sinnvoll ist, einen Haufen Geld auszugeben, um sich (und die um einen herum) nach und nach krank zu rauchen.

Im Grunde wollte ich aber früher gar nie wirklich das Rauchen aufgeben. Ich wollte nur die Sucht loswerden. Genussrauchen wollte ich, in Maßen. Manche können das. Zum Frühstückskaffee, nach dem Essen, bei gesellschaftlichen Anlässen. Und so tappte ich nach jedem Aufhörversuch wieder in die gleiche Falle: Eines Tages denkst du, du kannst das jetzt, hast es lange genug bewiesen. Und versuchst mal wieder eine (weil die Lust drauf ja gar nie wirklich aufhörte, oder weil du gerade besonderen Stress erlebst - irgendwas fällt dir schon ein). Die erste schmeckt furchtbar. Super! Du bist über den Berg, wenn's nicht schmeckt, besteht ja gar keine Gefahr.... Da kannst du ja locker mal wieder. Nur ab und zu. Die Zwischenräume werden kleiner, bald schmeckt es dir wieder und in weniger als nichts bist du wieder auf den gewohnten eineinhalb Schachteln pro Tag. Ein Exraucher ist wie ein trockener Alkoholiker - er darf das Zeug nie wieder anrühren, sonst ...

Zurück zu meiner Schahada. Ich hörte damals also völlig mühelos, einfach so, von einem Moment zum anderen auf. Das war Ende Juni. In jenem Jahr war im August Ramadan und es kam zu meinem "Outing". Oh! Erdbeben! Tsunami! Nein, das konnte ich meiner Familie nicht antun! So gab ich mir alle Mühe, meinen noch so zarten frischen Glauben wegzuschieben und dem Frieden zuliebe wieder so zu werden wie früher. Ha - da kann ich ja wenigstens auch wieder rauchen ...

Wie ihr unschwer feststellen könnt, bin ich immer noch Muslima. Die Back-to-before-Islam-Versuche scheiterten allesamt - alhamdulillah. Natürlich! Ebensowenig, wie man jemanden oder sich selbst dazu zwingen kann, zu glauben, kann man sich dazu zwingen, nicht zu glauben!  

Nur dass ich jetzt die Raucherei wieder am Hals hatte. Diesmal konnte ich aber nicht so einfach aufhören. Dabei wollte ich es so sehr. Als eine Art Geschenk für Allah, um ihm zu zeigen, dass es mir ernst war, mit dem Glauben. Aber obwohl ich es immer wieder versuchte, mehr als ein zwei Tage schaffte ich nicht. Kam immer etwas dazwischen. Stress, rauchender Besuch, irgendwas. 

Bis ...

... ja bis ich eines Abends eine Idee umsetzte, die mir seit einigen Tagen im Kopf oder im Herzen herumschwirrte: Ich nahm beim Bittgebet im Sudschud**) all meinen Mut zusammen und versprach Allah ganz feierlich, ab sofort nie mehr zu rauchen. Im vollen Bewusstsein, dass es undenkbar wäre, ein Gott gegebenes Versprechen zu brechen. Ein Bewusstsein übrigens, das nicht im Kopf sitzt - der kann sich nämlich jederzeit Ausreden ausdenken - sondern im Herzen.

Das war am 28. November 2010. Ich habe seither keine Zigarette mehr angerührt. InschaAllah bleibt es dabei, mit Seiner Hilfe. 



*) das Glaubensbekenntnis, mit dem man den Islam annimmt (La ilaha illa Allah - Muhammadan rasulullah: Es gibt keinen Gott außer Gott und Muhammad ist Sein Gesandter)
**) die Niederwerfung im Ritualgebet

Montag, 16. Mai 2016

Wie ich mich aus den Fängen des Islams befreite.

... und was für furchtbare traumatische Erlebnisse mich bis heute in meinen Albträumen verfolgen ...

Das hättet ihr wohl gerne!*)

Ja - mit so einem Titel und so einem Bild könnte man Auflagen machen, würde man Einladungen in Talkshows kriegen, das Werk würde in allen Zeitschriften besprochen und viel Geld wäre damit zu verdienen. Beispiele gibt es genug - ich mag keine Namen nennen. Sogenannte Islamkritiker, darunter (besonders gern gelesen) Muslime, die oft gar nie religiös waren, "zur Einsicht gekommene" Extrem-Konvertiten, die nie wirklich wussten, was Muslim-Sein bedeutet, selbsternannte Islamexperten, die ihr in verkorksten Kindheiten oder sonst irgendwo aufgeschnapptes Islambild für allgemeingültig halten, sogenannte "Islamkenner", die gar nicht wissen, was "Glauben" bedeutet und irgendwelche Feministinnen, die meinen, sie müssten unterdrückte Muslimas entschleiern, zeigen, wie es geht. Ihre Machwerke findet man massenhaft an vorderster Stelle der Auslagen in Buchhandlungen. Islam-Bashing ist in - der Ruhm ist schneller erreicht, hält länger an und ist bestimmt einträglicher als ein Sieg bei Deutschland sucht den Superstar. Ich bin fast sicher, dass manche dieser Bücher von vorneherein nur im Hinblick auf Ruhm und Geldverdienen geschrieben wurden - wobei die Autoren wissend in Kauf nehmen, dass sie nicht nur die aktuelle, sowieso schon komplett aus dem Ruder laufende Debatte kräftig anheizen, sondern jedem braunen Rassisten und Muslimhasser Steilvorlagen bieten - und dem beängstigenden Rechtsrutsch Vorschub leisten. 

Nein. Mit einem solchen Bestseller kann ich nicht dienen.

