Donnerstag, 27. Dezember 2012

Rosen und andere Wegweiser

Es ist höchste Zeit,  endlich  mit einem Vorurteil aufzuräumen, das sich auch bei mir selber hartnäckig noch eine ganze Weile gehalten hat, als ich es eigentlich schon hätte besser wissen müssen.

Dienstag, 25. Dezember 2012

"Supermacht Natur"

Gespräch vor dem Fernseher, bei einer wunderschönen Doku mit dem Titel "Supermacht Natur" über das Leben im Ozean:

  • "Das ist die Supermacht! Die Natur!"
  • "Ja. Nur glaube ich, dass diese Natur nicht per Zufall einfach so entstanden ist und sich selbsttätig in der Existenz erhält sondern bin überzeugt,  dass da eine noch viel viel größere Macht dahinter steht."
  • "Du wieder. Musst du wieder damit anfangen." 

Mittwoch, 19. Dezember 2012

loslassen

Essauira Stadtmauer 2011
Mir wurde einmal eine Geschichte erzählt, nur ein einziges Mal,  ich habe sie nirgends wiedergefunden, und die ich fragte kannten sie nicht; vielleicht ist sie also nur erfunden, zum Trost für neue Muslime. Sollte jemand die Geschichte kennen und zuordnen können, wäre es nett, wenn der/diejenige den Originaltext und die Quelle in einem Kommentar hinterlassen würde.

Samstag, 15. Dezember 2012

und jetzt?

In den letzten Tagen hatte ich eine wirklich heftige Krise und mir schien, ich hätte alles falsch gemacht, vor allem, was meine Angehörigen anbelangt. Ich versuchte, das Tief in Worte zu fassen. Hier ein Teil davon:

falsch gemacht?

zu schnell
zu hart
andere überfordert
statt geduldig und sacht

und jetzt?

Samstag, 8. Dezember 2012

Religion vs Genuss?

Gestern sagte ein bekannter Schriftsteller in einem Fernsehinterview - unter anderem - alle Religionen würden bewirken, dass der Mensch sein (irdisches - von ihm aus gesehen einziges) Leben nicht genügend genieße, weil er es gar nicht zu schätzen wisse, dadurch, dass er es nur als "Durchgangsstation" begreife.

Im ersten Moment erschrak ich ein wenig. Könnte er Recht haben? Schätzen wir unser Leben weniger als diejenigen Menschen, die davon ausgehen, dass dieses das einzige Leben ist, das wir haben und nachher nichts als das Große Nichts folgt?

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Suchtbeten?!

"Du bist krank." "Du hast dich beeinflussen lassen." "Das alles passt nicht zu dir." "Früher warst du ganz anders, 'fixe' "(fiisch, wie man hier in Portugal sagt. "Cool" hat in etwa eine ähnliche Bedeutung.) "Du bist komisch geworden." »"Du bist nicht mehr du"«. "Du bist krank."

Montag, 26. November 2012

Annäherung - Gedanken zum Gebet

Nein, ich denke nicht, dass man das rituelle Gebet, wie in einem Kommentar zum  Beitrag »musst du noch oder willst du schon?« vorgeschlagen, einfach nach Belieben abändern sollte. Für andere Formen gibt es ja die Bittgebete, in denen man ganz ohne Riten und Vorkehrungen jederzeit Zwiesprache mit Gott halten kann.

Schon bei meinen ersten rituellen Gebeten, noch ganz rudimentär, die wichtigsten Texte in Umschrift ablesend,  spürte ich, dass es etwas Besonderes ist. Ich 'wusste', dass es so richtig ist, genau so. Es fühlte sich richtig an. Obwohl mein Verstand sich damals noch "totlachen wollte ob der bekopftuchten Verbeugungen und Niederwerfungen" - wie ich in der »Metamorphose« beschrieben habe.

Freitag, 23. November 2012

hinterhältig - أعوذ بالله من الشيطان الرجيم




Hinterhältig
lässt er mich lange Zeit in Ruh
dann, ganz plötzlich, schlägt er zu
Du!
Du! sagt er, wie kannst du nur
so stur
zusehen wie Andre deines Glaubens wegen
sich Sorgen machen, unglücklich leben
Pass auf sagt er
es ist nicht schwer
musst nur wieder die Alte sein
dann wärst du auch nicht so allein
einfach wieder die Alte, Nette
wie wärs zum Anfang mit einem Glas Wein
oder mit einer Zigarette?

nein!


أعوذ بالله من الشيطان الرجيم





Montag, 19. November 2012

(selbst)zufrieden

In Martin Lings »Muhammad - sein Leben nach den ältesten Quellen«, das ich gerade angefangen habe, zu lesen, stieß ich auf eine Stelle, wo von Führern der Quraish*) die Rede ist, welche durch  ihren Reichtum, ihren Ruhm und ihre außerordentlichen Tugenden ("verschwenderische Grosszügigkeit, löwenhaften Mut, unfehlbare Treue zum eigenen Wort") eine Selbstzufriedenheit erlangten, die sie "taub machte für eine Botschaft, die die Nichtigkeit des irdischen Lebens betonte, die Nichtigkeit der Bühne ihres eigenen Erfolgs."

Nun heißt es doch aber, der Islam bringe dem Gläubigen innere Zufriedenheit. Wie passt das zusammen?

Natürlich ist im Islam nicht diese im Buch erwähnte Art von Selbstzufriedenheit gemeint.  So jemand, der mit sich selbst rundum zufrieden ist, ganz davon überzeugt, ein guter Mensch zu sein, der hält es natürlich nicht für nötig, sich irgendwelche Botschaften auch nur anzuhören. Und es sind beileibe nicht nur Führer mit so herausragenden Tugenden,  die so denken.... 

Nein, wer diese Art von bequemer Selbstzufriedenheit sucht, ist im Islam am falschen Ort. Ganz im Gegenteil - so richtig zufrieden mit sich selbst kann man glaube ich als Muslim/a nie sein.  Da ist immer das Gefühl, nicht wirklich genug zu tun, sich in jeder Beziehung verbessern zu können, sollen, müssen.  Nein, ich bin sicher,  als Muslim/a  kommt man nie so weit, sich zufrieden auf die eigene Schulter zu klopfen und zu denken, ach was für ein guter Mensch ich doch bin. Sondern man wird sich seiner Unzulänglichkeit immer bewusster...

