Freitag, 29. Juli 2016

Mit aller Macht. (Eine Bestandesaufnahme)

Über 6 Jahre sind es nun her, seit der Islam zu mir kam.

Wer nun am Anfang dachte: "Ach, die hat nur einen Spleen, das wird bald vorübergehen" dürfte inzwischen die Hoffnung aufgegeben haben.

Dass ich das wirklich "durchziehe", darüber staune ich allerdings auch selbst immer wieder. 

Ja, ich habe auch früher schon das eine oder andere Hobby eine Zeit lang intensiv betrieben, wenn auch bei weitem nicht so ausdauernd. Es waren auch immer Dinge, die nicht nur Spaß machten, sondern mir eine gewisse Anerkennung einbrachten. Denn - das wurde mir inzwischen klar - ich wollte gefallen, wollte, dass man mich gern hatte, dass man das, was ich tat, gut fand. Deshalb versuchte ich, immer alles allen recht zu machen. Deshalb sagte ich meist zu allem ja. Deshalb hätte ich nie etwas getan, was auf Ablehnung stoßen könnte. Und: bloß nicht auffallen - schon gar nicht negativ!

Dazu kommt, dass ich leider ein ziemlich fauler Mensch bin. Wenn es "nur" um mich selbst geht, habe ich es am liebsten möglichst bequem, gehe unnötigen Anstrengungen (und Entscheidungen) aus dem Weg. Und: Ich mag weder Routinen noch feste Termine, vermeide Verabredungen wo immer es geht, ziehe spontane Begegnungen vor. Nur bitte keine zeitgebundenen Verpflichtungen! 

Ich mochte übrigens auch keine Einschränkungen beim Essen oder Trinken - wenn ich letzteres auch selten übertrieb (ersteres häufiger). 

Und jetzt bekenne ich mich seit über 6 Jahren zu einer Religion, die mir u. a. 5x täglich "zeitgebundene Verpflichtungen" auferlegt. Sie brachte mich dazu, meine Ernährung umzustellen, meinen Tagesablauf, meine Kleidung, ja mein ganzes Leben. Sie wird außerdem von meinem gesamten Umfeld ausnahmslos für suspekt bis potentiell gefährlich und vor allem für völlig unpassend für mich gehalten.  Nach anfänglichem Entsetzen und offener Ablehnung begegnet man mir heute mit "nachsichtigem Unverständnis". "Gefallen" tue ich damit definitiv niemandem. Und: Ich bekenne mich nicht nur dazu - nein, ich zeige es auch noch. Man sieht es mir an. Ich falle auf. Und zwar - bei den allermeisten Leuten - negativ.

Und übrigens tue ich das ganz ohne dass ich "zum Ersatz" irgend einem/r Muslim/in in meinem Bekanntenkreis "gefallen" oder bei ihm/ihr "Anerkennung finden" würde. Es gab und gibt nämlich in meinem Bekanntenkreis keine Muslime. Und die muslimischen GlaubensgenossInnen, die ich inzwischen im www kennengelernt habe, sehen ja nicht, was ich tue ...

Das alles halte ich also seit über sechs Jahren durch, mit allem Drum und Dran; mal freudig motiviert, mal pflichtbewusst, gelegentlich mit einiger Überwindung, aber unverdrossen. Obwohl alles, aber auch alles dagegen sprach (und teilweise immer noch spricht): nicht nur die äußeren Umstände, sondern auch meine allgemeine Einstellung*) und meine Charakterschwächen.

Und warum? Wer hier neu ist und das wirklich wissen will, liest mal hier >>wie alles anfing und/oder stöbert ein wenig im Blog herum. Aber man kann es eigentlich ganz kurz zusammenfassen:

Weil heute Freitag ist, tue ich es mit einem Vers aus Sure Al-Kahf:


»Und Allah hat ja zu allem völlig die Macht.« (Al-Kahf 45)
الحَمْد لله 
*)Wer diesen Blog oder mein Buch kennt, weiß, dass ich vorher eine eingefleischte Agnostikerin war, mit mit der festen Überzeugung, Religion sei allenfalls etwas für schlichtere Gemüter.