Aber da ist ja noch mein Büchlein. Das liegt allerdings in keinen Auslagen auf. Man muss es sich bestellen - online oder in der Buchhandlung. Es hat keinen reißerischen Titel, wurde weder in der Mainstreampresse noch in Talkshows vorgestellt und keine Burka ziert das Cover. Dass es nicht ums Reichwerden geht, beweist die Tatsache, dass pro verkauftes Taschenbuch gerade mal ein Euro nullneun auf mein Konto gelangt - und da es nicht beworben wird sind die Verkaufszahlen mehr als bescheiden, trotz ganz toller Rezensionen (auf Amazon und in kleineren Blogs) und viel schönem Feedback von Leuten, die es gelesen haben. 

So ist es leider statt ein relativierendes Gegengewicht zu all den einseitigen Elaboraten nur ein Federchen auf der Waage. "Gäng söfu" sagt der Berner - "wenigstens soviel". Und weil im Moment gerade besonders viel wilde "Islam-Kritik" betrieben wird, wollte ich es in Erinnerung rufen. Für die, die es noch nicht kennen: Es handelt sich um ausgewählte, überarbeitete Beiträge aus diesem Blog in Buchform. 

Und es ist für alle
  • die einfach gern wahre, spannende Geschichten lesen
  • die sich einen authentischen Einblick in den gelebten Islam verschaffen wollen, aber kein trockenes oder kompliziertes Fachbuch lesen möchten und auch keine Lust auf aufdringliche Missionierung haben 
  • die sich fragen, wie jemand, der nie etwas mit Religion am Hut hatte, überhaupt dazu kommt, sich plötzlich für eine Glaubensrichtung zu interessieren, die nur Negativschlagzeilen macht
  • die sich dafür interessieren, was die Konversion für Auswirkungen auf das tägliche Leben hat und was für Schwierigkeiten mit Familie und Freunden sich daraus ergeben - und wie man sie, wenigstens halbwegs, meistern kann
und auch für
  • frisch Konvertierte, die damit  entsetzten Angehörigen ihren Schritt so gut es geht verständlich machen möchten (Geschenkidee!)
  • Schon-immer-Muslime, die wissen möchten, was Konvertierte so umtreibt
  • alle besorgten Bürger, die daran interessiert sind, ihre Sorge loszuwerden

Viel Spaß beim Lesen!

PS: Bestellen kann man "ausgerechnet Islam"  als Taschenbuch überall im Buchhandel oder bei >>Amazon. Gruppen und Gemeinschaften weise ich darauf hin, dass es für Direktbestellungen bei >>e-publi schon ab 10 Stück Mengenrabatt gibt. Und die günstige e-book-Version kann in allen Online-Buchhandlungen heruntergeladen werden.

*) Ich weiß natürlich, dass das auf die meisten meiner LeserInnen hier nicht zutrifft - ist nicht an diese gerichtet sondern an diejenigen, die es zufällig wegen des Titels auf diese Seite verschlägt.

Montag, 21. März 2016

von Kannibalen und Schlupflöchern

Ich kriege öfter Mails (über obiges Kontaktformular) und freue mich über jede einzelne und beantworte auch jede. Diese hier, die mich vor ein paar Tagen erreichte, ist so gut geschrieben und so motivierend, dass ich sie euch nicht vorenthalten will. Ich bin sicher, dass sich noch andere Leser_Innen darin wiederfinden werden. Mir jedenfalls wurden die Augen gleichzeitig vor Lachen und vor Rührung feucht und ich erinnerte mich lebhaft an die Anfänge meiner eigenen "aufregenden Reise im Islam". Doch lest selbst - die Absenderin hat mir erlaubt, den Brief hier zu veröffentlichen:
Liebe Christine, oder besser: Assalamu aleikum. Über Deinen Blog bin ich zufällig gestolpert, habe sogleich Dein Buch bestellt und es nahezu in einem Rutsch gelesen, habe dabei einige Male gelacht und sehr oft wissend genickt, konnte ich mich doch in vielem wiederfinden, was Du schreibst über Deine aufregende Reise im Islam. 
Ich selbst bin eine 32jährige Frau, würde mich gebildet und belesen nennen, lebe in Deutschland, ich bin Akademikerin, Mutter zweier kleiner Kinder. Bis vor ein paar Monaten wusste ich genau, wer ich bin. In eine typisch deutsche, auf dem Papier evangelische, aber nicht praktizierende Familie hineingeboren, hat Gott in meinem Werte- oder Gedankengebäude schlicht nie eine Rolle gespielt. Im Teenageralter wurde ich quasi zur Erfinderin des Atheismus, alles Gläubige war mir so fremd wie Kannibalismus, die Frommen habe ich belächelt (sie wissen es halt nicht besser), ich brauchte keinen Gott und keine Hoffnung auf "danach", war ich doch stark genug, das Leben (und den Gedanken an den Tod) ohne "Schlupfloch" zu ertragen (so empfand ich es)....
Ich habe dann vor wenigen Monaten das erste Mal den Koran gelesen, heute stehe ich morgens um 5 Uhr auf, um zu Allah zu beten, in der Hoffnung, dass er mich hört... Glauben kann ich das selbst noch nicht so recht.

Ich weiß gar nicht genau, warum ich Dir jetzt schreibe. Ich glaube, ich war einfach froh, von einer Konvertitin wie Dir zu hören und zu lesen. Ich spreche sehr gut Englisch, was es mir ermöglicht, auf YouTube und anderen sozialen Medien das Leben mancher "reverts" zu verfolgen, jedoch finde ich trotz allem Interesse daran oft nicht den Bezug zu meinem Leben bzw. meiner Situation, weil ich eben keine 20jährige Studentin mehr bin ohne eigene Familie, berufliche Bindungen und andere Verantwortungen, die es schwerer machen, einfach "mein Ding" durchzuziehen und darauf zu pfeifen, was irgendwer sagt oder denkt...
Wie gesagt, es ist irgendwo gut zu wissen, dass es anderen genauso geht. Ich freue mich irgendwo schon darauf, in ein paar Jahren Dein Buch nochmal zu lesen und zu sehen, welche Erinnerungen das dann mit sich bringt... 
Liebe Grüße  
******************************* 
A propos "in der Hoffnung, dass er mich hört": 

»Sag: Mein Herr weiß (alles), was im Himmel und auf der Erde gesagt wird. Er ist der Allhörende und Allwissende.» (Al-Anbiyā': 4)
Und:

»Und wenn dich Meine Diener nach Mir fragen, so bin Ich nahe; Ich erhöre den Ruf des Bittenden, wenn er Mich anruft. [...]«  (Al-Baqara: 186)


Ich freue mich sehr für jeden Menschen, dem diese Tür geöffnet wird und der sie nicht erschrocken zuschlägt, sondern >eintritt und sich umschaut. Macht weiter, lest, betet, bittet, lernt! Und erfahrt, wie erfüllend es ist, durch die Welt zu gehen und alles als Seine Schöpfung, Seine Zeichen wahrzunehmen, in allem einen Sinn zu wissen. 

