Freitag, 1. April 2011

Hijab

Nein, ich werde mich nicht mehr rechtfertigen für meinen Glauben. Ich werde ihn denen, die es interessiert, gerne so gut ich kann erklären, und ich werde ihn verteidigen, wenn es sein muss. Aber rechtfertigen werde ich ihn nicht mehr. Es ist nämlich so, dass sich die anfängliche Scham (vor mir selbst und der Welt) in Stolz verwandelt hat. Ja, ich bin stolz, eine Muslima zu sein, nicht nach Geburt oder Urkunde, sondern einfach dem Wortsinn nach eine „Gottergebene“.  

Und nun stellt sich die Frage nach jenem Stück Stoff – von dessen Tragen der Seelenfrieden sowohl muslimischer Männer als auch Frauen abzuhängen scheint (und von dessen Nicht-Tragen wiederum der Seelenfrieden nicht-muslimischer Männer und Frauen abzuhängen scheint...) und über das in islamischen und nichtislamischen Kreisen diskutiert wird, dass die Köpfe rauchen.

Stolz – den Glauben zeigen wollen - wäre das Grund genug, den Hijab zu tragen? Ich wohne in einem Gebiet, wo es fast keine Musliminnen gibt und wo nur höchstens noch ein paar greise zahnlose Katholikinnen in ländlichen Gegenden ein Kopftuch umbinden. Wäre es islamisch, sich derart auffällig zu verhalten? Alle Blicke auf sich zu ziehen?

Oder ist es feige, es nicht zu tun?

Werde ich, wie es im Koran steht, mit dem Hijab respektiert oder wird das genaue Gegenteil eintreten: keiner nimmt mich mehr ernst? Und ist es das, was Gott will?

Im Qur’an steht:

Und sag zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke senken und ihre Scham hüten, ihren Schmuck nicht offen zeigen, außer dem, was (sonst) sichtbar ist. Und sie sollen ihre Kopftücher auf den Brustschlitz ihres Gewandes schlagen und ihren Schmuck nicht offen zeigen, außer ihren Gatten und ....... (Sure 24  Vers 31)

O Prophet, sag deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen etwas von ihrem Überwurf über sich herunterziehen. Das ist eher geeignet, dass sie erkannt und so nicht belästigt werden. Und Allah ist Allvergebend und Barmherzig. (Sure 33 Vers 59)

Ich interpretierte dann anmaßenderweise selber ein wenig und kam zum Schluss,  dass ja wirklich nicht explizit erwähnt sei, dass man den Kopf bedecken müsse. Meine arabische Freundin machte allerdings zu dem im Original stehenden Verb eine sehr eindeutige Bewegung um den Kopf herum...

Nun bin ich ja nicht zum Islam gekommen, weil ich das eine besonders schöne Religion fand (jetzt schon!) oder weil ich eine Schwäche für das Orientalische oder das Exotische habe, sondern eigentlich fast ausschließlich durch die intensive Beschäftigung mit dem Koran (dazu mehr unter Metamorphose). Und von dem Moment an, wo ich akzeptiere, dass der Koran eine Offenbarung Gottes ist und eine Anleitung zum richtigen Verhalten, ob ich die einzelnen Gebote nun verstehe oder nicht – müsste ich da das Ding nicht doch umbinden?

Nachdem ich ja die erste Erfahrung schon beim Gang zum Freitagsgebet gemacht hatte, (allerdings ohne jemanden zu treffen, der mich kennt) ging ich vorgestern mal probeweise mit einem locker umgeschlagenen Schal zum Einkaufen. Ich glaube, so sehr fiel es gar nicht auf – nur eine Bekannte fragte mich, ob mir kalt sei...:)








Kommentare:

  1. Danke fürs Teilen, den Konflikt kenne ich gut ;)

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  2. As salamu aleikum!

    Ich kenne den Konflikt ebenso, war ja auch in einem Nichtislamischen Umfeld zuhause..
    Für mich war der ausschlaggebende Teil in dieser Aya ...[..dass sie erkannt werden..], das war der Knackpunkt für mich, ich wollte eben wegen diesem Widerstand meines Umfeldes offen dazu bekennen, weil ich mir denke , es ist mein Recht, es zutun, ich bin derselbe Mensch, mit oder ohne Tuch, es mach keinen Unterschied, ich kann mit Tuch genauso schlimm agieren wie ohne....es half mir ungemein meinen Iman zu schützen und zu stärken, ich hatte es nicht vor, es war mir ein inneres Bedürfnis es zu tun.

    Wasalam

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  3. ICh bin ja eh am 5 August konvertiert und trag jetzt hijab-tuch und kleidung weil ich es einfach mag. Ich als exgrufti bin blöde blicke und kommentare gewöhnt und kann daher damit herumlaufen und ich mag es, ich fühle mich wohl damit. Gleichermaßen denke ich aber auch dass ich ihn abnehmen können möchte, wenn ich mich nicht damit wohlfühle..(so gott will... was die muslime wollen ist mir meist eher gleich...)

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  4. Salam Schwester. :)


    Im Quran steht mehrmals, dass man sich an das, was der Prophet Muhammad gesagt hat, halten muss. Und er sagte, dass man bei einer gläubigen Frau nur das Gesicht und die Hände sehen darf. (Du kannst ja mal im Internet schauen.) Das schreib ich dir, weil diese Stellen des Qurans scheinbar auch dich verwirrt haben, so wie Millionen andere auch, hehe. :) Aber hamdulillah haben wir ja die Hadithe, an die wir uns auch halten müssen. :)


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