Donnerstag, 14. Juli 2016

Ramadan ist vorbei

Ramadan ist vorbei

der alltag ist wieder gekommen
und du stehst da, etwas benommen
irgendwie leer
dabei
wolltest du doch etwas von dem mehr
in den alltag hinüberretten

doch was eben noch so leicht fiel
scheint plötzlich schwer und zuviel
kannst dich oft nicht konzentrieren
es fehlen verse beim rezitieren
und in der verbeugung das bücken
tut wieder weh im rücken
ja der schaitan
ist befreit von den ketten
vorbei ist ramadan

naja, wenns immer leicht wär und süß
ganz ohne anstrengung
wärs auch keine prüfung ...
....
»und Wir werden euch ganz gewiss
prüfen bis Wir sehen
welche von euch sich mühen
[...]« (Muhammad:31)

Dienstag, 5. Juli 2016

'Id mubarak


Auch wenn’s gerade schwer fällt
Bei all dem Leid auf der Welt:
Ich wünsche euch allen
Ob heut oder morgen
Ein Fest ohne Sorgen
Und möge Ramadans Segen
Auf unseren Alltagswegen
Noch lange nachhallen.



Freitag, 24. Juni 2016

Wie ich mit dem Rauchen aufhörte

Was das nun ausgerechnet mit dem Islam zu tun haben soll? 

Ich will es euch erklären. Vielleicht dient es ja dem/der einen oder anderen Immernoch-Raucher/in als Anregung.

Montag, 21. März 2016

von Kannibalen und Schlupflöchern

Ich kriege öfter Mails (über obiges Kontaktformular) und freue mich über jede einzelne und beantworte auch jede. Diese hier, die mich vor ein paar Tagen erreichte, ist so gut geschrieben und so motivierend, dass ich sie euch nicht vorenthalten will. Ich bin sicher, dass sich noch andere Leser_Innen darin wiederfinden werden. Mir jedenfalls wurden die Augen gleichzeitig vor Lachen und vor Rührung feucht und ich erinnerte mich lebhaft an die Anfänge meiner eigenen "aufregenden Reise im Islam". Doch lest selbst - die Absenderin hat mir erlaubt, den Brief hier zu veröffentlichen:
Liebe Christine, oder besser: Assalamu aleikum. Über Deinen Blog bin ich zufällig gestolpert, habe sogleich Dein Buch bestellt und es nahezu in einem Rutsch gelesen, habe dabei einige Male gelacht und sehr oft wissend genickt, konnte ich mich doch in vielem wiederfinden, was Du schreibst über Deine aufregende Reise im Islam. 
Ich selbst bin eine 32jährige Frau, würde mich gebildet und belesen nennen, lebe in Deutschland, ich bin Akademikerin, Mutter zweier kleiner Kinder. Bis vor ein paar Monaten wusste ich genau, wer ich bin. In eine typisch deutsche, auf dem Papier evangelische, aber nicht praktizierende Familie hineingeboren, hat Gott in meinem Werte- oder Gedankengebäude schlicht nie eine Rolle gespielt. Im Teenageralter wurde ich quasi zur Erfinderin des Atheismus, alles Gläubige war mir so fremd wie Kannibalismus, die Frommen habe ich belächelt (sie wissen es halt nicht besser), ich brauchte keinen Gott und keine Hoffnung auf "danach", war ich doch stark genug, das Leben (und den Gedanken an den Tod) ohne "Schlupfloch" zu ertragen (so empfand ich es)....
Ich habe dann vor wenigen Monaten das erste Mal den Koran gelesen, heute stehe ich morgens um 5 Uhr auf, um zu Allah zu beten, in der Hoffnung, dass er mich hört... Glauben kann ich das selbst noch nicht so recht.