Freitag, 18. Dezember 2015

Herausgewachsen.

Der Name „Ausgerechnet Islam“ passt eigentlich nur noch aus nicht-muslimischer Sicht so richtig zu diesem Blog, und für diejenigen, die sich eher im Anfangsstadium jener seltsamen Situation befinden, von einem gar nichts glaubenden zu einem religiösen Menschen mutiert zu sein - und sich dabei auch noch „ausgerechnet“ den Islam "ausgewählt" zu haben...


Inzwischen ist es für mich längst nicht mehr ausgerechnet, sondern vielmehr natürlich der Islam.

Warum das so ist – naja, stöbert halt ein wenig in diesem Blog herum, oder bestellt euch mein Buch - in beidem findet ihr meine Gedanken, Erfahrungen, Ansichten, Nöte und einiges Drum-Herum auf meinem Weg von "nie im Leben" via „ausgerechnet“ nach „natürlich“  - Islam. *)

Der Name der Seite passt jedenfalls nicht mehr zu meiner Befindlichkeit. Ich bin gewissermaßen herausgewachsen, denn er schränkt  die Themen ein, und er beschränkt mich aufs (Konvertierte-)Muslimin-Sein. Ich möchte aber lieber als Vollversion meiner selbst wahrgenommen werden.

Es gibt deshalb ein neues kleines Blog, eine Art Foto- und Zettelkiste, in der ich ab und zu einen Gedanken notieren, eine Begegnung festhalten und den einen oder anderen eigenen, gefundenen oder gesuchten Text oder Vers festhalten werde, und wo ich meine besten Fotos in angemessenem Rahmen so drapiere, dass sie besser zur Geltung kommen als im kurzlebigen Facebook oder in den Tiefen meiner HD. Nicht um der Fotos willen, sondern weil ich das das Schöne, das ich sehe - Seine Zeichen! - einigermaßen geordnet und wiederauffindbar aufbewahren möchte. Für mich selbst und für alle, die es gerne sehen möchten.

Also dann - inschaAllah - auf Wiedersehen bei:




*) Ich habe, da "Ausgerechnet Islam" ja eine Entwicklung beinhaltet, das Archiv hier so umgestellt, dass - wer das will - die Artikel chronologisch lesen kann. Neuen Besuchern, die ganz am Anfang anfangen möchten, empfehle ich allerdings, als allererstes die Seite "Metamorphose - mein Weg zum Islam" zu lesen. 


PS: Ich schließe nicht aus, dass ich gelegentlich auch mal einen Artikel hier veröffentliche, wenn er denn hier besser reinpasst.

Dienstag, 8. Dezember 2015

Dank. 34:48 / 39:23.

Wie soll ich nicht erschauern
in Furcht
vor Dem
Der dieses gewaltige
Universum erschuf
Der mich auf einer Kugel
durch die
Unendlichkeit schießt

Wie soll ich nicht lieben
in Anbetung
Den
Der die wunderbare
Rose erschuf
Dessen Liebe und Schönheit
die Schöpfung
durchfließt

Wie soll ich nicht danken
in Demut
Dem
Der mich ins Leben rief
mir Wahrnehmung schenkte
und Bewusstheit
und Dessen Barmherzigkeit
alles umschließt

Dem 
Der mir
die Wahrheit
entgegenschleuderte
und Dessen Buch
zu Seinem Gedenken
mir Haut und Herz
erweichen ließ



Mittwoch, 18. November 2015

Schizophren. Und: I am the world.

Sind wir nicht eine schizophrene Gesellschaft?

Seit Jahrhunderten beuten wir Länder aus. Erst eroberten und erniedrigten wir sie, bestahlen sie, teilten sie unter uns auf und zogen unnatürliche Grenzen mitten durch Stammesgebiete  und – wo immer möglich – zwangen wir ihnen das Christentum als Religion auf. Und dann unsere (wie wir meinen) einzig seligmachende konsumorientierte Lebensweise. Irgendwann gaben wir ihnen großzügig oder gezwungenermaßen die Unabhängigkeit. Vielerorts eine Pseudounabhängigkeit, die uns erlaubt, sie weiterhin auszubeuten: Dank cleveren Verträgen mit despotischen Regierungen sichern wir uns ihre Ressourcen, ja wir klauen den Ärmsten sogar das Wasser, um es in elegante Flaschen abgefüllt teuer an Leute zu verkaufen, die es gar nicht bräuchten, weil bei ihnen sauberes Wasser aus dem Wasserhahn läuft. Wir nehmen ihnen ihr Land weg, um riesige Plantagen anzulegen, auf denen sie Sklavenarbeit verrichten dürfen, während wir sie mit Missbildungen verursachenden Giften besprühen, damit wir möglichst billig möglichst viele Steaks auf unsere Teller kriegen. Wir lassen ihre Kinder unter menschenunwürdigen, krankmachenden Arbeitsbedingungen zu Hungerlöhnen unsere Teppiche und billige Kleider und was auch immer produzieren. Und wir verdanken einen schönen Teil unseres westlichen Wohlstandes der Tatsache, dass wir ihren despotischen Regierungen Waffen zum Bekriegen ihrer eigenen Völker verkaufen und, wenn es sein muss, helfen wir ihnen ganz gerne auch mit militärischen Einsätzen und töten dabei per Knopfdruck versehentlich mehr Zivilisten in einem Monat als alle linken, rechten und muslimischen Terroristen zu allen Zeiten insgesamt.

