Dienstag, 29. März 2011

SELTSAM

Fern dem Nahen
nah dem Fernen
fremd dem Vertrauten
vertraut dem Fremden

Schade

Es ist mein Weg
Kein Spleen
keine Verrücktheit
keine Flucht
ZUFLUCHT schon
Al hamdu li-llah


Freitag, 18. März 2011

Instinkt? Fitra?

Eine meiner ersten bohrenden Fragen war:

„Warum kümmert sich Allah s. darum, wie wir uns anziehen, gibt uns genaue Vorschriften, wie und wann und wie oft wir zu beten haben. Was wir essen dürfen und was nicht. Etc. Das ist doch kleinlich, passt überhaupt nicht zu der Vorstellung eines „großartigen, über alles erhabenen Gottes“

Die Antwort war die übliche. »Das liegt in Gottes Weisheit». Natürlich verstand ich das nicht.  Trotzdem wuchs in mir ein inneres Bedürfnis, diese komischen Regeln zu befolgen. Eine Art Instinkt, der sich mit der Zeit verstärkte.

Dieser "Instinkt" hat im Islam einen Namen: Fitra. Damit werde jeder Mensch geboren, und je nach Leben, das er führe, oder auch z.B. durch Erziehung, könne diese Fitra sozusagen „zugedeckt“ werden. Ich glaube, man kann es durchaus mit dem Instinkt vergleichen, wo ja gewisse Triebe (z.B. der Fortpflanzungstrieb) durch anerzogene Verhaltensmuster und Verstand (oder durch die Fitra?) in Schranken gehalten und andere – z.B. der Mutterinstinkt, verstärkt werden.

Aber natürlich muss ich dieses „innere Bedürftnis“ auch auch mit meinem Intellekt vereinbaren können. Und dies gelingt mir, weil ich den Koran tatsächlich als „sprechendes Universum“ sehe. Wir sehen das Universum und können, mit unserem beschränkten Erkenntnisvermögen, einiges verstehen, erklären, nachvollziehen – vieles aber bleibt Mysterium. Trotzdem existiert es. Und trotzdem ist es wahr. Genauso ist es mit dem Koran. Es steht sogar drin:

«Er ist es, Der das Buch (als Offenbarung) auf dich herabgesandt hat. Dazu gehören eindeutige Verse - sie sind der Kern des Buches - und andere, mehrdeutige. Was aber diejenigen angeht, in deren Herzen (Neigung zum) Abschweifen ist, so folgen sie dem, was davon mehrdeutig ist, im Trachten nach Irreführung und im Trachten nach ihrer Missdeutung. Aber niemand weiß ihre Deutung außer Allah. Und diejenigen, die im Wissen fest gegründet sind, sagen: "Wir glauben daran; alles ist von unserem Herrn." Aber nur diejenigen bedenken, die Verstand besitzen. (Sure 3 Vers 7)«

Er ist der Erste und der Letzte, der Offenbare und der Verborgene. Und Er weiß über alles Bescheid. (Sure 57 Vers 3)

(Er ist) der Kenner des Verborgenen und des Offenbaren, der Allmächtige und Allweise. Sure 64 Vers 18)

Und so akzeptiere ich die Tatsache, dass das Universum wahr ist und dass ich ganz viel davon nicht verstehe, aber auch, dass der Koran wahr ist und dass ich ganz viel davon nicht verstehe. Und befolge Regeln, deren Weisheit nur Gott kennt. So einfach ist das.






Mittwoch, 16. März 2011

keine Angst!

Ich möchte hier nochmal in aller Deutlichkeit allen meinen Freunden aus meinem alten Leben und meinen Familienangehörigen etwas sagen:

Natürlich verstehe ich eure Zweifel, euer Erstaunen, eure Ablehnung! Ich weiss ja ganz genau, wie ich früher reagiert hätte, wenn einer von euch mit so einer Geschichte zu mir gekommen wäre - mindestens genauso verständnislos und perplex wie ihr.