Ich weiß gar nicht genau, warum ich Dir jetzt schreibe. Ich glaube, ich war einfach froh, von einer Konvertitin wie Dir zu hören und zu lesen. Ich spreche sehr gut Englisch, was es mir ermöglicht, auf YouTube und anderen sozialen Medien das Leben mancher "reverts" zu verfolgen, jedoch finde ich trotz allem Interesse daran oft nicht den Bezug zu meinem Leben bzw. meiner Situation, weil ich eben keine 20jährige Studentin mehr bin ohne eigene Familie, berufliche Bindungen und andere Verantwortungen, die es schwerer machen, einfach "mein Ding" durchzuziehen und darauf zu pfeifen, was irgendwer sagt oder denkt...
Wie gesagt, es ist irgendwo gut zu wissen, dass es anderen genauso geht. Ich freue mich irgendwo schon darauf, in ein paar Jahren Dein Buch nochmal zu lesen und zu sehen, welche Erinnerungen das dann mit sich bringt... 
Liebe Grüße  
******************************* 
A propos "in der Hoffnung, dass er mich hört": 

»Sag: Mein Herr weiß (alles), was im Himmel und auf der Erde gesagt wird. Er ist der Allhörende und Allwissende.» (Al-Anbiyā': 4)
Und:

»Und wenn dich Meine Diener nach Mir fragen, so bin Ich nahe; Ich erhöre den Ruf des Bittenden, wenn er Mich anruft. [...]«  (Al-Baqara: 186)


Ich freue mich sehr für jeden Menschen, dem diese Tür geöffnet wird und der sie nicht erschrocken zuschlägt, sondern >eintritt und sich umschaut. Macht weiter, lest, betet, bittet, lernt! Und erfahrt, wie erfüllend es ist, durch die Welt zu gehen und alles als Seine Schöpfung, Seine Zeichen wahrzunehmen, in allem einen Sinn zu wissen. 

Freitag, 18. Dezember 2015

Herausgewachsen.

Der Name „Ausgerechnet Islam“ passt eigentlich nur noch aus nicht-muslimischer Sicht so richtig zu diesem Blog, und für diejenigen, die sich eher im Anfangsstadium jener seltsamen Situation befinden, von einem gar nichts glaubenden zu einem religiösen Menschen mutiert zu sein - und sich dabei auch noch „ausgerechnet“ den Islam "ausgewählt" zu haben...


Inzwischen ist es für mich längst nicht mehr ausgerechnet, sondern vielmehr natürlich der Islam.

Warum das so ist – naja, stöbert halt ein wenig in diesem Blog herum, oder bestellt euch mein Buch - in beidem findet ihr meine Gedanken, Erfahrungen, Ansichten, Nöte und einiges Drum-Herum auf meinem Weg von "nie im Leben" via „ausgerechnet“ nach „natürlich“  - Islam. *)

Der Name der Seite passt jedenfalls nicht mehr zu meiner Befindlichkeit. Ich bin gewissermaßen herausgewachsen, denn er schränkt  die Themen ein, und er beschränkt mich aufs (Konvertierte-)Muslimin-Sein. Ich möchte aber lieber als Vollversion meiner selbst wahrgenommen werden.

Es gibt deshalb ein neues kleines Blog, eine Art Foto- und Zettelkiste, in der ich ab und zu einen Gedanken notieren, eine Begegnung festhalten und den einen oder anderen eigenen, gefundenen oder gesuchten Text oder Vers festhalten werde, und wo ich meine besten Fotos in angemessenem Rahmen so drapiere, dass sie besser zur Geltung kommen als im kurzlebigen Facebook oder in den Tiefen meiner HD. Nicht um der Fotos willen, sondern weil ich das das Schöne, das ich sehe - Seine Zeichen! - einigermaßen geordnet und wiederauffindbar aufbewahren möchte. Für mich selbst und für alle, die es gerne sehen möchten.

Also dann - inschaAllah - auf Wiedersehen bei:




*) Ich habe, da "Ausgerechnet Islam" ja eine Entwicklung beinhaltet, das Archiv hier so umgestellt, dass - wer das will - die Artikel chronologisch lesen kann. Neuen Besuchern, die ganz am Anfang anfangen möchten, empfehle ich allerdings, als allererstes die Seite "Metamorphose - mein Weg zum Islam" zu lesen. 