Wir haben aber - und das ist unser zweites Gesicht -  auch jede Menge Mitgefühl. Wir betreiben Entwicklungshilfe, wir organisieren große Sammelaktionen, wir bauen Brunnen und Bewässerungssysteme, richten Schulen ein und Krankenhäuser und Stiftungen, und wir veranstalten Charity-Bälle. Wir setzen uns ein gegen Genitalverstümmelung und Frauenunterdrückung, wir schreien auf, wir sind wütend über soviel Ungerechtigkeit,  und wir helfen und manche von uns heißen Menschen willkommen, die dem von uns produzierten Elend entfliehen. Wir leiden mit ihnen und sind solidarisch - wenn auch mit den einen Opfern mehr als mit anderen -  und posten Aufrufe auf Facebook und schreiben Blogartikel...

Ja, ich weiß, das hörte sich jetzt ziemlich zynisch an, das sollte es eigentlich gar nicht, denn es gibt wirklich viele Menschen, die diese grausame Ungerechtigkeit aus tiefstem Herzen verabscheuen, man steht ihr aber einfach so furchtbar hilflos gegenüber, dass man fast verzweifeln könnte! Es ändert sich ja nichts! 

Denn wenn ich auch nichts von Verschwörungstheorien halte, habe ich doch das Gefühl,  dass bei den allermeisten Entscheidungsträgern bei den allermeisten ihrer Entscheidungen und Maßnahmen an allererster Stelle nach wie vor wirtschaftliche Eigeninteressen stehen. Gegen diesen Eindruck vermögen auch die vielen Krokodilstränen, die gerade geweint werden, nichts auszurichten. Ich glaube zwar nicht – will es nicht glauben  dass so grausame Taten, wie sie gerade verübt wurden, bewusst in Kauf genommen oder sogar aktiv provoziert werden, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es Leute gibt, in der Waffen-, Sicherheits- und vermutlich auch in der Ölindustrie, skrupellose Leute, genauso skrupellose wie die Terroristen selbst, aber in schicken Anzügen und mit Beziehungen zu hochrangigen Politikern, Leute, die sich gerade mit französischem (!) Champagner zuprosten und sich auf die Geschäfte ihres Lebens freuen.

Kann man sich da ernsthaft wundern, dass die ganze himmelschreiende, von uns humanistischen, aufgeschlossenen, gebildeten, freien modernen Menschen stillschweigend zum eigenen Vorteil und aus Bequemlichkeit in Kauf genommene weltweite Ungerechtigkeit einen Teufel gebiert? Einen satanischen Staat! (Bitte bitte nennt ihn nicht islamisch - es ist schlimm genug, dass sie das selber tun!)

Er ist sehr clever, dieser Teufel. Schamlos missbraucht er den Namen der einen Religion und versetzt die anderen dadurch in vermeintliches, scheinheiliges Recht. Und er wird es sich nicht nehmen lassen, den Entscheidungsträgern mehr Krieg schmackhaft zu machen, die Aussicht auf Ankurbelung der Waffengeschäfte ist wahrscheinlich einfach zu verführerisch. So wird er die Zwietracht weltweit vergrößern und noch viel mehr unschuldige Opfer verursachen.

Ist es nicht seltsam, dass es so schwer sein soll, herauszufinden, wer dem IS das Öl und die Kunstschätze abkauft und ihn mit Geld und Waffen versorgt?  Das zu unterbinden wäre doch viel einfacher und effektiver als Luftangriffe. Und unblutig. Und billiger. (Aber weniger lukrativ). Ich kann einfach nicht glauben, dass man mit den heutigen Möglichkeiten der Nachrichtendieste und Überwachungssysteme nicht schon längst weiß, was Sache ist. 

So. Jetzt, jetzt habe ich mir einiges von der Seele geschrieben, fühle mich etwas besser. Nicht viel, aber ein wenig. Natürlich hoffe ich, dass der eine oder andere Leser, der - ganz wie es der Teufel geplant hat - den Grund für die ganze Misere beim Islam und den Muslimen sucht, seine Schuldzuweisungen nochmal überdenkt und auch nicht vergisst, dass die Flüchtlinge vor dem gleichen Teufel fliehen, dem gleichen Krebsgeschwür, dessen Metastasen in Europa jetzt aufzubrechen beginnen.

Eins noch: Ich habe großes Mitgefühl mit den Opfern und deren Angehörigen in Paris. Trotzdem bin ich nicht Paris und ich werde auch mein Profilbild nicht bleu-blanc-rouge einfärben. Das ist noch so eine Sache, die mich bei aller Anteilnahme gewaltig stört: Dass manche Opfer offenbar weniger Mitgefühl wert sind als andere. 

Nein, ich bin nicht Paris. Wenn schon, bin ich die Welt - wir sind alle betroffen! Gott stehe uns allen bei.

Ich werde jetzt versuchen, mich wieder mehr auf das Positive, auf das Schöne in dieser Welt zu konzentrieren. 

Davon demnächst, inschaAllah.

Hier noch eine profilbild-taugliche Version des "I am the world" - Globus - wer mag, darf es gerne übernehmen:



Montag, 9. November 2015

Glauben oder glauben. Oder nicht glauben.

Für viele scheint das Wort "Glauben" auf ihre jeweilige Religion bezogen etwa den gleichen Gehalt zu haben wie wenn man sagt "ich glaube, das Wetter bleibt, wie es ist". Für mich früher auch.

Jetzt nicht mehr.

„Glauben“ im religiösen Sinn bedeutet heute für mich, "zutiefst davon überzeugt zu sein, dass etwas wahr ist" - auch ohne dass eindeutige, allgemein anerkannte, wissenschaftliche Beweise dafür vorliegen.

