Mittwoch, 30. November 2011

unzurechnungsfähig (oder: Babylon)

Gespräch nach der Meldung über die Bescheinigung der Unzurechnungsfähigkeit des Massenmörders von Oslo, Anders Behring Breivik, (nach erster übereinstimmender Befremdung):

"Sag mal - was meinst du, wenn der Mörder, wie die anfangs dachten, ein muslimischer Terrorist gewesen wäre, hätten die wohl auch solche Gutachten erstellt?"

"Der soll die Höchststrafe kriegen"

"Ja, schon klar, aber - meinst du, bei einem Muslim hätten die auch so ein Aufhebens gemacht?"

"Muslime machen doch die ganze Zeit irgendwo Anschläge."

"Komm jetzt, erst kürzlich habe ich dir die Statistik gezeigt, wonach ein verschwindend geringer Teil terroristischer Anschläge auf das Konto von Islamisten geht. Aber darum geht es gar nicht. Beantworte doch einfach meine Frage, auch wenn sie rein rhetorisch ist!!

"Ach - entschuldige, wenn ich deine Gefühle verletze. Natürlich, Muslime sind nur gute Menschen. Die tun so etwas nicht. Das sieht man ja bei den Taliban. Und in Pakistan."

"Deinen Sarkasmus kannst du dir sparen. Aber darum geht es doch jetzt gar nicht. Ich wollte nur wissen, ob du denkst, ein muslimischer Terrorist hätte in ähnlicher Situation auch nur die geringste Chance, dem Gefängnis als unzurechnungsfähig zu entgehen, weil er eine schwere Kindheit hatte (weil er z.B., was ja sehr gut möglich wäre, in einer Kriegsgegend aufgewachsen ist. ..) und/oder als Kind misshandelt wurde?"

"Ich finde, der Täter soll die Höchststrafe kriegen, ob Rechtsextremer oder Islamist."

"Ja, klar, das finde ich doch auch! Das war nur nicht meine Frage....."

"Solche Typen bringen mich dazu, zu bedauern, dass es keine Todesstrafe gibt".

"Ich bin völlig deiner Meinung. Aber das war nicht meine Frage....."

Freitag, 25. November 2011

Ergüsse


So richtig bewusst wurde mir das durch ein Gespräch - ein geschriebenes ;) - mit einer Freundin, einer "Internet-Bekanntschaft", die ich durch dieses  Blog machen durfte und bei der ein paar Zeilen hin und her genügten,  eine Seelenverwandtschaft zu erkennen. (F., ich widme dir diesen Post!).

Durch jenes Gespräch, das geschriebene, wurde mir erstmals so richtig bewusst, dass ich hier schreibe und schreibe, und ohne Angst vor Kritik oder Nicht-Gefallen oder anderen Konsequenzen ganz mutig veröffentliche.

Ich hatte nämlich schon mit gut 20 den festen Vorsatz, eines Tages ein Buch zu schreiben. Allerdings  erzählte ich kaum jemandem davon, da ich befürchtete, meine Fähigkeiten zu überschätzen und vielleicht ausgelacht zu werden.

In Wirklichkeit schrieb ich allenfalls Tagebuch, mal eifriger, mal weniger. Und herzige Gratulations- und Jubiläumsreime für Freunde, Arbeitskollegen, Familie und Bekannte. Aber die wenigen Versuche, mich schriftstellerisch zu betätigen, scheiterten jeweils nach wenigen Sätzen und mündeten im Eingeständnis: "Ich habe einfach nichts zu sagen, das wichtig genug wäre." Und nachdem ein gut gemeinter und etwas sinnreicherer Text von mir zu einem feierlichen Anlass von einem Teilnehmer als "Erguss" abgetan wurde, traute ich mich nie wieder,  jemandem etwas von meinen spärlichen Versuchen zu zeigen.

Und jetzt, mit bald 60, endlich, schreibe ich und schreibe. Es fließt aus mir hinaus. (Ergüsse...). Vielleicht weil ich jetzt etwas zu sagen habe? Auf jeden Fall ist meine Schreibe längst nicht mehr nur bloße Rechtfertigung für eine von vielen für verrückt gehaltene Veränderung in meinem Leben.  Auch nicht mehr nur Ersatz für mangelnden Austausch mit Muslimen. Es sind zwei Anliegen dazu gekommen: Einerseits glaube ich, dass es da draußen ein paar Menschen gibt, denen Ähnliches passiert wie mir, und denen es gut tut, zu wissen, dass sie nicht ganz allein sind mit ihren Gefühlen. Und ich möchte Agnostikern, Atheisten, Nicht- oder so Halb-Glaubenden einen Denkanstoß  geben. Nein, nicht missionieren. Nur zeigen, dass Glaube und Religion nichts mit fehlendem Verstand zu tun haben, ganz im Gegenteil. Ja. Und dass der Koran und insofern der Islam zu dieser Erkenntnis führen können.