Nein, es ist eine ganz andere Art von Zufriedenheit, die man im Islam gewinnt. Die zunehmende Zufriedenheit mit dem, was man hat, und das damit einhergehende Verlieren  von der Gier, immer mehr »haben« zu müssen, von Neid und Missgunst. Eine Zufriedenheit, die entsteht, wenn man aufhört,  das zu tun, was anderen Menschen gefällt, um ihnen zu gefallen, und beginnt, das zu tun, was Allah t. gefallen kann. Wenn nicht mehr unzählige Instanzen über unser Leben bestimmen sondern nur noch eine. Einer.  Der Eine.  الاحد. Das bringt  Freiheit, Frieden. Und das Wissen, dass wir, je mehr wir es schaffen, das zu tun, was Ihm gefallen kann, desto weniger in der Lage sind, Dinge zu tun, die  unseren Mitmenschen, unserer Umwelt  und uns selber schaden.

*) arabischer Stamm, von dem der Gesandte s.a.s abstammt

Freitag, 16. November 2012

Alles Gold was glänzt und die Türme der Kameltreiber

Gerade habe ich  in meinem pausenblog  einen kleinen Bericht über eine Reise in den arabischen Golf  veröffentlicht (»klick hier«). Die fand noch ein paar Monate vor meiner Begegnung mit dem Islam statt, mit Moscheen hatte ich damals noch genauso wenig am Hut wie mit Kirchen und ich hätte mir niemals träumen lassen, dass ich es eines Tages zutiefst bereuen würde, all die wunderbaren Moscheen nicht betreten zu haben...

gar nicht einfach, das ganze Ding auf ein Foto zu kriegen



Wie dem auch sei - bei Durchsehen und  Auswahl der Fotos und beim Schreiben erinnerte ich mich an die Antwort des Propheten s.a.w.s. auf die Frage jenes 'Fremden' nach der "Stunde":

Der Prophet sagte: „Der Befragte ist diesbezüglich nicht wissender als der Fragende selbst. Was aber deren Vorzeichen angeht, so werde ich dir folgendes nennen: (Die Stunde ist nah,) wenn die Sklavin ihren eigenen Herrn gebärt, und wenn die ungebildeten Kameltreiber Hochhäuser bauen. Es gibt noch andere fünf Vorzeichen, die nur Allah kennt.“ 

aus  »diesem Hadith«, und ich konnte es mir nicht verkneifen,  im »pausenblog« eine Andeutung zu machen. Aber noch etwas anderes wurde mir wieder schmerzhaft bewusst:

Wenn man diesen ungeheuren Luxus sieht, im Wissen um die dritte Säule des Islams (die Unterstützung der Bedürftigen durch eine jährliche Pflichtabgabe, der sog. Zakaat) und der unzähligen Stellen im Koran, die zu Sadaqa (zusätzliche freiwillige Spende und gegenseitige Hilfe) aufrufen, kann man nicht anders, als sich zu fragen, wie es möglich ist, dass es bei solch unermesslichem Reichtum von Muslimen  trotzdem gerade in den meisten islamischen Ländern noch so viel bittere Armut gibt...........

Übrigens ein Argument, das ich auch immer gerne wieder von Nicht-Muslimen zu hören bekomme, und dem man leider nicht viel entgegen zu setzen hat. 

Zum gleichen Thema, inkl. Erklärungsversuch: »warum nur?« 


Sonntag, 11. November 2012

Ein paar Gedanken an Agnostiker und Atheisten

Bevor ich anfange, möchte ich daran erinnern, dass ich selbst vor gar nicht langer Zeit selbst zu den Agnostikern gehörte, und zwar zu den ganz überzeugten. Falls der folgende Text also ein wenig so rüberkommt, wie wenn ein gutmeinender Nicht-Mehr-Raucher uneinsichtige Noch-Raucher belehrt, bitte ich um Nachsicht. Lest doch einfach trotzdem mal weiter! 

Freitag, 9. November 2012

Tentakel


Isoliert wie ich bin und auf mich allein gestellt was den Glauben anbelangt, habe ich inzwischen Gott sei Dank in der virtuellen Welt schon eine ganze Anzahl muslimische Kontakte aus ganz verschiedenen Ecken (nicht nur geografisch ...), mit denen ich mich ab und zu austausche. Nun denkt man ja eigentlich, so "Internetbekanntschaften" sind doch sehr unpersönlich, man weiß nie so genau, wer sich hinter hinter den Mailadressen, den Profilen verbirgt.

Montag, 5. November 2012

Pingpong


Es ist ja beruhigend, dass ich nicht die Einzige bin, bei der "progressiv vs konservativ" oder wer lieber mag "orthodox vs liberal" immer wieder mal ein Thema ist.  Nachdem meine Bloggerkollegin Anisah es wieder aufgegriffen hat (»hier«), und ich Quasselstrippe es einfach nicht schaffe, einen kurzen, prägnanten Kommentar zu platzieren, schreibe ich hier, was mir dazu einfiel.

Anisah fragt: Wer entscheidet, welche Regeln heutzutage wie zu verstehen sind? Ich selbst? Oder irgend eine religiöse Autorität? Welche könnte das sein?

Samstag, 3. November 2012

musst du noch - oder willst du schon...?

Gestern habe ich auf fb dieses Foto gepostet. Der Ausspruch ist nicht von mir - ich habe ihn so ähnlich irgendwo gelesen und fand, nein empfand ihn so richtig und wahr, dass ich ihn gleich übernehmen musste, froh, eine nützliche Verwendung für eins meiner schönen Fotos gefunden zu haben ;-). Hier möchte ich allerdings ein wenig tiefer darauf eingehen, damit uns vielleicht auch Nicht-Muslime verstehen.