Wer mich von diesem Glauben abbringen will, schafft das nur, wenn er mir  eindeutige, allgemein anerkannte, wissenschaftliche Beweise für die Falschheit meines Glaubens vorlegt ;-). 

Wenn du nun deinerseits glaubst, also zutiefst davon überzeugt bist, dass (meine) Religion falsch ist, dann werde ich dich ebenso wenig umstimmen können wie du mich. Aber immerhin sollten wir doch das "Glauben" an sich gewissermaßen gegenseitig nachvollziehen können - glaubst du nicht?

لَكُمْ دِينُكُمْ وَلِيَ دِينِ [١٠٩:٦]

"Euch euer Glaube und mir mein Glaube"
 (Koran, Sura Al Kâfirûn Vers 6)


Ich glaube, du verstehst, was ich meine. Oder auch nicht. 

Sonntag, 25. Oktober 2015

Es regnet


Es regnet hier in der Algarve oft den ganzen Sommer lang nicht - da hat man ein ganz anderes Verhältnis zu Regen als zum Beispiel in meiner Heimat, der Schweiz. Trotzdem - auch hier kommt es zwischen Herbst und Frühling vor, dass man ganz schön genug kriegt von dem Wasser, das leider bei der hiesigen Bauweise gerne auch durch die Decke ins Wohnzimmer tröpfelt. Aber immerhin bleibt man sich bewusst, wie wichtig der Regen ist, denn wenn er ausbleibt, ist es nicht nur für die Landwirtschaft eine Katastrophe, sondern es kann durchaus sein, dass im nächsten Sommer das Wasser knapp wird.

Regen in Medina
In der Wüste ist Wasser noch viel kostbarer. Als ich in Medina war und mal ein paar Tropfen Regen fielen, sah man die Leute auf der Straße herumtanzen und lachen und beten und dem Herrn danken. 

So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Wort "Wasser" im Koran nicht weniger als 93 mal vorkommt und zwar ganz oft zusammen mit dem Wort "Zeichen". 



Und Allah lässt vom Himmel Wasser herabkommen und macht dann damit die Erde nach ihrem Tod wieder lebendig. Darin ist wahrlich ein Zeichen für Leute, die hören (können). (An-Nahl: 65)

Für uns, die wir in Gegenden wohnen, wo es viel, manchmal zu viel regnet, ist das Wasser vom Himmel nichts Besonderes, zuweilen sogar etwas Ärgerliches, das unsere Freizeitpläne über den Haufen wirft. 

Soviel ich weiß, ist sich die Wissenschaft einig, dass es ohne Wasser kein Leben gibt. Ab und zu hört man in den Nachrichten als "Sensationsmeldung" von Wasservorkommen auf irgendeinem Planeten - meist in weit entfernten Galaxien, meist kommt es als Eis vor oder als Gas, oder es ist vor Millionen Jahren ausgetrocknet. Wasser ist also auch aus wissenschaftlicher Sicht  sehr wohl etwas ganz und gar Besonderes, noch mehr, wenn es - wie auf der Erde - gleichzeitig flüssig, gasförmig und fest vorkommt. "Nur auf der Erde kommt Wasser direkt an der Planetenoberfläche in allen drei Aggregatzuständen dauerhaft und in großen Mengen vor. Dieser Umstand macht die Erde im Sonnensystem zu einem einzigartigen Himmelskörper, zum „Blauen Planeten“ (Quelle:Wikipedia).

Heute früh nun, als ich so dem Regen zuhörte, der vor meinem Schlafzimmerfenster herunter prasselte ...


... und mir all das durch den Kopf ging, was ich hier aufgeschrieben habe, wurde mir wieder einmal in aller Deutlichkeit bewusst, wie sehr das Wasser ein Wunder ist - und dass das Zeichen, als welches es uns Gott im Koran immer wieder anbietet, damit wir verstehen sollen, so klar ist wie das Wasser selbst.

Sehen denn diejenigen, die ungläubig sind, nicht, dass die Himmel und die Erde eine zusammenhängende Masse waren? Da haben Wir sie getrennt und aus dem Wasser alles Lebendige gemacht. Wollen sie denn nicht glauben? (Al-Anbiyā': 30)

Dienstag, 29. September 2015

Brandstifter darf man nicht ignorieren!

Eigentlich wäre der Mann keinen Gedanken wert und viele Glaubensgenossen sind der Meinung, er sollte ignoriert werden, denn sie halten ihn für irrelevant: Kein Muslim, der es mit der Religion ernst nimmt, wird sich durch seine abstrusen Theorien von seinem Glauben abbringen lassen.

Hier aber ist Ignorieren die falsche Strategie – denn dieser Mensch, der jetzt überall in den Medien herumgereicht wird, damit er sein neues Buch „Abrechnung mit Mohamed“ (er heißt Muhammad! - Gott segne ihn und schenke ihm Heil) promoten kann, ist um ein Vielfaches gefährlicher als ein Neonazi, der ein Flüchtlingsheim in Brand steckt. Denn er wirft ganze Tankladungen von Öl in das Feuer der „Angst vor dem Islam“ und steckt Massen von bisher neutralen Beobachtern an. Ein Flächenbrand droht!

Abdel-Samad erreicht nämlich nicht nur Islamhasser, -kritiker und Pegidisten, nein, ihm huldigen auch Intellektuelle, Humanisten - aufgeschlossene, tolerante Zeitgenossen. Keine bösen Menschen, die etwas gegen Muslime haben, sondern Leute, die nichts oder nicht viel von Religionen halten, die vom Islam keine Ahnung haben und sich im Grunde auch nicht dafür interessieren, jetzt aber durch den Zustrom muslimischer Flüchtlinge sensibilisiert sind und aufhorchen. Und nun in allen Talkshows und Medien auf die unsäglichen Theorien dieses als „Islamexperten“ angepriesenen Menschen stoßen.

