Samstag, 30. April 2011

Ameisen

Beim Spaziergang auf den Klippen kamen wir heute zu einer Ameisenstraße. Schon interessant, wie die ihren Weg finden, die einen hin, die anderen her, geradeaus und wieder zur Gruppe. Und dann erinnere ich mich, dass ich noch vor Kurzem dachte, das ganze Universum sei aus Zufall entstanden. Dann würden also diese einzelnen, zufällig in einem zufällig entstandenen Ameisenvolk entstandenen Ameisen ganz zufällig ihren geraden Weg finden; in dieser zufällig entstandenen Landschaft auf einem zufällig entstandenen Planeten in einem zufällig entstandenen Universum. Und zufällig wähle ich aus unendlich vielen zufälligen Möglichkeiten das Beispiel mit den Ameisen....


Durch Ihn existiere ich und durch Ihn nehme ich wahr was durch Ihn existiert. 

لا حول ولا قوة الا بالله      

Freitag, 29. April 2011

Freitagsgebet - falsche Ausgangslage

In der portugiesischen Ausgabe meines Blogs meinte eine Leserin:
«Nun ist es ja so, dass die Männer am Freitagsgebet teilnehmen müssen, während es für die Frauen freiwillig ist und sie auch zuhause beten können.»
Und mein Arabischlehrer schrieb dazu:

Donnerstag, 28. April 2011

Neubeginn

wieder zu Hause - back home - de volta em casa - wider deheim - retour à la maison - de nuevo en casa - 
tornato a casa - ابن الوطن

Als Sinnbild für den Neubeginn
auf meinem Dache der Kamin... :-)

Dienstag, 26. April 2011

Von Foren, youTube, fb & Co.

Wenn man, so wie ich, (ich muss es immer wieder erwähnen, für Neu-Leser), in einem Umkreis von mehreren 100 km keine muslimischen Ansprechpartner hat, ist man froh und dankbar um die Möglichkeiten, die das Internet bietet.

Und ich habe auch tatsächlich ein paar schöne Kontakte knüpfen können, die mir weitergeholfen haben. Die ich meine, wissen es und ihnen sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Leider sieht man in diesen Foren, youTube-Videos und sozialen Netzwerken auch sehr vieles,  das den Islamgegnern in die Hände spielt.

Für Nicht-Muslime sei erklärt, dass es im Islam, wie auch in anderen Religionen, verschiedene Strömungen gibt. Nun ist es ein islamischer Grundsatz, dass kein Muslim einen anderen, der sich selbst als solchen bezeichnet, des Unglaubens bezichtigen darf. Andererseits ist ein Muslim angehalten, seine "Geschwister im Islam" zu "ermahnen", wenn er befürchtet, dass sie vom rechten Glauben abkommen.  Leider wird aber oft ziemlich rabiat belehrt, gehässig gestritten - es geht manchmal sogar so weit, dass einer dem anderen den Glauben abspricht.

Wie sehr doch solche unislamische Streitereien, die ja auch von Nicht-Muslimen wahrgenommen werden, dem Ansehen der Religion schaden! Vorurteile bestätigen! Neu-Muslime verunsichern! Dabei steht klar und deutlich im Koran:

«Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung....... »
(An-Nahl)

Samstag, 23. April 2011

Freitagsgebet - zweiter Versuch

Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich meine zweite Erfahrung hier veröffentlichen soll oder nicht. Schliesslich möchte ich mit diesem Blog vor allem Vorurteile abbauen - nicht bestätigen. 

Und doch, im Namen der Wahrheit werde ich erzählen, wie's war. Mit dem Risiko, dass der eine oder andere nichtmuslimische Leser sagen wird: "Siehst du, das sagen wir doch schon immer."

Freitag, 22. April 2011

Blind verliebt?