Montag, 29. Oktober 2012

Allahs Lamm


Letztes Jahr beschränkte sich meine Teilnahme am Eid-ul-Adha noch darauf, den Preis für ein Lamm zu bezahlen und am Festtagsgebet teilzunehmen, das normalerweise im Freien durchgeführt wird. Aus dieser knappen Stunde bestand mein persönliches kleines Opferfest.

Diesmal regnete es und deshalb fand das Gebet in der Moschee (eine normale umfunktionierte Wohnung) statt, und zwar in zwei Durchgängen, weil die Moschee viel zu klein ist, um alle Gläubigen aufzunehmen. 

Samstag, 20. Oktober 2012

Schubladen

Muslime in aller Welt ärgern sich, dass viele Nicht-Muslime sie insgesamt in die Schublade: "potentielle Extremisten" wenn nicht sogar "Terroristen" oder zumindest "verdächtige Religion" packen. "Da siehst du's, DIE Muslime....", höre auch ich nach jeder Sendung über den Islam. Und das nervt gewaltig.

Und dann gehen diese Muslime, die sich völlig zu Recht über diesen Generalverdacht aufregen, hin  und tun ............ genau dasselbe.

Freitag, 19. Oktober 2012

Hadsch

Wie sehr es mich hinzieht, zur Hadsch - darüber habe ich  hier geschrieben. Dieses Jahr sollte es noch nicht sein. InshaAllah darf ich es eines Tages erleben.

Ein klein wenig war ich eben dort, mittendrin, dank diesem wunderschönen Video von MuslimeTV, das ich bei Lichtwort entdeckt habe  - ich möchte es euch nicht vorenthalten:


Der Text wurde in der Islamischen Zeitung veröffentlicht und kann hier nachgelesen werden.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

so satt!

So. Jetzt muss ich mir mal Luft machen. Vielleicht bin ich gerade besonders empfindlich - ich bin gesundheitlich etwas angeschlagen. Aber ich habe es einfach satt.

Montag, 1. Oktober 2012

"schäm dich!"

Über das Schamgefühl habe ich unter dem Titel "uncool" schon einmal geschrieben. Damals war mir allerdings eine Dimension dieser Scham noch gar nicht so richtig bewusst. Ich dachte an das Schamgefühl als etwas, das mit Nacktheit, mit Unmoral, mit Unmenschlichkeit zu tun hat, aber vor wem man sich eigentlich schämt, wenn man etwas Schlechtes tut, das hatte ich mir schlicht gar nie überlegt, weil ich ja bis anhin nicht an eine höhere Instanz geglaubt hatte.

Freitag, 28. September 2012

wie es wirklich war !

Nachdem jetzt leider wieder von vielen Menschen DIE Muslime in einen Topf geworfen werden, als fanatischer, wütender Mob mit einer gewaltfördernden Religion - bis zu einem gewissen Grad sogar verständlich, wenn man die Fernsehbilder sah, die wieder und wieder und wieder gezeigt wurden und werden (man könnte fast Absicht dahinter vermuten..) - möchte ich doch auch meinen Lesern die wirklichen Relationen etwas näher bringen.

Freitag, 21. September 2012

Zweifel?

Vor wenigen Tagen erhielt ich von einer Glaubensschwester eine E-Mail als Reaktion auf einen schon etwas älteren Beitrag: "supermuslima". Sie schrieb: "Ich dachte, solche Gedanken können doch bei einer Muslimin nicht normal sein ..." und sie hätte "Angst davor, es anderen gegenüber zu erzählen" denn  "ich dachte immer, dass es bestimmt nur mir so geht und was sie wohl von mir denken würden."

Montag, 17. September 2012

Vorurteile vs Vorurteile - austauschbar


Die "Leiden" der Konvertierten Teil 3 oder "das Leben daneben"

So, dann komme ich jetzt also zum letzten Teil dieser Trilogie ;). (Neueinsteiger: Hier geht's zum ersten und hier zum zweiten Teil)

Ja, es ist so eine Sache mit uns Konvertierten. Gerne nehmen wir uns ein wenig zu wichtig, vor allem in der ersten Euphorie, ersetzen alte, eben abgelegte Eitelkeiten durch neue. Selber bin ich z. B. erst ziemlich lange nach meiner eigenen "Metamorphose" auf andere "Konvertitengeschichten" gestoßen, merkte also relativ spät, dass die meinige gar nichts Besonderes ist. Und erst nachdem ich angefangen hatte, hier zu schreiben, fand ich heraus, wie viele Konvertierte - vor allem Frauen - ebenfalls bloggen. Vielleicht hat es, jedenfalls bei mir, auch damit zu tun, dass ich, bevor ich religiös wurde, in meinem sozialen Umfeld eine ganz andere Akzeptanz hatte als jetzt, möglicherweise muss ich da etwas kompensieren...

Freitag, 14. September 2012

Die "Leiden" der Konvertierten Teil 2

Bevor ich mit der eigentlichen Fortsetzung beginne, eine kurze Relativierung des  ersten Teils  : Der war nämlich nicht so ganz bierernst gemeint. Der Titel, der sich an "die Leiden des jungen Werther" von Goethe anlehnt, sollte darauf hinweisen dass der Beitrag vermutlich etwas überzogen daher käme. (Ich konnte leider nicht  "der jungen Konvertierten" sagen weil ich mich dann ja selbst ausgeschlossen hätte ;) ). Natürlich reagiert  nicht das gesamte Umfeld gleich  negativ, es gibt auch ganz viele moderate und bescheidene Konvertierte  und selber durfte ich ein paar ganz tolle Schon-immer-Muslim/as kennen lernen - einige von ihnen sind mir eine große Hilfe, und ich spreche ihnen an dieser Stelle meinen herzlichen Dank aus. Dass der Nutzen, der Segen des Glaubens die erwähnten Unannehmlichkeiten bei weitem aufwiegt und ins Unendliche (durchaus wörtlich zu verstehen :)) übertrifft, versteht sich von selbst (wäre ja sonst jeder schön dumm, wenn er das alles für nichts und wieder nichts in Kauf nähme).