Und ihm glauben! Denn er weiß sich (und seine Bücher) zu verkaufen! „Da wagt sich endlich mal jemand, zu sagen, was Sache ist“ ist die Essenz der harmlosesten Kommentare auf Twitter und anderswo zur Sendung „Hart aber Fair“ von gestern Abend. Die wenigsten durchschauen den armseligen Populisten.

„Er muss es ja wissen! Er ist ja selber (Ex-)Muslim und Islamwissenschaftler“ sagen sich besorgte und andere Bürger. (In Wirklichkeit ist er allerdings Politologe). Deshalb werden ganz viele ihm glauben, und nicht dem muslimischen Nachbarn, den muslimischen Angehörigen, (ja – wir „Konvertiten“ werden die Auswirkungen wieder einmal ganz besonders zu spüren bekommen), auch nicht dem freundlichen Imam, dem ja die HASsche Objektivität abgeht.

Besonders gefährlich ist er, weil er im Gegensatz zu anderen muslimischen „Islamkritikern“ nicht nur eine konservative Auslegung des Glaubens anprangert sondern auch die liberalste, so schreibt Daniel Bax im Spiegel Online:
„Selbst eine liberale Auslegung des Islam lehnt Hamed Abdel-Samad ab, er hält den Islam für nicht reformierbar und möchte ihn daher auf den Müllhaufen der Geschichte werfen. "Eine zeitgemäße Interpretation des Koran kann nicht die Lösung sein", schreibt er. Vielmehr müssten Muslime anerkennen, dass der Koran nicht Gottes Wort sei, sondern von Menschen gemacht sei, und Mohammeds Verdienste infrage stellen, kurz: Sie sollten zentralen Glaubenssätzen ihrer Religion abschwören.“
Was man gegen diesen Brandstifter tun kann? Ich weiß es auch nicht. Als Anfang den Artikel aus Spiegel-Online so oft verlinken, damit möglichst viele Leute merken, was für ein Mensch dieser Mensch ist:
„Bei einer Veranstaltung der AfD-Jugendorganisation in Köln ließ es sich Frauke Petry nicht nehmen, ein Grußwort zu sprechen. Und Hamed Abdel-Samad bekannte dort gut gelaunt, dass er mit Thesen durchkomme, für die ein Thilo Sarrazin "gekreuzigt" würde. Das läge allein daran, dass ihm als Ex-Muslim quasi ein "Islam-Rabatt" gewährt würde: Nur aufgrund seiner Hautfarbe würde ihm keiner vorwerfen, ein Rassist zu sein, gluckste der Publizist. Da ist etwas dran. Und es ist falsch.“

Ich würde gern den ganzen Artikel hier einstellen, aber ich weiß nicht, ob das erlaubt ist. Deshalb der Link: "Religionskritik nach Pegida-Art"

Freitag, 25. September 2015

Allein kann man nicht feiern. Und: 'id mubârak. Und: ein Aufruf.

Die gestrige Reaktion auf eine Facebook-Statusmeldung hat mich veranlasst, hier ein Thema aufzugreifen, über das offensichtlich ansonsten kaum gesprochen wird.

Zwar wissen wir alle: Im Grunde muss sich ein Muslim nie wirklich allein fühlen. Und alles, was er wirklich braucht, ist Allah. Denn Er sagt: "...Wir sind ihm (dem Menschen) doch näher als seine Halsschlagader" (Qāf: 16),  und: "...sag: Meine Genüge ist Allah. (At-Tauba: 129). 

Trotzdem.... :

Gestern war also der erste, der wichtigste Tag des Opferfestes, und ich begab mich zum Festtagsgebet nach Portimão. Wie üblich fanden sich auf der Praça Gil Eanes eine recht große Anzahl Männer und eine Reihe Frauen ein. Hier ein Bild vom 'Id-ul-Fitr - es sah gestern so ähnlich aus, nur der Himmel war blauer, aber ich hatte keine Lust zum Fotografieren.

Es ging mir nämlich gestern nicht so gut. Denn mir wurde - verbunden mit der sehnsüchtigen Erinnerung an denselben Tag letztes Jahr in Mekka - bewusst, wie allein ich war. Nach wie vor habe ich in meiner Gegend keinen Anschluss zu Gleichgläubigen, was erstens daran liegt, dass es hier sehr wenige Musliminnen gibt und zweitens diese wenigen keine meiner Sprachen sprechen.

Scheinbar brauchte ich ein Ventil, und so schrieb dann, als ich wieder zuhause war, allein, etwas niedergeschlagen, ohne viel zu überlegen in meinen fb-Status:

"Heute fällt mir das Alleinsein schwer" 

was als erstes eine Welle von überaus tröstlichen Sympathiebezeugungen  zur Folge hatte - für die ich mich auch an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanke, es hat so gut getan und meine Stimmung in kurzer Zeit wieder ganz beträchtlich gehoben. Zwischenzeitlich schämte ich mich für meine Jammerei und fand sie - in Anbetracht der schrecklichen Vorfälle in Mekka und in Sanaa und des ganzen Kriegs- und Flüchtlingselends auf der Welt - unangemessen. 

Aber dann war ich doch wieder ganz froh, das Thema aufgegriffen zu haben.

Es stellte sich nämlich heraus, dass ich ganz und gar nicht die einzige bin, die sich gerade so fühlte. Nein - in Deutschland und der Schweiz gibt es offenbar gar nicht wenige Muslime, Frauen und Männer, die sich an solchen Tagen genauso einsam fühlen wie ich - obwohl es doch dort viel mehr Glaubensgeschwister gibt. Und keine Sprachbarrieren wie bei mir hier.

Ich glaube, das müsste gar nicht sein. Dass ich spontan einige von Herzen kommende, ernst gemeinte Einladungen erhielt, bestärkt mich in diesem Glauben. (Leider wohne ich einfach ein bisschen zu weit weg...). Bestimmt ist es nur Unwissenheit, Unachtsamkeit. Man sieht es uns ja auch nicht an, dass wir gleich zuhause alleine "feiern" werden. (Nein. Man kann allein nicht feiern.)

