Freitag, 25. November 2011

Ergüsse


So richtig bewusst wurde mir das durch ein Gespräch - ein geschriebenes ;) - mit einer Freundin, einer "Internet-Bekanntschaft", die ich durch dieses  Blog machen durfte und bei der ein paar Zeilen hin und her genügten,  eine Seelenverwandtschaft zu erkennen. (F., ich widme dir diesen Post!).

Durch jenes Gespräch, das geschriebene, wurde mir erstmals so richtig bewusst, dass ich hier schreibe und schreibe, und ohne Angst vor Kritik oder Nicht-Gefallen oder anderen Konsequenzen ganz mutig veröffentliche.

Ich hatte nämlich schon mit gut 20 den festen Vorsatz, eines Tages ein Buch zu schreiben. Allerdings  erzählte ich kaum jemandem davon, da ich befürchtete, meine Fähigkeiten zu überschätzen und vielleicht ausgelacht zu werden.

In Wirklichkeit schrieb ich allenfalls Tagebuch, mal eifriger, mal weniger. Und herzige Gratulations- und Jubiläumsreime für Freunde, Arbeitskollegen, Familie und Bekannte. Aber die wenigen Versuche, mich schriftstellerisch zu betätigen, scheiterten jeweils nach wenigen Sätzen und mündeten im Eingeständnis: "Ich habe einfach nichts zu sagen, das wichtig genug wäre." Und nachdem ein gut gemeinter und etwas sinnreicherer Text von mir zu einem feierlichen Anlass von einem Teilnehmer als "Erguss" abgetan wurde, traute ich mich nie wieder,  jemandem etwas von meinen spärlichen Versuchen zu zeigen.

Und jetzt, mit bald 60, endlich, schreibe ich und schreibe. Es fließt aus mir hinaus. (Ergüsse...). Vielleicht weil ich jetzt etwas zu sagen habe? Auf jeden Fall ist meine Schreibe längst nicht mehr nur bloße Rechtfertigung für eine von vielen für verrückt gehaltene Veränderung in meinem Leben.  Auch nicht mehr nur Ersatz für mangelnden Austausch mit Muslimen. Es sind zwei Anliegen dazu gekommen: Einerseits glaube ich, dass es da draußen ein paar Menschen gibt, denen Ähnliches passiert wie mir, und denen es gut tut, zu wissen, dass sie nicht ganz allein sind mit ihren Gefühlen. Und ich möchte Agnostikern, Atheisten, Nicht- oder so Halb-Glaubenden einen Denkanstoß  geben. Nein, nicht missionieren. Nur zeigen, dass Glaube und Religion nichts mit fehlendem Verstand zu tun haben, ganz im Gegenteil. Ja. Und dass der Koran und insofern der Islam zu dieser Erkenntnis führen können.


Ach ja - und bevor ich es vergesse: es macht mir Freude, das Schreiben...

Kommentare:

  1. Salam, liebe Chadidscha, das hast Du schön gesagt, ich danke Dir für diesen Post! :) ...
    Du hast was zu sagen, darfst, sollst, musst Dich trauen, denn Du hast ganz richtig erkannt: da draußen gibt es Menschen, die ähnliches erlebt haben, die sich in ihrer Umgebung/Situation isoliert fühlen und die sich jeden Tag aufs Neue durchs Netz klicken, um auch nur einen einzigen Menschen zu finden, dem es auch nur ÄHNLICH erging. So wie ich. :)

    Und was Deinen zweiten Punkt angeht: ich habe Dich in kürzester Zeit bereits zweimal erwähnt, in Gesprächen mit Menschen, die mir so wichtig sind, dass ich mich maximal verständlich machen will. Dein Blog unterstützt mich dabei sehr.


    All dies geht deutlich über den meist "nur" selbsttherapeutischen Nutzen hinaus, den das Tagebuchschreiben hat.

    Ich freu mich, dass ich Dich gefunden habe. :)

    ALLAH Hafiz ...

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  2. ich drück euch

    بارك الله فيكما

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