Ach ja - und bevor ich es vergesse: es macht mir Freude, das Schreiben...

Dienstag, 22. November 2011

egotrip

jahrelang verbogen
mich selbst belogen
um zu gefallen
mir und allen
harmonisiert
ausbalanciert
nie insistiert
nie Grenzen gezogen
wer zufrieden
muss mich lieben

kein schlechtes leben
beliebt, geachtet
genau betrachtet
ganz angenehm
einfach im mainstream mitzugehn

und auf einmal  alles ganz
anders nur noch eine Instanz
hat wirklich Belang
euch macht es bang
ihr nennt es egotrip

ja, ich hab mich gefunden
nein - kein neues ich
da war  nur eins
meins
unter schichten

von Gott durch Gott dank Gott
lebe ich
nur Ihm
gehöre ich
schulde ich
mich 
und davon zu berichten


Freitag, 18. November 2011

uncool

Lange habe ich gezögert, diesen Beitrag zu veröffentlichen. Nicht zuletzt, weil viele, die mich von früher kennen, sagen werden: "Was - die? Die war doch selber kein Kind von Traurigkeit!" Und sie werden mir wahrscheinlich nicht glauben, dass ich ganz oft zu denen gehörte, die sich schämte, sich zu schämen....

Dienstag, 15. November 2011

der sechste Sinn

Eine Diskussion in einem Forum hat mich dazu gebracht, mir zu überlegen, was Mystik und Esoterik in meinem Leben für einen Stellenwert haben.

Es gab mal eine Zeit, in der ich mich  für esoterische Spielereien interessierte - nicht zuletzt dank ein paar Bekannten, die von Pendeln über Tarot und Runensteinen bis zu Bachblüten und Astrologie und Reiki etc. so ziemlich in all diesen Praktiken bewandert waren. Aber Begeisterung stellte sich nicht ein und noch viel weniger der Wunsch, selber so etwas zu lernen oder auch nur ernsthaft daran zu glauben.

Freitag, 11. November 2011

Diese Konvertiten

Ja diese Konvertiten. Das sind doch alles Fanatiker. Extreme. Meinen, sie seien die besseren Muslime als die als solche geborenen. Nehmen alles viel zu ernst. Übertreiben im höchsten Grad.


Natürlich gibt es Konvertiten (was für ein schreckliches Wort, übrigens), die meinen, es sei ihre Aufgabe, mit erhobenem Zeigefinger durch die Welt zu gehen und bei Glaubensgenossen nach Fehlern zu suchen. Das sind nicht die angenehmsten Zeitgenossen.

Jedoch, überlegt doch mal: Wenn jemand aus eigenem Wollen, durch Nachdenken, durch ernsthafte und eingehende Beschäftigung mit dem Thema, vielleicht auch durch einen Wink des Schicksals, zur Überzeugung gelangt, dass eine Religion - welche es auch sei - die Wahrheit ist, sodass er den bestimmt nicht einfachen Schritt (ganz besonders im Islam - wo man dann den Rest der Welt gegen sich hat, von der eigenen Familie und von Freunden nicht mehr verstanden, von Bekannten verspottet wird)  tut, zu konvertieren, dann ist es doch logisch, dass dieser Mensch einer derjenigen ist, der den Glauben und die religiöse Praxis auch ziemlich ernst nimmt -  und vielleicht sogar manchmal etwas übereifrig ist.

Es ist ein wenig, als hättest du unverhofft und ohne die nötige Ausbildung deinen absoluten Traumjob gekriegt. Und setzt jetzt alles, aber auch alles daran, dein fehlendes Wissen aufzuholen und alles möglichst richtig und besonders gut zu machen, damit dein Chef zufrieden ist und du den Job behalten kannst... ;)

Weitere Beiträge zum gleichen Thema:




Montag, 7. November 2011

MaschaAllah ما شاء الله

MaschaAllâh, Al-hamdu-lillâh, SubhânAllâh, InschâAllâh, Allâhu Akbar - so viele arabische Ausdrücke! Und ich muss ehrlich sagen, am Anfang kam es mir wirklich komisch vor, wie oft Muslime diese Worte in den Mund oder unter die Fingerkuppen nehmen. Ich fand es befremdlich und - astaghfirullâh - ein wenig doof.