Liebe Muslim/Innen in der Schweiz und in Deutschland, konvertierte und geborene, mit oder ohne "Migrationshintergrund", und ich meine jetzt diejenigen, die Familie und/oder Freunde haben, die sie zum Festtag umarmen, mit denen sie feiern können: Vielleicht gibt es in eurer Moschee oder in eurer Gegend auch so einen Glaubensgenossen oder eine Glaubensgenossin, der oder die immer ganz allein zum Festtagsgebet erscheint und alleine wieder weggeht ... dann nehmt euch ein Herz - euer muslimisches Herz! -, sprecht die Person an! Vielleicht wartet sie sehnlichst darauf, Anschluss zu finden. Wenn nicht, ist die Sache schnell erledigt - as-salamu alaykum. Wenn ja - wer weiß! Wird sicher spannend.

Übrigens: Es könnte hilfreich sein, wenn der eine oder andere Imam diese Sache in seiner Chutba thematisieren würde.

Und nun wünsche ich etwas verspätet aber umso herzlicher allen LeserInnen gesegnete Opferfesttage.

(Bastelvorlage von Andreas Ismail Mohr

PS: Mir geht es wieder gut. Man kann zwar nicht allein feiern. Aber es gibt andere Möglichkeiten: "Sicherlich, im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe! (Ar-Ra'd: 28)

Montag, 21. September 2015

freier wille freie wahl

wenn doch alles existierende
alles, was jemals existierte
und alles, was jemals existieren wird
erschaffen ist
erschaffen von Gott
dem Ewigen
dem Einzigen
Schöpfer
nicht nur die dinge
sondern auch
die gedanken
die entscheidungen
die taten
ALLES...

dann besteht der
von Gott erschaffene
freie wille
den Er
der Unablässig Gebende
uns schenkte
aus nichts anderem 
als aus der
W A H L


ya Allah
hilf uns
das beste zu wählen
die richtige entscheidung
die gute tat
das, was Dir gefällt
Du weißt
wie schwer uns das manchmal fällt...

Die Wege existieren - wir dürfen wählen.


Tut, was ihr wollt, denn was ihr tut, sieht Er wohl. (Fussilat: 40)



PS: Damit niemand auf die Idee kommt, ich fühlte mich dazu berufen, die Religion zu erklären: Bei meinen Texten handelt es sich in der Regel um eigene Schlussfolgerungen und Einsichten, ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Ich führe nur nicht so gerne immer nur Selbstgespräche...

Mittwoch, 12. August 2015

Verheerende Nebenwirkung!

Sicher gehen auch oder sogar besonders die „progressiven, liberalen“ Muslime mit mir einig, dass jeder Mensch seine Religion so leben können muss, wie er möchte, solange er damit niemandem schadet.

Nun sind heutzutage diejenigen unter uns, die Alkoholverbot und/oder Kopftuch oder auch regelmäßiges Gebet u. Ä. für obsolet oder zumindest teilweise für unnötig halten und für den „Glauben im Herzen“ plädieren offenkundig diejenigen, die bei den Nichtmuslimen am beliebtesten sind. Und die deshalb in den Massenmedien (nebst den extremen Negativbeispielen) am häufigsten zu Wort kommen. Die folglich von der großen nichtmuslimischen Mehrheit am meisten gehört und von diesen gerne als Vorbilder für alle anderen Muslime hingestellt werden.

Ich denke nicht, dass diese „fortschrittlichen“ Muslime solches beabsichtigen, wenn sie sich mit ihrer Meinung immer mehr in die Öffentlichkeit begeben, aber es hat eine verheerende Nebenwirkung. Die „konservativen“ Muslime, die es mit den Geboten und Verboten genauer nehmen, denen man ihren Glauben vielleicht sogar ansieht, werden nämlich dadurch von der nichtmuslimischen, was Religion anbelangt ansonsten desinteressierten und deshalb uninformierten Mehrheit immer mehr als „extrem“ wahrgenommen und direkt in den „Islamistentopf“ geworfen. „Wenn es sogar die modernen Muslime so sehen!“ kriegt man dann zu hören….

Ich befürchte, damit wird der Aufklärung und der Entradikalisierung der Jugend ein Bärendienst erwiesen und der Ausgrenzung und Diskriminierung Vorschub geleistet!

(Ich mag die Schubladisierungen „progressiv/liberal/konservativ“ etc. auch nicht - aber irgendwie muss ich ja unterscheiden).

Samstag, 11. Juli 2015

Allâhu Akbar - الله أكبر - Gott ist Größer

"Allâhu akbar" wird oft mit „Gott ist der Größte“ übersetzt.

Das ist aber nicht ganz korrekt. Denn wortwörtlich heißt es „Gott ist größer“.

Anfangs befremdete es mich, dass Gott also nicht „der Größte“ sein sollte, sondern „nur“ „größer“.

Inzwischen gefällt mir die wörtliche Übersetzung viel besser. In Wirklichkeit ist nämlich „größer“ größer als „der Größte“! In Wirklichkeit ist die Formulierung "Allâhu akbar" - "Gott ist größer" genial!

Warum?

Weil das "Größte" begrenzt ist, begrenzt in seiner eigenen Größe, begrenzt durch den Vergleich. Das größte von etwas. Das größte Land. Der größte Ball. Papa ist der Größte.

Weil dagegen "größer" nach oben offen ist. Weil ER größer ist als das Größte, größer als ALLES, was wir uns jemals vorstellen können, grenzenlos, immer noch größer. Unendlich.

Weil wir alles, was wir sehen, hören, fühlen, alles, was uns zustößt, ob gut oder schlecht, wie gewichtig und groß es auch sei, in die Schranken weisen können, indem wir sagen  „Gott ist größer“.