Mittwoch, 12. September 2012

die Leiden der Konvertierten Teil 1


Ich kann euch sagen, Konvertierte haben es gar nicht so leicht. Zuerst müssen sie ja selber mit der Tatsache klar kommen, dass sie - plötzlich oder allmählich - vom (Anders- oder) Un-Glauben zu einer (neuen) Religion gekommen sind. Und dann auch noch zu derjenigen, der am meisten negative Vorurteile entgegen gebracht werden, ja die von vielen Nicht-Muslimen (vielleicht bisher sogar von einem selbst ;-) ) schon per se als gefährlich eingestuft wird.

Freitag, 7. September 2012

vermisst. nachschlag.

Ich muss nochmal auf meinen vorigen Beitrag zurück kommen. Und mich ganz speziell an Angehörige von Konvertierten richten. Denn die muslimischen Eltern oder Freunde dieser "Achmeds" und "Fatimas" auf den Plakaten werden die Aktion schon richtig einordnen können und nicht in Panik geraten, weil ihre Tochter, ihr Sohn oder Freund 5x am Tag zu bestimmten Zeiten betet oder kein Schweinefleisch isst, sich 'zu warm anzieht' und/oder keinen Alkohol (mehr) trinkt - ganz einfach weil das für sie noch lange keine Alarmzeichen sind, sondern normaler muslimischer Alltag.

Freitag, 31. August 2012

vermisst - so ein Mist!

Da es leider so ist, dass bei vielen Nicht-Muslimen bereits das 5-mal-tägliche Beten, das Kopftuch oder ein Bart zumindest suspekt ist, wenn nicht schon als fundamentalistisch, radikal, salafistisch und/oder extremistisch gilt, (wozu nicht nur dem Islam negativ gegenüber stehende Medien sondern - zumeist unbewusst und unbeabsichtigt, einfach durch ihre Suggestion, dass der "gute" Islam nur der "unsichtbare, unauffällige, der angepasste" sei -  auch viele allzu liberale, progressive Muslim/Innen beitragen) - dürfte diese Kampagne vor allem eins tun: nämlich Vorurteile bestärken, viele (zum Teil ganz unbegründete) Ängste schüren und das Image des Islam weiter verschlechtern. Und unter Umständen eine Welle von ungerechtfertigten Denunziationen lostreten.
Liebe Eltern, Freunde, Angehörige von Muslimen: Lasst euch nicht ins Bockshorn jagen! Es gibt Millionen Muslime, die ihren Glauben ernst nehmen - ernster als die meisten Christen zum Beispiel - und trotzdem oder gerade deswegen mit Fanatismus und Extremismus nichts zu tun haben!  (Hier auch was zu diesem Thema)

Das heißt nicht, dass man nicht vorsichtig und vor allem aufmerksam sein soll - genauso vorsichtig wie wenn es z.B. um den Verdacht des Abdriftens in Neo-Nazi-Szenen, oder um Drogenmissbrauch geht. (Warum fiel es eigentlich noch nie jemandem ein, dafür derartige Denunziationskampagnen zu starten?) 


Samstag, 25. August 2012

(fast) nackt. oder: verkehrte welt.


Stellt euch mal vor, ein Fernsehmoderator, ein Verkäufer im Warenhaus, oder überhaupt die Männer an einem gesellschaftlichen Anlass, auf einem Ball oder im Kino zum Beispiel, stellt euch also vor, diese Männer würden Shorts tragen, dazu weit aufgeknöpfte Hemden oder ärmellose, enge Shirts, das eventuell vorhandene (oder auch nicht) Sixpack betonend.


Mittwoch, 22. August 2012

Das Ziel. Oder: FREIwillig

Eine Freundin hat in einem Forum geschrieben: "wichtig ist mir, ein Ziel zu haben". Aus dem Bauch heraus habe ich geantwortet: "Ist es nicht genau das, was uns der Islam, der Glaube gibt? Al-hamdu lillah."

Und dann fing ich an, nachzudenken; über mein Leben, über meine Ziele. Und stellte fest: Ich hatte eigentlich nie wirklich welche. Ich lebte in den Tag hinein, nahm die Dinge, wie sie kamen.  Irgendwie ergab sich alles.

Das ist jetzt anders. Denn, ja, in der Tat, genau das ist es, was uns der Islam, der Glaube gibt. Ein Ziel:

Sonntag, 19. August 2012

Nachhall

Wie schnell so ein Monat vorbei geht! Da war doch noch so viel, was ich hätte tun wollen....

Dabei habe ich mir für diesen Ramadan gar nicht allzuviel Konkretes vorgenommen. Ein wenig mehr im Koran lesen, ein paar zusätzliche Sunna-Gebete... 

Ich wollte mich hauptsächlich auf das Fasten an sich konzentrieren, in meinen hohlen Resonanzkörper hineinhören, der Wirkung  der Leere nachspüren, sie mit etwas Besserem füllen.

Montag, 13. August 2012

die fünfte Säule

Ich habe nicht gerne große Menschenansammlungen. Volksfeste meide ich schon seit vielen Jahren und wenn es doch mal unumgänglich ist, verlasse ich sie so schnell wie möglich wieder, genau so wie Einkaufszentren oder überfüllte Restaurants. Es ist nicht gerade eine Phobie (Demophobie nennt sich das, wie ich gerade ergoogelt habe) aber es geht in die Richtung.