PS: Ich schließe nicht aus, dass ich gelegentlich auch mal einen Artikel hier veröffentliche, wenn er denn hier besser reinpasst.

Dienstag, 8. Dezember 2015

Dank. 34:48 / 39:23.

Wie soll ich nicht erschauern
in Furcht
vor Dem
Der dieses gewaltige
Universum erschuf
Der mich auf einer Kugel
durch die
Unendlichkeit schießt

Wie soll ich nicht lieben
in Anbetung
Den
Der die wunderbare
Rose erschuf
Dessen Liebe und Schönheit
die Schöpfung
durchfließt

Wie soll ich nicht danken
in Demut
Dem
Der mich ins Leben rief
mir Wahrnehmung schenkte
und Bewusstheit
und Dessen Barmherzigkeit
alles umschließt

Dem 
Der mir
die Wahrheit
entgegenschleuderte
und Dessen Buch
zu Seinem Gedenken
mir Haut und Herz
erweichen ließ



Mittwoch, 18. November 2015

Schizophren. Und: I am the world.

Sind wir nicht eine schizophrene Gesellschaft?

Seit Jahrhunderten beuten wir Länder aus. Erst eroberten und erniedrigten wir sie, bestahlen sie, teilten sie unter uns auf und zogen unnatürliche Grenzen mitten durch Stammesgebiete  und – wo immer möglich – zwangen wir ihnen das Christentum als Religion auf. Und dann unsere (wie wir meinen) einzig seligmachende konsumorientierte Lebensweise. Irgendwann gaben wir ihnen großzügig oder gezwungenermaßen die Unabhängigkeit. Vielerorts eine Pseudounabhängigkeit, die uns erlaubt, sie weiterhin auszubeuten: Dank cleveren Verträgen mit despotischen Regierungen sichern wir uns ihre Ressourcen, ja wir klauen den Ärmsten sogar das Wasser, um es in elegante Flaschen abgefüllt teuer an Leute zu verkaufen, die es gar nicht bräuchten, weil bei ihnen sauberes Wasser aus dem Wasserhahn läuft. Wir nehmen ihnen ihr Land weg, um riesige Plantagen anzulegen, auf denen sie Sklavenarbeit verrichten dürfen, während wir sie mit Missbildungen verursachenden Giften besprühen, damit wir möglichst billig möglichst viele Steaks auf unsere Teller kriegen. Wir lassen ihre Kinder unter menschenunwürdigen, krankmachenden Arbeitsbedingungen zu Hungerlöhnen unsere Teppiche und billige Kleider und was auch immer produzieren. Und wir verdanken einen schönen Teil unseres westlichen Wohlstandes der Tatsache, dass wir ihren despotischen Regierungen Waffen zum Bekriegen ihrer eigenen Völker verkaufen und, wenn es sein muss, helfen wir ihnen ganz gerne auch mit militärischen Einsätzen und töten dabei per Knopfdruck versehentlich mehr Zivilisten in einem Monat als alle linken, rechten und muslimischen Terroristen zu allen Zeiten insgesamt.

Montag, 9. November 2015

Glauben oder glauben. Oder nicht glauben.

Für viele scheint das Wort "Glauben" auf ihre jeweilige Religion bezogen etwa den gleichen Gehalt zu haben wie wenn man sagt "ich glaube, das Wetter bleibt, wie es ist". Für mich früher auch.

Jetzt nicht mehr.

„Glauben“ im religiösen Sinn bedeutet heute für mich, "zutiefst davon überzeugt zu sein, dass etwas wahr ist" - auch ohne dass eindeutige, allgemein anerkannte, wissenschaftliche Beweise dafür vorliegen.

Wer mich von diesem Glauben abbringen will, schafft das nur, wenn er mir  eindeutige, allgemein anerkannte, wissenschaftliche Beweise für die Falschheit meines Glaubens vorlegt ;-). 

Wenn du nun deinerseits glaubst, also zutiefst davon überzeugt bist, dass (meine) Religion falsch ist, dann werde ich dich ebenso wenig umstimmen können wie du mich. Aber immerhin sollten wir doch das "Glauben" an sich gewissermaßen gegenseitig nachvollziehen können - glaubst du nicht?