Nur um eines bitte ich euch: habt keine Angst um mich. Ich bin nicht in einer Sekte und niemand versucht, mich für den Islam zu beeinflussen (dagegen jedoch sehr...). Niemand wird mich "abzocken" oder in einen Abgrund hinabziehen oder mir eine Burka überstülpen und mich zur Fanatikerin machen. Also nochmal: bitte macht euch keine Sorgen meinetwegen!

Montag, 14. März 2011

Aus dem West-Östlichen Divan von Johann Wolfgang von Goethe:

Bei Mondeschein im Paradeis
Fand Jehova im Schlafe tief
Adam versunken, legte leis
Zur Seit ein Evchen, das auch entschlief.
Da lagen nun, in Erdeschranken,
Gottes zwei lieblichste Gedanken.-
»Gut!!!« rief er sich zum Meisterlohn,
Er ging sogar nicht gern davon.


Es regnet. Und ich denke: jeder Regentropfen ein Gedanke Gottes.....


Samstag, 12. März 2011

Freitagsgebet

Kürzlich nahm ich all meinen Mut zusammen und machte mich auf den Weg zur Moschee. Ich wollte zum ersten Mal an einem Freitagsgebet teilnehmen. Dazu lief ich - auch eine Premiere - mit Kopftuch durch die halbe Stadt. Erstaunlicherweise schnitt mir niemand den Kopf ab, aber ein paar komische Blicke gab es schon - immerhin habe ich in den bald 20 Jahren, die ich hier lebe, höchstens zwei mal Frauen mit muslimischem Hijab gesehen.

Offenbar war die Zeit, die man mir angegeben hatte, falsch. Denn als ich ankam, war die Predigt schon in vollem Gange. Der Männer-Raum war voll. Im Frauenraum sass ein einzelner Mann mit Kind und deutete per Kopfbewegung auf einen kleinen Nebenraum. Der war ---- leer!

So verrichtete ich denn mein erstes Freitagsgebet in der Gemeinschaft - alleine. Ein bisschen komisch war das schon. Mir wurde geraten, nächstes Mal einfach in den Hauptraum zu gehen und hinter den Männerreihen zu beten. Nun bin  ich allerdings noch nicht sicher, was mir unangenehmer ist: ganz alleine zu beten (das kann ich auch zuhause) oder hinter lauter mir unbekannten Männern....

Fortsetzung hier: «Freitagsgebet zweiter Versuch»

Donnerstag, 10. März 2011

Arabisch sprake schweres sprake

Also wirklich. Ich bin ja in Sachen Sprachen nicht gerade auf den Kopf gefallen. Seit eineinhalb Jahren lerne ich jetzt arabisch, zuerst auf eigene Faust, seit einem  Jahr mit einem richtig guten Lehrer. Und auch wenn Grammatik und Satzbau sich sowohl vom Englischen, Deutschen und auch von lateinischen Sprachen schon ziemlich unterscheidet, komme ich einigermassen damit zurecht. Wörter pauken - nun ja, es dauert halt dem Alter entsprechend ein wenig länger als früher, bis sie sich wirklich einprägen, aber ich habe ja auch keine Eile. Auch lerne ich vieles und vergesse es wieder, unter anderem, weil ich meine Kenntnisse in der Praxis nicht anwenden kann. Am leichtesten fällt mir glücklicherweise das Auswendiglernen von Texten. Schreiben geht auch schon ziemlich flüssig. Alles in allem bin ich ganz zufrieden mit meinen Fortschritten.

Wenn nur das Lesen nicht wäre!  Ich lese noch immer wie ein Anfänger, einen Buchstaben, ein Vokalzeichen nach dem anderen. Ich habe vollstes Mitgefühl für jeden Erstklässler mit Leseschwäche. Selbst wenn ich einen von mir selbst geschriebenen Text lesen will, stehe ich da wie der buchstäbliche Esel am Berg.  Dabei gebe ich mir wirklich Mühe, lese jeden Tag mindestens ein wenig.

Nun ja, wie dem auch sei. Geduld bringt Rosen - aber zuerst Dornen und Knospen... passt ja ganz gut auch auf fast alle Aspekte des Lebens. Allerdings würde es mich schon interessieren, ob es anderen Arabisch Lernenden auch so geht.