Um so erstaunlicher, dass mich die Sehnsucht nach Mekka, die Sehnsucht nach dem Hadsch, so sehr erfasst, dass es fast schmerzhaft ist. Ich sehe das:

Donnerstag, 9. August 2012

wach (oder: Qiyam-ul-Layl)

Nach nochmaligem Nachfragen weiß ich nun endlich, woran ich vorgestern Nacht um eins in der Moschee teilgenommen haben. Es war diesmal nicht wie vermutet das Taraweeh-Gebet (das weiterhin gleich nach Isha verrichtet wird) sondern ein zusätzliches "Qiyam-ul-Layl", "Stehen in der Nacht", wie es dem Gesandten s.a.s. im Koran in Sure al-Muzzammil Vers 2 empfohlen wird: «......steh (zum Gebet) die (ganze) Nacht auf- bis auf einen kleinen Teil.....»  Man möchte auf diese Weise, indem im letzten Ramadandrittel jeweils zwischen ein und vier Uhr nachts in Gebetseinheiten von 2 Rakat (wieviele es waren? ich habe nicht mitgezählt...) der ganze Koran gelesen wird, auf keinen Fall die Nacht der Nächte verpassen:

Sonntag, 5. August 2012

sorgen

Vor ein paar Tagen ging es mir nicht so gut. Nein, das Fasten war es nicht, im Gegenteil, das war mein Halt im Sturm. Es waren alte Sorgen - ab und zu blähen sie sich auf, werden riesig, versuchen, mich zu überwältigen. Sie hielten mich nicht vom Fasten ab, aber sie durchdrangen mich und auch die Gebete und selbst das ganz bewusste Sprechen von "Allahu Akbar", um die Sache auf ihren Platz zu verweisen, wollten mir nur halb helfen, es waren fast nur Worte - was mir natürlich noch zusätzliche Schuldgefühle verursachte.

Donnerstag, 2. August 2012

Montag, 30. Juli 2012

Paradieswein


Wenn es so  schön heiß ist wie gerade, dann spürt man den Durst  richtig. Eigentlich mag ich das. Es erinnert mich daran, dass ich faste. Es erinnert mich daran, weshalb ich faste. Es erinnert mich an IHN. 

Und wenn ich dann den ersten Schluck Wasser trinke, dann schmeckt der süßer als alles, was ich je getrunken habe. So stelle ich mir Paradieswein vor :).

Es jetzt 19.27 Uhr und noch um die 30º im Schatten und es dauert noch genau eine Stunde und 15 Minuten bis zu meinem Glas Wasser.

Freitag, 27. Juli 2012

Taraweeh

So, dann werde ich jetzt von meinem allerersten Taraweeh Gebet in der Moschee erzählen. Entgegen meiner Befürchtungen waren ein paar Frauen da. Allerdings war ich als einzige Weiße trotzdem eine Außenseiterin, und ich frage mich schon, warum hier keine  arabischen Frauen zur Moschee kommen - soviel ich weiß, gibt es sie, auf jeden Fall leben hier ziemlich viele Marokkaner. Auch die muslimischen Inder, von denen es nicht wenige gibt, lassen ihre Frauen offensichtlich zu Hause. 

Sonntag, 22. Juli 2012

Hoch (oder: Die Süße des Glaubens)


Ich kann nicht anders. Muss es hinausposaunen. Wisst ihr, wenn mir vor zweieinhalb Jahren jemand mit dem Ausdruck "die Süße des Glaubens" gekommen wäre - ich hätte ihn ausgelacht. Aber schallend! Vor zwei Jahren, als ich ihn dann zum ersten Mal hörte, sträubte sich in mir noch alles, so einen "geschwollenen", pathetischen  Begriff zu verwenden für jenes "Gefühl", von dem Muslime immer wieder reden und das ich zum ersten Mal damals auf meinem Balkon erlebte.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Ramadan!!!

Wenn ich hier noch geschrieben habe, dass «die Vorfreude auf den kommenden Ramadan durch die Aussicht auf das einsame Fasten und Fastenbrechen ein wenig getrübt» sei -  inzwischen ist dieser negative Beigeschmack vergangen, die Freude ungetrübt.

Dienstag, 17. Juli 2012

Angst vor Salafisten

Liebe Eltern, die ihr den Film "in den Fängen der Salafisten" gesehen habt und die ihr eine Tochter, einen Sohn oder sonst einen Verwandten habt, der zum Islam konvertiert ist oder das zu tun beabsichtigt, bitte lest, was ich euch hier schreibe.

Sonntag, 15. Juli 2012

überwältigt

Wenn man (mangels lebenden Beispiels) all die guten Ratschläge und eindringlichen Mahnungen, Empfehlungen und Anregungen von Glaubensgenossen und Gelehrten in Büchern, Videos, Blogs, in sozialen Netzwerken und Foren sieht, versucht, möglichst viel davon umzusetzen, an vielem kläglich scheitert und die eigene Unzulänglichkeit erkennt, tut es gut, wenn uns jemand an folgenden Hadith erinnert:


Dienstag, 10. Juli 2012

Athan - Azan - Adhan

Ich war gerade dabei, einen Beitrag für das pausenblog zu schreiben, einen Beitrag über Ägypten (Beitrag lesen). Ich war da mal vor einigen Jahren, als ich mit Religion noch soviel am Hut hatte wie ein Pinguin mit Tennisschuhen. (Hier habe ich u.a. erzählt wie mich die Reiseleiter mit ihren Einführungen in den Islam nervten). 

Montag, 2. Juli 2012

abgekapselt


"Du kapselst dich ab" "Bist immer zuhause!" "Hockst nur noch am PC." "Liest du eigentlich auch noch mal was anderes als Islamisches?" "Geh doch unter die Leute, unternimm etwas mit Freunden!"


Manchmal kommt die subtile Anspielung durch. Hast du nicht vielleicht doch versteckte Depressionen? Benutzt die Religion als Vorwand, um sie (die Depri) und die damit einhergehende Ungeselligkeit vor dir selber und den anderen zu verdecken?


Dienstag, 26. Juni 2012

Lidhâlik - Arabisch 4

Ich brüte über meinen Arabischaufgaben. Ein Bild soll ich beschreiben. An sich keine große Sache, braucht ja nicht perfekt zu sein, wozu hat man denn einen Lehrer, der es korrigiert? Außerdem sind Fehler gut zum Lernen - nicht nur bei Sprachen ..;)

Mich nervt nur eins: manchmal erinnere ich mich, in früheren Texten schon mal eine bestimmte Wendung geschrieben und korrigiert gekriegt zu haben. Und würde gerne davon profitieren für einen ähnlichen Satzteil. 