لَكُمْ دِينُكُمْ وَلِيَ دِينِ [١٠٩:٦]

"Euch euer Glaube und mir mein Glaube"
 (Koran, Sura Al Kâfirûn Vers 6)


Ich glaube, du verstehst, was ich meine. Oder auch nicht. 

Sonntag, 25. Oktober 2015

Es regnet


Es regnet hier in der Algarve oft den ganzen Sommer lang nicht - da hat man ein ganz anderes Verhältnis zu Regen als zum Beispiel in meiner Heimat, der Schweiz. Trotzdem - auch hier kommt es zwischen Herbst und Frühling vor, dass man ganz schön genug kriegt von dem Wasser, das leider bei der hiesigen Bauweise gerne auch durch die Decke ins Wohnzimmer tröpfelt. Aber immerhin bleibt man sich bewusst, wie wichtig der Regen ist, denn wenn er ausbleibt, ist es nicht nur für die Landwirtschaft eine Katastrophe, sondern es kann durchaus sein, dass im nächsten Sommer das Wasser knapp wird.

Regen in Medina
In der Wüste ist Wasser noch viel kostbarer. Als ich in Medina war und mal ein paar Tropfen Regen fielen, sah man die Leute auf der Straße herumtanzen und lachen und beten und dem Herrn danken. 

So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Wort "Wasser" im Koran nicht weniger als 93 mal vorkommt und zwar ganz oft zusammen mit dem Wort "Zeichen". 



Und Allah lässt vom Himmel Wasser herabkommen und macht dann damit die Erde nach ihrem Tod wieder lebendig. Darin ist wahrlich ein Zeichen für Leute, die hören (können). (An-Nahl: 65)

Für uns, die wir in Gegenden wohnen, wo es viel, manchmal zu viel regnet, ist das Wasser vom Himmel nichts Besonderes, zuweilen sogar etwas Ärgerliches, das unsere Freizeitpläne über den Haufen wirft. 

Soviel ich weiß, ist sich die Wissenschaft einig, dass es ohne Wasser kein Leben gibt. Ab und zu hört man in den Nachrichten als "Sensationsmeldung" von Wasservorkommen auf irgendeinem Planeten - meist in weit entfernten Galaxien, meist kommt es als Eis vor oder als Gas, oder es ist vor Millionen Jahren ausgetrocknet. Wasser ist also auch aus wissenschaftlicher Sicht  sehr wohl etwas ganz und gar Besonderes, noch mehr, wenn es - wie auf der Erde - gleichzeitig flüssig, gasförmig und fest vorkommt. "Nur auf der Erde kommt Wasser direkt an der Planetenoberfläche in allen drei Aggregatzuständen dauerhaft und in großen Mengen vor. Dieser Umstand macht die Erde im Sonnensystem zu einem einzigartigen Himmelskörper, zum „Blauen Planeten“ (Quelle:Wikipedia).

Heute früh nun, als ich so dem Regen zuhörte, der vor meinem Schlafzimmerfenster herunter prasselte ...


... und mir all das durch den Kopf ging, was ich hier aufgeschrieben habe, wurde mir wieder einmal in aller Deutlichkeit bewusst, wie sehr das Wasser ein Wunder ist - und dass das Zeichen, als welches es uns Gott im Koran immer wieder anbietet, damit wir verstehen sollen, so klar ist wie das Wasser selbst.

Sehen denn diejenigen, die ungläubig sind, nicht, dass die Himmel und die Erde eine zusammenhängende Masse waren? Da haben Wir sie getrennt und aus dem Wasser alles Lebendige gemacht. Wollen sie denn nicht glauben? (Al-Anbiyā': 30)

Dienstag, 29. September 2015

Brandstifter darf man nicht ignorieren!

Eigentlich wäre der Mann keinen Gedanken wert und viele Glaubensgenossen sind der Meinung, er sollte ignoriert werden, denn sie halten ihn für irrelevant: Kein Muslim, der es mit der Religion ernst nimmt, wird sich durch seine abstrusen Theorien von seinem Glauben abbringen lassen.