Nein, ich bin nicht blind verliebt in meine Religion, habe keine rosarote Brille auf. Ich weiß, dass nicht alles zum Besten steht bei den Muslimen. Ich lerne es auf meinen Streifzügen durch das Internet. Es gibt Hassprediger. Es gibt Islam-Seiten, die gegen die "Ungläubigen" hetzen. Es gibt (Pseudo)-Gelehrte, die von der Kanzel wettern wie dazumal die Pastoren in alten Schwarzweiß-Western. Es gibt Muslime, die in Foren und sozialen Netzwerken zum Djihad aufrufen, und zwar zu dem, was die meisten Nichtmuslime sich (leider) darunter vorstellen und nicht zu dem, was er in erster Linie sein sollte: die eigene Anstrengung  auf dem Weg zu Gott. Es gibt auch viele, die sich untereinander um unwichtige Nebensächlichkeiten streiten, anstatt die Gemeinsamkeiten zu vertiefen.

Donnerstag, 21. April 2011

Kopftuch und üble Nachrede

Wenn Muslime und Muslimas dem Kopftuch ein klein wenig weniger Aufmerksamkeit schenken würden und dafür der Pflicht zur Hilfe am Nächsten und dem Verbot der üblen Nachrede ein klein wenig mehr - ich könnte mir vorstellen, dass dann einige Islamgegner ein klein wenig weniger Gegner wären und man mehr über ziemlich viel wichtigere Themen diskutieren könnte.

Dies ist kein Plädoyer gegen das Kopftuch, aber eins für das Prioritäten setzen.

Siehe auch folgende Beiträge:

Sie trauen sich nicht
Kopftuchmissverständnis
Bekleidungsvorschriften vs Modediktat

Dienstag, 19. April 2011

Klangfrage

Nachdem ich nun den ganzen letzten Juz auf meinen iPod geladen habe und mir die Suren deshalb öfter anhöre, ist mir etwas aufgefallen:

Mir scheint, jede einzelne Sure ist rein vom Klang her - und ich meine nicht den durch die Rezitation erzeugen Klang, sondern den Klang der Wörter, Sätze, Verse und Reime an sich - ein unverwechselbares Ganzes. D.h., auch jemand, der kein oder nicht viel Arabisch kann, könnte mit der Zeit durch viel Hören in der Lage sein, einzelne Sätze nur durch den Klang der richtigen Sure zuzuordnen.

Das ist nur so eine Idee von mir, und ich fände es toll, wenn sich jemand, der was davon versteht, hier äußern würde. Und außerdem wäre es interessant, zu wissen, ob man auch einen Satz eines Gedichtes von Goethe oder Schiller rein durch Klang (nicht durch Inhalt) dem richtigen Gedicht zuordnen kann...

Sonntag, 17. April 2011

! السلام عليكم أخواتي

Ich war gerade dabei, diesen Beitrag zu entwerfen, als jener unsägliche Kommentar kam. Der kam allerdings zu 100 % nicht von Bekannten von mir - ich habe keine so primitiven Bekannten. Und deshalb zögere ich nicht, noch einmal zu betonen, dass ich durchaus diskussionswillig bin.

Ursprünglich hatte ja dieses Blog (ich ließ mich belehren, es heißt nicht "der", sondern "das" Blog), und vor allem die Seite "Metamorphose" einen ganz bestimmten Zweck:

Ich hoffte, damit insbesondere nicht-muslimische Familienmitglieder, Freunde, Freundesfreunde und Bekannte zu erreichen. Mit drei Zielen. Ich wollte 
  1. Leuten, die mir  wichtig sind, meinen Schritt etwas ausführlicher erklären, als das in einem Gespräch möglich wäre. Und ihnen ermöglichen, es Dritten, denen sie es erzählen möchten, im "Originalton" zu vermitteln.
  2. verhindern, dass gewissen persönlichen Entscheidungen falsche Ursachen zugrunde gelegt werden.
  3. Mir  ersparen, bei jedem Anlass, Besuch oder Treffen erklären zu müssen, weshalb ich z.B. keinen Alkohol trinke, kein Schweinefleisch esse und manchmal plötzlich "kurz weg" bin.

Was den ersten Punkt betrifft: mich wundert schon ein wenig, dass von Seiten derer, die meinen Schritt so gar nicht verstehen, keine Kommentare kommen. Keine Widerrede, keine Frage, kein Nachhaken, keine Gegenargumente. Nichts. (Betretenes Schweigen vielleicht?) Ich warte. (Ich meine natürlich hier nicht meine engsten Familienangehörigen oder besten Freundinnen, mit denen ich persönlich darüber spreche.)