Inzwischen begann ich, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Mit den Augen der Dankbarkeit. Der ich immer mehr auch gerne verbal irgendwie Ausdruck verleihen möchte.

Gott hat es so gewollt, das Lob gebührt Gott, Gott sei gepriesen, so Gott will, Gott ist größer, Gott verzeihe mir.... Na ja,  klar, es bedeutet dasselbe. In meiner Sprache.  Und doch, es hört sich so "geschwollen" an - auch auf Portugiesisch, und auf Schweizerdeutsch erst recht ;)! Irgendwie scheint es nicht so recht in meinen Mund zu passen. Und wie ich schon an anderer Stelle sagte: am Namen "Allah" gefällt vor allem die Vorstellung, dass Er diesen Namen für Sich Selbst benutzt hat, als Er den Koran offenbarte. Und vielleicht auch die ganz zufällige akkustische Verwandtschaft mit unserem deutschen Wort "alles".


Der langen Rede kurzer Sinn: 
SubhânAllâh, wa-l hamdu-li lâh, lâ ilaha illallâh, 
wa Allâhu Akbar

Sonntag, 6. November 2011

Wissen

Wenn ich früher, als überzeugte Nichts-Glaubende, mit dem Gedanken an den Tod eine vage Hoffnung verband,  dann war es die, vor dem endgültigen "Erlöschen" (ich ging damals eher davon aus, dass nach dem Tod das Nichts käme) noch kurz das "ultimative, allumfassende Wissen" zu erhaschen.  Durch den Islam wurde mir diese diffuse Hoffnung zur reellen, anzustrebenden Möglichkeit. Denn:

........ Er umfaßt alles mit (Seinem) Wissen." 
(Tā Hā: 98) (und andere Verse)
und:
Zu Allah ist eure Rückkehr..............
 (Hūd: 4) (und andere Verse)



PS: Zur Wortkreation "Nichts-Glaubende" habe ich gegriffen weil:

  • "Ungläubige" zu negativ beladen ist und das Adjektiv "ungläubig" für mich eher "nicht glauben wollend" bedeutet.
  • "Atheist" nicht passt weil Atheisten etwas glauben, sie glauben nämlich, dass es Gott nicht gibt.
  • "Agnostikerin" zwar das Fremdwort ist, das beschreibt, was ich war, sich aber intellektueller anhört, als ich bin ;).

Freitag, 4. November 2011

was ist das für ein Gott?


"Was ist das für ein Gott", fragen viele, "der so viel Leid auf der Welt zulässt? Der die Einen hungern lässt und die anderen in goldenen Badewannen baden? Der dir vorschreibt, dass, wann, und wie  du zu beten hast? Der dir Alkohol verbietet und Schweinefleisch, dir sagt, wie du dich anzuziehen hast?"

Es ist der gleiche Gott, der diese unfassbar wunderbare Welt mit all ihren Geschöpfen geschaffen hat - es gibt gar keine Worte, die dieser Vielfältigkeit auch nur im geringsten gerecht würden. Der gleiche Gott, der mir - ausgerechnet mir  - mein Leben geschenkt hat. Mich mit Sinnen ausgestattet hat, sodass ich sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen kannst. Mit einem Verstand, mit dem ich darüber nachdenken kann. Mit Erinnerung, Lernfähigkeit, mit Gefühlen, Träumen, Emotionen .... seht ihr nicht, was für unglaubliche Gaben das sind? Ist es nicht absurd, zu glauben, dass sich all dies per Zufall entwickelt hat?

Was sind dagegen ein  paar Einschränkungen und Vorschriften? Er wird schon wissen, wozu sie gut sind. Auf jeden Fall sind sie nur zu unserem eigenen Nutzen,  Er braucht gar nichts von uns.

Und ich glaube daran, dass Gott am Ende die absolute Gerechtigkeit herstellen wird. Denn Er verspricht uns:

Allah tut gewiss nicht im Gewicht eines Stäubchens Unrecht.... 
 (An-Nisā': 40)