Hier aber ist Ignorieren die falsche Strategie – denn dieser Mensch, der jetzt überall in den Medien herumgereicht wird, damit er sein neues Buch „Abrechnung mit Mohamed“ (er heißt Muhammad! - Gott segne ihn und schenke ihm Heil) promoten kann, ist um ein Vielfaches gefährlicher als ein Neonazi, der ein Flüchtlingsheim in Brand steckt. Denn er wirft ganze Tankladungen von Öl in das Feuer der „Angst vor dem Islam“ und steckt Massen von bisher neutralen Beobachtern an. Ein Flächenbrand droht!

Abdel-Samad erreicht nämlich nicht nur Islamhasser, -kritiker und Pegidisten, nein, ihm huldigen auch Intellektuelle, Humanisten - aufgeschlossene, tolerante Zeitgenossen. Keine bösen Menschen, die etwas gegen Muslime haben, sondern Leute, die nichts oder nicht viel von Religionen halten, die vom Islam keine Ahnung haben und sich im Grunde auch nicht dafür interessieren, jetzt aber durch den Zustrom muslimischer Flüchtlinge sensibilisiert sind und aufhorchen. Und nun in allen Talkshows und Medien auf die unsäglichen Theorien dieses als „Islamexperten“ angepriesenen Menschen stoßen.

Und ihm glauben! Denn er weiß sich (und seine Bücher) zu verkaufen! „Da wagt sich endlich mal jemand, zu sagen, was Sache ist“ ist die Essenz der harmlosesten Kommentare auf Twitter und anderswo zur Sendung „Hart aber Fair“ von gestern Abend. Die wenigsten durchschauen den armseligen Populisten.

„Er muss es ja wissen! Er ist ja selber (Ex-)Muslim und Islamwissenschaftler“ sagen sich besorgte und andere Bürger. (In Wirklichkeit ist er allerdings Politologe). Deshalb werden ganz viele ihm glauben, und nicht dem muslimischen Nachbarn, den muslimischen Angehörigen, (ja – wir „Konvertiten“ werden die Auswirkungen wieder einmal ganz besonders zu spüren bekommen), auch nicht dem freundlichen Imam, dem ja die HASsche Objektivität abgeht.

Besonders gefährlich ist er, weil er im Gegensatz zu anderen muslimischen „Islamkritikern“ nicht nur eine konservative Auslegung des Glaubens anprangert sondern auch die liberalste, so schreibt Daniel Bax im Spiegel Online:
„Selbst eine liberale Auslegung des Islam lehnt Hamed Abdel-Samad ab, er hält den Islam für nicht reformierbar und möchte ihn daher auf den Müllhaufen der Geschichte werfen. "Eine zeitgemäße Interpretation des Koran kann nicht die Lösung sein", schreibt er. Vielmehr müssten Muslime anerkennen, dass der Koran nicht Gottes Wort sei, sondern von Menschen gemacht sei, und Mohammeds Verdienste infrage stellen, kurz: Sie sollten zentralen Glaubenssätzen ihrer Religion abschwören.“
Was man gegen diesen Brandstifter tun kann? Ich weiß es auch nicht. Als Anfang den Artikel aus Spiegel-Online so oft verlinken, damit möglichst viele Leute merken, was für ein Mensch dieser Mensch ist:
„Bei einer Veranstaltung der AfD-Jugendorganisation in Köln ließ es sich Frauke Petry nicht nehmen, ein Grußwort zu sprechen. Und Hamed Abdel-Samad bekannte dort gut gelaunt, dass er mit Thesen durchkomme, für die ein Thilo Sarrazin "gekreuzigt" würde. Das läge allein daran, dass ihm als Ex-Muslim quasi ein "Islam-Rabatt" gewährt würde: Nur aufgrund seiner Hautfarbe würde ihm keiner vorwerfen, ein Rassist zu sein, gluckste der Publizist. Da ist etwas dran. Und es ist falsch.“

Ich würde gern den ganzen Artikel hier einstellen, aber ich weiß nicht, ob das erlaubt ist. Deshalb der Link: "Religionskritik nach Pegida-Art"

Freitag, 25. September 2015

Allein kann man nicht feiern. Und: 'id mubârak. Und: ein Aufruf.