Dafür kriege ich Feedback von muslimischen Lesern/Leserinnen (danke!). Deshalb dient nun das Blog (hört sich einfach irgendwie komisch an, 'das' Blog) unerwarteterweise noch einem ganz anderen Zweck: als mein Fenster in die islamische Welt. Und da ich in meiner Gegend nicht wie Anisah durch die Straßen gehen und Salam's austeilen und Musliminnen anlächeln kann (weil es sie kaum gibt), lächle ich hier so breit ich kann durch's Internet:

السلام عليكم أخواتي

so nicht!


So langsam verstehe ich das aufmüpfige Gehabe vieler jugendlicher Muslime und ihr ihr trotziges Verhalten. Was mir da nämlich eben als so genannter "Kommentar", natürlich anonym, unter den Beitrag "macht Islam glücklich?" gestellt wurde, hat mich sehr unsanft die Realität der Muslime in Deutschland erahnen lassen. Wenn einer älteren Frau mit gemäßigten Ansichten  solche Beleidigungen entgegen geschleudert werden, kann ich mir lebhaft vorstellen, was Muslime in Deutschlands Straßen so zu hören bekommen.


Ich hab's gelöscht. Ich bin durchaus kritikfähig und auch gerne zum diskutieren bereit. Aber bitte erstens nicht anonym und zweitens keine Beleidigungen und nicht unter der Gürtellinie.

Samstag, 16. April 2011

Macht der Islam glücklich?

Ja! Ja! Islam macht glücklich! So abgenutzt diese Worte auch klingen mögen: er gibt innere Ruhe, inneren Frieden. Lässt Unwichtiges unwichtig, Sinnvolles sinnvoll, Schönes schön und Schlechtes schlecht erscheinen. Hilft, unangenehmen Situationen und Problemen gelassener entgegen zu treten. Lässt die Wunder der Natur intensiver wahrnehmen und geniessen. Nicht zu sprechen von jenem Gefühl, das bei  Gebeten aufkommt, oder auch sonst in Momenten, wo man sich an Gott erinnert .....


Der einzige Wermutstropfen - allerdings ein sehr bitterer -  ist die Ablehnung durch das Umfeld, die Ängste, die man offenbar leider  auslöst.

Siehe auch "je länger je mehr"

Mittwoch, 13. April 2011

der Schleier als modisches Accessoire



Eben habe ich auf einer brasilianischen Islam-Seite etwas ganz Spezielles gelesen:
Da werden junge Mädchen erwähnt, die offenbar in grosser Zahl den Islam umarmen wollen (auf Portugiesisch tritt man nicht ein noch nimmt man an - man umarmt, wie übrigens in den meisten lateinischen Sprachen. Ist doch schön, nicht?). Also diese Mädchen wollen Muslimas werden, weil sie den Schleier so schön finden! 
Und werden dann natürlich darauf hingewiesen, dass es nicht reicht, sich zu verschleiern, um eine Muslima zu sein; dass es durchaus schleierlose Muslimas gibt, die gläubiger sind als solche mit Kopftuch - vor allem wenn letztere es nur tragen, weil "man" es trägt und nicht aus Überzeugung.  Oder weil es der Papa gut findet, oder der Ehemann.... (und jetzt soll mir keine(r) sagen, dass es das nicht gibt - wenn es auch nicht die Regel ist). Oder eben weil es gut aussieht....


Weiteres zum Thema Kopftuch: 
Andere Beiträge zum  Thema:
Hijab
Kopftuch und üble Nachrede
Kopftuchmissverständnis
sie trauen sich nicht

Qur'an für Trotzköpfe

Viele Nicht-Muslime können nicht verstehen, wie jemand dazu kommt, zu glauben, das der Koran als Ganzes göttlichen Ursprungs ist. Ich möchte versuchen, hier so kurz wie möglich aber doch etwas ausführlicher als in "Metamorphose" zu erklären, wie ich persönlich zu dieser Überzeugung kam. Es ist nicht ein Grund, vielmehr das Zusammenkommen vieler Aspekte. Eigentlich ist jeder einzelne davon ein Wunder für sich - aber, Trotzkopf, der ich bin,habe ich zunächst alles mit  "ach, in jedem Buch kann man sowas finden, wenn man nur lange genug sucht" abgetan.