Weil „Gott ist der Größte“ eine abstrakte, unpersönliche Aussage ist. „Gott ist größer“ ist jedoch für jeden Einzelnen in jeder möglichen Situation ein ganz persönlicher Trost. Oder ein ganz persönliches Eingeständnis der eigenen Kleinheit. Jedes Allâhu Akbar ein Ausdruck der Ergebenheit.

Konkret: Wenn ich ein Problem habe und sage „Gott ist der Größte“, hilft mir das nicht wirklich weiter. Wenn ich aber sage „Gott ist größer“, dann hat dies einen direkten Einfluss auf meinen Zustand. Ich relativiere, ich verkleinere durch diese Aussage mein Problem: Gott ist größer. Viel größer. Alhamdulillah.

Bald wird der Takbir (= "Allâhu Akbar" sagen) wieder ganz besonders oft wiederholt, am Festtagsgebet zum Ende des Ramadan nämlich, am besten schon auf dem Weg dahin.

Ich wünsche allen LeserInnen eine gesegnete letzte Ramadanwoche.

Samstag, 9. Mai 2015

Aufklärung vs Frömmelei und Missionieren

Wenn manche wissenschaftsgläubige Atheisten/Agnostiker oder Angehörige der "naja-es-gibt-da-vielleicht-eine-höhere-Macht-aber..."- oder auch der "ich-glaube-an-Gott-aber-Religion-braucht-keiner"-Fraktion es nicht dabei belassen, gläubigen Menschen mit verächtlichen Blicken und spitzen Bemerkungen zu zeigen, dass sie an deren gesundem Menschenverstand zweifeln, sondern versuchen, ihnen wortgewaltig klarzumachen, wie dumm es sei, das Leben mit Befolgen von absurden Regeln eines unbeweisbaren Gottes zu vergeuden, statt es zu genießen, dann nennen sie das dringend notwendige

AUFKLÄRUNG

die ihnen das Recht gibt, auf herablassende, überhebliche und gerne auch beleidigende Art zu belehren, und jede Entgegnung von vorneherein gebetsmühlenartig mit immer denselben Argumenten abzublocken. Zuhören Fehlanzeige.

Wenn hingegen gläubige Menschen versuchen, diesen klugen und gebildeten Zeitgenossen auch nur ganz schüchtern ihren Glauben ein wenig zu erklären, wird es als

FRÖMMELEI

abgetan, bei der man bestenfalls mitleidig lächelt und die Ohren auf Durchzug stellt. Zuhören Fehlanzeige. Sollten diese "Frömmler" – falls sie überhaupt zu Worte kommen – es wagen, sogar ein paar durchaus stichhaltige Argumente fürs Glauben vorzubringen  – dann ist das lästiges

MISSIONIEREN

das es natürlich erst recht zu ignorieren gilt. Oder mit "Argumenten" zu erwürgen  im Falle des Islams, über den man natürlich dank Talkshows,  Schlagzeilen und Buchtiteln  viel besser Bescheid weiß als jeder Muslim –  mit populistischen Behauptungen, Verleumdungen und generellen Schuldzuweisungen. Zuhören Fehlanzeige.

Die meisten (außer ein paar "Trollen" und den offenkundigen Islamhassern) meinen es ja nicht böse, im Gegenteil, sie wollen "aufklären", "befreien". Sie merken nur nicht, dass sie mit ihrer Überzeugung viel missionarischer und penetranter hausieren als jeder Zeuge Jehovas...

PS. ich darf das sagen, ich gehörte nämlich, wie meine LeserInnen der ersten Stunde wissen, vor nicht allzu langer Zeit selbst noch zu diesen intelligenten Besserwissern - äh "klugen und gebildeten Menschen" …

PPS. A propos Buchtitel: Damit bei all der populistischen "islamkritischen" Literatur, die gerade wieder überall auf Buchtheken liegt und in Talkshows und Zeitschriften angepriesen wird, mein Versuch, gegenseitiges Verständnis zu wecken, nicht ganz vergessen geht, hier nochmal der Link zu Amazon: http://amzn.to/1wypl7p. Für alle, die doch mal zuhören möchten. Besser gesagt lesen. Ohne missioniert zu werden. (Übrigens auch für Muslime, die diese "klugen und gebildeten Menschen", etwas besser verstehen lernen wollen.)

Mittwoch, 15. April 2015

der beste Planer

Weil er einfach so wunderschön ist, mein Schwan, und weil ich ihn und den Gedanken, den ich mit ihm verbinde, auch den Facebookverweigerern unter meinen Leser/Innen nicht vorenthalten möchte, hier noch meine neueste Foto-Bastelei. Das Schwanenfoto ist mir 2013 am Hallwilersee in der Schweiz gelungen.




Donnerstag, 26. März 2015

Die Macht der Sprache

Den nachstehend verlinkten Artikel von Dr. Elisabeth Wehling, den ich eben zu lesen kriegte, möchte ich vor allem denjenigen nicht-muslimischen Lesern ans Herz legen, deren Einstellung zum Islam und zu Muslimen weitgehend auf Medienberichten gründet. Er handelt - am Beispiel des Islams -  davon, wie Meinungen und Ansichten durch Sprache und Bilder aus Medien und Politik beeinflusst werden. Wie sehr das aus dem Ruder gehen kann, dürfen Muslime zur Zeit in allen überwiegend nicht-muslimischen Ländern am eigenen Leib erleben.


(Bitte aufs Bild klicken und den ganzen Artikel lesen)







Samstag, 21. März 2015

»er weiß mich« reloaded



da ist
das ich
im ich
fühlt mich
sieht mich
hört mich
schmeckt mich
freut sich
grämt sich
fürchtet sich
erinnert sich
doch -
kennt es mich?
manchmal
versteht es andere
besser
als sich

aber Du
Du!
Du kennst mich
weißt mich!
so umfass mich
tröste mich
liebe mich
lehr mich
über mich
und Dich

bitte.



Wir haben ja den Menschen erschaffen und wissen, was (alles ihm) seine Seele einflüstert, und Wir sind ihm doch näher als seine Halsschlagader, (Qāf: 16)