Die gestrige Reaktion auf eine Facebook-Statusmeldung hat mich veranlasst, hier ein Thema aufzugreifen, über das offensichtlich ansonsten kaum gesprochen wird.

Zwar wissen wir alle: Im Grunde muss sich ein Muslim nie wirklich allein fühlen. Und alles, was er wirklich braucht, ist Allah. Denn Er sagt: "...Wir sind ihm (dem Menschen) doch näher als seine Halsschlagader" (Qāf: 16),  und: "...sag: Meine Genüge ist Allah. (At-Tauba: 129). 

Trotzdem.... :

Gestern war also der erste, der wichtigste Tag des Opferfestes, und ich begab mich zum Festtagsgebet nach Portimão. Wie üblich fanden sich auf der Praça Gil Eanes eine recht große Anzahl Männer und eine Reihe Frauen ein. Hier ein Bild vom 'Id-ul-Fitr - es sah gestern so ähnlich aus, nur der Himmel war blauer, aber ich hatte keine Lust zum Fotografieren.

Es ging mir nämlich gestern nicht so gut. Denn mir wurde - verbunden mit der sehnsüchtigen Erinnerung an denselben Tag letztes Jahr in Mekka - bewusst, wie allein ich war. Nach wie vor habe ich in meiner Gegend keinen Anschluss zu Gleichgläubigen, was erstens daran liegt, dass es hier sehr wenige Musliminnen gibt und zweitens diese wenigen keine meiner Sprachen sprechen.

Scheinbar brauchte ich ein Ventil, und so schrieb dann, als ich wieder zuhause war, allein, etwas niedergeschlagen, ohne viel zu überlegen in meinen fb-Status:

"Heute fällt mir das Alleinsein schwer" 

was als erstes eine Welle von überaus tröstlichen Sympathiebezeugungen  zur Folge hatte - für die ich mich auch an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanke, es hat so gut getan und meine Stimmung in kurzer Zeit wieder ganz beträchtlich gehoben. Zwischenzeitlich schämte ich mich für meine Jammerei und fand sie - in Anbetracht der schrecklichen Vorfälle in Mekka und in Sanaa und des ganzen Kriegs- und Flüchtlingselends auf der Welt - unangemessen. 

Aber dann war ich doch wieder ganz froh, das Thema aufgegriffen zu haben.

Es stellte sich nämlich heraus, dass ich ganz und gar nicht die einzige bin, die sich gerade so fühlte. Nein - in Deutschland und der Schweiz gibt es offenbar gar nicht wenige Muslime, Frauen und Männer, die sich an solchen Tagen genauso einsam fühlen wie ich - obwohl es doch dort viel mehr Glaubensgeschwister gibt. Und keine Sprachbarrieren wie bei mir hier.

Ich glaube, das müsste gar nicht sein. Dass ich spontan einige von Herzen kommende, ernst gemeinte Einladungen erhielt, bestärkt mich in diesem Glauben. (Leider wohne ich einfach ein bisschen zu weit weg...). Bestimmt ist es nur Unwissenheit, Unachtsamkeit. Man sieht es uns ja auch nicht an, dass wir gleich zuhause alleine "feiern" werden. (Nein. Man kann allein nicht feiern.)

Liebe Muslim/Innen in der Schweiz und in Deutschland, konvertierte und geborene, mit oder ohne "Migrationshintergrund", und ich meine jetzt diejenigen, die Familie und/oder Freunde haben, die sie zum Festtag umarmen, mit denen sie feiern können: Vielleicht gibt es in eurer Moschee oder in eurer Gegend auch so einen Glaubensgenossen oder eine Glaubensgenossin, der oder die immer ganz allein zum Festtagsgebet erscheint und alleine wieder weggeht ... dann nehmt euch ein Herz - euer muslimisches Herz! -, sprecht die Person an! Vielleicht wartet sie sehnlichst darauf, Anschluss zu finden. Wenn nicht, ist die Sache schnell erledigt - as-salamu alaykum. Wenn ja - wer weiß! Wird sicher spannend.