Mittwoch, 20. Juni 2012

ich verstehe nicht

Etwas verstehe ich nicht:

Wenn doch kein Mensch in einen anderen hinein sehen kann, da allein Allah weiß, wie es in uns aussieht:

«Gewiss, Allah ist der Kenner des Verborgenen der Himmel und der Erde; gewiss, Er weiß über das Innerste der Brüste Bescheid. (Fâtir 38)»

Und wenn erst recht kein Mensch wissen kann, ob ein anderer zu einem späteren Zeitpunkt zu Gott findet, Vergebung findet und zu den Gläubigen gehört, denn:

Sonntag, 17. Juni 2012

Taliban in Lissabon?

Lissabon ist eine wunderschöne Stadt und es auf jeden Fall wert, dass man sich auf den Hügeln des Bairro Alto und der Alfama und in der Baixa die Füße wund, das Kreuz stechend und Muskelkater in die Waden läuft, um möglichst viel möglichst von nahe zu sehen und zu erleben.

Da dies jedoch ein Blog über meine Erfahrungen mit dem Islam ist und kein Reisetagebuch, werde ich hier nicht über die lichtgeflutete weiße Stadt am Tejo schreiben (vielleicht später im pausenblog) sondern über einen unerwarteten Schatten.

Sonntag, 10. Juni 2012

Freiheit

Eigentlich wollte ich zu Anisah's Beitrag Feinde in ihrem Blog einen Kommentar schreiben. Aber dann wurde er zu lang, deshalb weiche ich hierher aus.

Der Beitrag ist sehr schön und sehr wahr. Ich glaube aber, Anisah, du  schätzt  einen guten Teil dieser "Normalen" nicht ganz richtig ein. 

Aus eigener Erfahrung, weil ich selber so war, sage ich: Viele "Normale" (eigentlich ziehe ich den Begriff "Nicht-Glaubende" vor) denken nicht so weit. Sie leben in den Tag hinein und meinen, das müsste so sein, man muss sein Leben auskosten, genießen, «schließlich hat man nur dieses eine». 

Samstag, 2. Juni 2012

ich will

Der Leser Uzeir Faizah hat zum Beitrag "peinlich" einen Kommentar hinterlassen, den sich viele Muslime, die gerne mit der Tür ins Haus fallen, zu Herzen nehmen sollten. Ich nutze die Gelegenheit, ihn hier zu posten, damit er auch gelesen wird. Er sagte u.a.:

Montag, 28. Mai 2012

"Haben"

Vielleicht erinnert sich noch jemand an den alten deutschen Schwarzweissfilm mit der wunderbaren Therese Giehse, wo sie als bösartige, giftmischende Hebamme im Film "HABEN"  um den Tisch herum marschiert, immer wieder, die Hände auf dem Rücken verschränkt, leicht nach vorne gebeugt, und mit stierem Blick gierig vor sich hin sagt: Haben. Haben. Haben! Haben! Ich habe den Film als Kind gesehen, er hat mich schwer beeindruckt  und diese Szene habe ich nie wieder vergessen.

Freitag, 18. Mai 2012

Imageproblem

Imageproblem, oder «Das Bild vom bösen Islam und meine bunte muslimische Welt» ist der Titel des Buches einer deutschen Muslima, Anja Hilscher, die mich gebeten hat, das Buch hier kurz zu besprechen. Was ich, dank der portugiesischen Post mit etwas Verspätung, gerne tue.
 
Ich kann mich gerade nicht entscheiden, was nun erfrischender ist. Die eisgekühlte Limonade aus eigenen Zitronen, mit Minze und Stevia aus dem Garten, oder der Sprung ins kühle Nass dahinter, oder dieses Buch...

Auf witzige Art, herrlich unverkrampft und mit «rustikalem Humor» (nach ihrer eigenen Einschätzung ;)) erzählt uns Anja Hilscher zum Beispiel, was die Scharia mit einer mittelalterlichen Landkarte oder der Koran mit einem Kochbuch zu tun haben (können), was  «echte» und «unechte» «Kopftuchfrauen» so für Vorurteile haben, wie anregend Punktesammeln sein kann...

...und mehr sage ich nicht. Ich möchte das Buch nämlich, um eine Wortkreation Anjas zu benutzen, nicht «auseinanderdröseln». Lest es einfach!


PS: Es wäre wirklich zu wünschen, das Buch könnte einigen Menschen zu einem etwas entspannteren Verhältnis zum Islam verhelfen. InschaAllah.

Donnerstag, 3. Mai 2012

peinlich


Könnt ihr euch vorstellen, dass mir am Anfang eure Kommentare peinlich waren? "MaschaAllah", "SubhanAllah", "Möge Allah t. dich beschützen" und solche Sachen?


Weil ich genau wusste, wie sie auf Menschen, die so ticken wie ich, bevor ich zum Islam kam, wirken. Es war mir ja schon peinlich, zuzugeben, dass ich plötzlich religiös geworden war. Weil ich genau wusste, wie das auf  Menschen, die so ticken wie ich damals, wirkt. Es war mir noch viel peinlicher, zuzugeben, dass meine Religion der Islam ist. Weil ich genau wusste, wie das auf Menschen, die so ticken wie ich damals, wirkt.

Sonntag, 29. April 2012

Warum nur?

Nachstehendes fragte ein gewisser Leopold Weiss, 1900 in eine polnisch-jüdische Akademikerfamilie hinein geboren, später Korrespondent der Frankfurter Zeitung, Diplomat und islamischer Gelehrter, kurze Zeit bevor er  den Islam annahm und sich fortan Muhammad Asad nannte, seine muslimischen Freunde und Bekannten. (Aus dem Buch "Der Weg nach Mekka"). Die Fragen sind so aktuell wie damals.

Dienstag, 24. April 2012

für euch auch!


«Blumen für euch!" So heißt der Beitrag, den ich heute  im pausenblog veröffentlicht habe. Natürlich sind die Blumen auch für die Leser/Innen von "ausgerechnet Islam" - ich möchte  auch euch zeigen, wie wunderbar es im Moment hier blüht. Und was für schöne Begegnungen ich auf meinem heutigen Spaziergang hatte.


Und weil ich im pausenblog die Leute nicht mit frommen Sprüchen verschrecken will, sag ich hier, was mir während des ganzen Spaziergangs auf den Lippen lag:


Hier der Link: Blumen für euch!