Freitag, 8. April 2011

Mein Traum von Mekka

Mekka -  مكة المكرمة‎ 


Ich schaue mir gerne Direktübertragungen von den Gebeten in der Al-Haram Moschee an. Unfassbare Menschenmengen, die gleichzeitig in exakt ausgerichteten Reihen sich beugen und niederwerfen. Zur Zeit der Hadsch (Pilgerfahrt) sind alle in Weiss gekleidet, und auch ausserhalb der Pilgerzeit lässt die Kleidung weder auf Herkunft, Bildung noch auf gesellschaftlichen Status des Einzelnen schliessen. Schade, dass die Medien jeweils nicht von der unglaublichen Ruhe während der Gebete und der grossen Disziplin der vielen Menschen erzählen, sondern immer nur von den wenigen Ausnahmen.

Es ist ja nicht nur das Gefühl, zusammen mit zig-tausenden von Menschen aller Rassen, aller Gesellschaftsschichten, aller Nationalitäten und verschiedenster Lebensentwürfe das Gebet zu verrichten. Es ist noch mehr: zu wissen, dass gleichzeitig auf der ganzen Welt Millionen von Muslimen ganz bewusst in Richtung Kaaba beten. Wenn schon   zuhause im stillen Kämmerlein ein so wunderbares Gefühl aufkommen kann - kaum vorstellbar, wie sich das dort im - ich nenne es mal "Zentrum des Gebetes" - anfühlt. Eines Tages werde ich es erleben. So Gott will.


Dienstag, 5. April 2011

Mein fliegender Teppich

Mindestens fünf Mal täglich flieg ich kurz weg - auf meinem Gebetsteppich.

Natürlich gelingt es mir nicht immer, mich voll zu konzentrieren (es ist erstaunlich, in welch profane Gefilde die Gedanken abschweifen können, gerade wenn man sich Mühe gibt, "bei der Sache" zu bleiben, aber ich glaube, da bin ich nicht die einzige). Trotzdem, ich geniesse diese kurzen Reisen. Und auch wenn ich manchmal im Anschluss an ein Gebet noch auf dem Teppich knien bleibe, vor mir mein riesiger Qur'an, und mit dem Zeigefinger den Buchstaben entlangfahre während ich versuche, sie zu entziffern, und meine eigene Stimme aus der Ferne höre, habe ich hinterher das Gefühl, "mal kurz weg" gewesen zu sein.

Samstag, 2. April 2011

Intelligenz - Klarstellung

Aufgrund einiger Rückmeldungen sehe ich mich veranlasst, eine Aussage von mir in der "Metamorphose" hier nicht zu korrigieren, aber wenigstens zu erläutern.

Ich schrieb nämlich, dass ich mir in meinem "früheren Leben" nicht vorstellen konnte, dass

«ein einigermaßen intelligenter Mensch an eine Religion glauben kann».

Und es ist wahr, so überheblich und arrogant dachte ich damals, und zwar in Bezug auf ALLE Religionen. Und ich glaube, es gibt noch andere Menschen, die so denken.

Klarstellen möchte ich aber,

Freitag, 1. April 2011

Hijab

Nein, ich werde mich nicht mehr rechtfertigen für meinen Glauben. Ich werde ihn denen, die es interessiert, gerne so gut ich kann erklären, und ich werde ihn verteidigen, wenn es sein muss. Aber rechtfertigen werde ich ihn nicht mehr. Es ist nämlich so, dass sich die anfängliche Scham (vor mir selbst und der Welt) in Stolz verwandelt hat. Ja, ich bin stolz, eine Muslima zu sein, nicht nach Geburt oder Urkunde, sondern einfach dem Wortsinn nach eine „Gottergebene“.  

Und nun stellt sich die Frage nach jenem Stück Stoff – von dessen Tragen der Seelenfrieden sowohl muslimischer Männer als auch Frauen abzuhängen scheint (und von dessen Nicht-Tragen wiederum der Seelenfrieden nicht-muslimischer Männer und Frauen abzuhängen scheint...) und über das in islamischen und nichtislamischen Kreisen diskutiert wird, dass die Köpfe rauchen.