Übrigens: Es könnte hilfreich sein, wenn der eine oder andere Imam diese Sache in seiner Chutba thematisieren würde.

Und nun wünsche ich etwas verspätet aber umso herzlicher allen LeserInnen gesegnete Opferfesttage.

(Bastelvorlage von Andreas Ismail Mohr

PS: Mir geht es wieder gut. Man kann zwar nicht allein feiern. Aber es gibt andere Möglichkeiten: "Sicherlich, im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe! (Ar-Ra'd: 28)

Montag, 21. September 2015

freier wille freie wahl

wenn doch alles existierende
alles, was jemals existierte
und alles, was jemals existieren wird
erschaffen ist
erschaffen von Gott
dem Ewigen
dem Einzigen
Schöpfer
nicht nur die dinge
sondern auch
die gedanken
die entscheidungen
die taten
ALLES...

Mittwoch, 12. August 2015

Verheerende Nebenwirkung!

Sicher gehen auch oder sogar besonders die „progressiven, liberalen“ Muslime mit mir einig, dass jeder Mensch seine Religion so leben können muss, wie er möchte, solange er damit niemandem schadet.

Samstag, 11. Juli 2015

Allâhu Akbar - الله أكبر - Gott ist Größer

"Allâhu akbar" wird oft mit „Gott ist der Größte“ übersetzt.

Das ist aber nicht ganz korrekt. Denn wortwörtlich heißt es „Gott ist größer“.

Anfangs befremdete es mich, dass Gott also nicht „der Größte“ sein sollte, sondern „nur“ „größer“.

Inzwischen gefällt mir die wörtliche Übersetzung viel besser. In Wirklichkeit ist nämlich „größer“ größer als „der Größte“! In Wirklichkeit ist die Formulierung "Allâhu akbar" - "Gott ist größer" genial!

Warum?

Samstag, 9. Mai 2015

Aufklärung vs Frömmelei und Missionieren

Wenn manche wissenschaftsgläubige Atheisten/Agnostiker oder Angehörige der "naja-es-gibt-da-vielleicht-eine-höhere-Macht-aber..."- oder auch der "ich-glaube-an-Gott-aber-Religion-braucht-keiner"-Fraktion es nicht dabei belassen, gläubigen Menschen mit verächtlichen Blicken und spitzen Bemerkungen zu zeigen, dass sie an deren gesundem Menschenverstand zweifeln, sondern versuchen, ihnen wortgewaltig klarzumachen, wie dumm es sei, das Leben mit Befolgen von absurden Regeln eines unbeweisbaren Gottes zu vergeuden, statt es zu genießen, dann nennen sie das dringend notwendige

AUFKLÄRUNG

Mittwoch, 15. April 2015

der beste Planer

Weil er einfach so wunderschön ist, mein Schwan, und weil ich ihn und den Gedanken, den ich mit ihm verbinde, auch den Facebookverweigerern unter meinen Leser/Innen nicht vorenthalten möchte, hier noch meine neueste Foto-Bastelei. Das Schwanenfoto ist mir 2013 am Hallwilersee in der Schweiz gelungen.




Donnerstag, 26. März 2015

Die Macht der Sprache

Den nachstehend verlinkten Artikel von Dr. Elisabeth Wehling, den ich eben zu lesen kriegte, möchte ich vor allem denjenigen nicht-muslimischen Lesern ans Herz legen, deren Einstellung zum Islam und zu Muslimen weitgehend auf Medienberichten gründet. Er handelt - am Beispiel des Islams -  davon, wie Meinungen und Ansichten durch Sprache und Bilder aus Medien und Politik beeinflusst werden. Wie sehr das aus dem Ruder gehen kann, dürfen Muslime zur Zeit in allen überwiegend nicht-muslimischen Ländern am eigenen Leib erleben.


(Bitte aufs Bild klicken und den ganzen Artikel lesen)