Freitag, 20. April 2012

feige

Was da im Zuge der Koranverteilungen und der allgemeinen Hysterie den Islam betreffend gerade geschieht, gefällt mir nicht:

Da tun sich liberale und moderate, ja sogar konservative Muslime zusammen mit Nichtmuslimen und Islamgegnern und wettern gemeinsam gegen die Salafis(ten). Toll. Man hat einen neuen Prügelknaben gefunden.

Freitag, 13. April 2012

Trick 77

In meinem  pausenblog habe ich heute einen Artikel über Zeitmanagement veröffentlicht, der vielleicht auch  Leser/Innen von "ausgerechnet Islam" interessieren könnte:





Zeitmanagement - das Schlagwort. Überall tauchen Angebote auf, die uns beibringen, unsere kostbare Zeit richtig einzuteilen. Find ich gut. Ich habe sogar für mich selber auch ein System entwickelt: Ich erledige nämlich nebst den Aufgaben, die ich gerne tue (z.B. schreiben;) ) nur die wichtigsten Alltagsroutinen ohne Extra-Aufraffen und schiebe vieles lieber vor mir her; vom Morgen zum Abend, vom Abend nach morgen, nach morgen Abend. Hat durchaus manchmal sein Gutes: manche Dinge erledigen sich in der Zwischenzeit von selbst und man hat dann doch ein wenig Zeit eingespart.

Dienstag, 10. April 2012

Ketten

Es kommt immer wieder mal vor, dass man auf Texte stößt, welche das ausgefeilte, anfangs vor allem mündliche System der Überlieferung der Korantexte aus dem 7. Jahrhundert, in dem noch kaum geschrieben wurde, durch die Zeiten hindurch bis hin zu uns, durch "neue wissenschaftliche Erkenntnisse"  in Frage stellen - und somit die Authentizität des Koran anzweifeln. Ich kann aus eigenem Wissen wenig zu diesem Thema beitragen, wenn es mir auch komisch vorkommt, dass irgendwelche Textfragmente, die irgendwelche Leute irgendwo ausgegraben haben, von irgendwelchen Menschen geschrieben, die diese Texte ja ihrerseits von irgendwelchen nicht verifizierbaren Leuten in unbekannten Sprachen übernommen haben können, dass solche Textfragmente mehr Beweiskraft haben sollen als das ausgeklügelte islamische Überlieferungssystem. 


Zum besseren Verständnis für Nichtmuslime sei diese Technik der Überlieferung hier kurz beschrieben. Ich habe den folgenden Text aus einem Forum übernommen (mit dem Einverständnis des Verfassers - danke!), weil er die Sache so schön kurz auf den Punkt bringt. Obwohl ich von ganzem Herzen von der Authentizität des Koran überzeugt bin, bin ich immer froh, wenn ich wieder einen Teilaspekt des Glaubens auch verstandesmäßig voll und ganz nachvollziehen kann. InshaAllah hilft der Beitrag auch anderen:

Dienstag, 3. April 2012

manchmal

Allah, warum zögere ich manchmal gebete hinaus
erledige sie eilig
um tausend  Dinge zu tun
wo doch die momente
die stirn auf dem boden
und ganz bei Dir
die besten sind
die ich habe

Samstag, 31. März 2012

absolut


Durch die Befremdung und Verdrängung, die meine Konversion nach wie vor auslöst, werde ich immer wieder dazu veranlasst, darüber zu reflektieren, wie anders ich selbst noch vor ein paar Jahren dachte. »Ihr!« warf ich damals (zusammen mit denen, die mich jetzt nicht mehr verstehen...) Menschen vor, die an Gott glauben, »ihr macht es euch leicht, benutzt einfach das Wort »Gott« als Bezeichnung für alles, was ihr nicht versteht und was die Wissenschaft (noch) nicht begreiflich machen kann. Dann braucht ihr nicht mehr nachzudenken und habt für alles eine »Erklärung«.

Irgendwo habe ich mal gelesen, unsere menschlichen Bemühungen, das Universum zu verstehen, seien in etwa vergleichbar mit dem Versuch einer Eintagsfliege, das menschliche Wesen erfassen zu wollen. Das leuchtet ein. So intelligent der Mensch auch sein mag, was er auch »erfindet« (mir gefiele der Ausdruck »heraus-findet« besser, heraus findet aus dem schon immer existierenden absoluten Göttlichen Wissen) – sein Wissen ist immer nur Teilwissen, winzig und beschränkt, meist sehr subjektiv und äußerst relativ. Der Koran fordert uns nun einerseits unzählige Male auf, unseren Verstand zu benutzen und unser Wissen zu vermehren, wir sollen jedoch auch an »das Verborgene« glauben. Ich soll also versuchen, meinen persönlichen Anteil an Verstand und Wissen so gut zu nutzen und zu mehren, wie ich es vermag (und Er es zulässt), muss aber auch dessen Grenzen einsehen und akzeptieren (so gut ich kann –  ich glaube nämlich, Überschätzung des eigenen Verstandes ist eine der verbreitetsten und am schwersten an sich selbst zu diagnostizierenden Untugenden...).

Da ich als Muslima nicht bezweifle, dass der Koran Gottes Offenbarung an die Menschen ist, kann ich nicht anders, als zu glauben, dass sie  ein Teil  jenes  absoluten All-Wissens ist. Das unendlich und unfassbar ist wie Gott selbst: 
«Sag: Wenn das Meer Tinte für die Worte meines Herrn wäre, würde das Meer wahrlich zu Ende gehen, bevor die Worte meines Herrn zu Ende gingen, auch wenn Wir als Nachschub noch einmal seinesgleichen hinzubrächten.»  (Sure 18 Vers 109)
Wenn man nun nicht alles davon versteht, einem sogar einiges ziemlich unlogisch erscheint, liegt das nicht an der Offenbarung, sondern an der Beschränktheit des menschlichen Verstandes. Und wer jetzt fragen möchte: Wenn Gott allmächtig ist, warum kann er denn  nicht eine Offenbarung herabsenden, die alle Menschen verstehen? Dem antworte ich: Er kann! Er wollte aber nicht – aus Gründen, die Er weiß.

In welchen Glaubensbelangen soll und darf man nun seinen gesunden Menschenverstand beiziehen?

Der Koran gibt einen Hinweis:
«Er ist es, Der das Buch (als Offenbarung) auf dich herabgesandt hat. Dazu gehören eindeutige Verse – sie sind der Kern des Buches – und andere, mehrdeutige. Was aber diejenigen angeht, in deren Herzen (Neigung zum) Abschweifen ist, so folgen sie dem, was davon mehrdeutig ist, im Trachten nach Irreführung und im Trachten nach ihrer Missdeutung. Aber niemand weiß ihre Deutung außer Allah. Und diejenigen, die im Wissen fest gegründet sind, sagen: „Wir glauben daran; alles ist von unserem Herrn.“ Aber nur diejenigen bedenken, die Verstand besitzen.» (Sure 3 Vers 7)
Dass es gerade über diesen Vers Meinungsverschiedenheiten gibt, besonders darüber, welche Verse nun eindeutig seien und welche nicht, macht die Sache allerdings nicht einfacher, aber spannend – es hält in Bewegung. Von wegen »wir brauchen nicht mehr nachzudenken«.

Samstag, 17. März 2012

freier Wille und Vorsehung

Ein paar interessante Gedanken zum Thema freier Wille und Vorsehung, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Samstag, 10. März 2012

Iman


Iman wird für Nichtmuslime meist kurz mit "Glaube" übersetzt. Muslime allerdings sagen, es sei viel mehr als das, schon allein, weil er in der Schahada mündet, in der man bezeugt, dass es keine Gottheit gibt außer Allah, und dass Muhammad sein Gesandter ist. Bezeugen kann man sprachtechnisch ja nichts, was man "nur" glaubt. Nein, bezeugen kann man nur etwas, was man entweder selber gesehen oder gehört oder erlebt hat.

Sonntag, 4. März 2012

direct access


Ich staune immer wieder, wie viel gerade Muslime auf Englisch lesen. Ich kann eigentlich ziemlich gut Englisch. Trotzdem lese ich Bücher, wenn ich sie wirklich richtig verstehen und davon lernen will, lieber auf Deutsch - ich habe das Gefühl, dann mehr davon behalten zu können. Portugiesische Autoren lese ich in Portugiesisch - das ist ja sozusagen meine zweite Muttersprache. Bei anderssprachigen Büchern traue ich einfach lieber einem professionellen Übersetzer als meinen lückenhaften Kenntnissen. Es kann natürlich sein,  dass ich bloß zu faul bin und es mir zu einfach mache. Oder ist es doch eine Englisch-Phobie, verursacht  durch die vielen älteren rosaroten Britinnen hier bei uns, die bis zum Umfallen Gin und Tonic trinken und dann allen Anwesenden mit kreischendem "hello sweetheart" um den Hals fallen? Oder durch diesen 'Small-Talk', den ich einfach nicht recht durchschaue (vielleicht weil es gar nichts zu durchschauen gibt...).



Und wer sich jetzt daran erinnert, dass ich  mich noch vor kurzem so gefreut habe, den ganzen Koran auf Arabisch gelesen zu haben: ich hatte immer mindestens eine deutsche Übersetzung daneben.


Trotzdem. Jetzt, wo ich darüber nachdenke: mit dem Koran verhält es sich irgendwie anders. Als ob die originalen arabischen Wörter einen direkten Zugang zum Herzen finden würden... Direct access.




Montag, 27. Februar 2012

Traumsequenz

Gestern Nacht träumte ich von einem kleinen, aufgeplusterten, etwas verängstigten jungen Spatz, der sich in meine ausgestreckte Handfläche schmiegte, und den ich ganz zart mit Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand streichelte. Da flog ein ein ausgewachsenes Tier - ich erinnere mich nicht, ob es Männchen oder Weibchen war - sicher war es die Mutter oder oder Vater, herbei, setzte sich auf meine Fingerspitzen neben das Jungtier und beobachtete ganz aufmerksam, wie ich den Kleinen streichelte.

Nur selten kann ich mich an Träume erinnern. Diese kurze Sequenz war so real und so ergreifend und schön, dass ich sie festhalten wollte.

Dienstag, 14. Februar 2012

geschafft!

Heute, an Rabi' Al-Awwal 22, 1433, nach Fajr, habe ich dies gelesen:


مِنَ الْجِنَّةِ وَالنَّاسِ


den letzten Vers der letzten Sure (An-Nâs - die Menschen) des Qur'an im Mushaf  (die schriftliche Aufzeichnung des Qur'an in Buchform wird als „Mushaf“ bezeichnet).

Freitag, 10. Februar 2012

Liebe Leser/Innen

Liebe Leser/Innen dieses Blogs

Zuerst wiederhole ich meinen Dank an euch für die Treue und die aufmunternden Kommentare und Mails. Ihr helft mir sehr, hier in diesem unislamischen Umfeld als Muslima  zu "überleben".

Heute habe ich eine Bitte in eigener Sache. Aber ich will etwas ausholen.

Seit längerer Zeit bitte ich  in meinen Dua3's (für Nichtmuslime: Im Gegensatz zu den rituellen Pflichtgebeten sind Dua3's Bittgebete, die man jederzeit, in jeder Situation - aber gerne auch innerhalb der Pflichtgebete - in seiner eigenen Sprache, mit seinen eigenen Worten spricht. In denen man z.B. um Vergebung bittet, um Erleichterung seiner eigenen Probleme und derjenigen von Menschen, die einem am Herzen liegen) - ich bitte also seit längerer Zeit u.a. um einen Ausweg in einem ganz bestimmten Problem, das ich hier nicht weiter darlegen möchte.

Auf jeden Fall scheint sich sich jetzt eventuell eine Lösung abzuzeichnen, al hamdu-lillah. Dies manifestiert sich in einem neuen Blog-Projekt:


Hier entsteht ein Sammelsurium von Beiträgen - eigenen, gefundenen, wahren und erfundenen; Schönes, Interessantes, Lustiges, Witziges und Nachdenkliches aus meinem Habitat (Algarve, Portugal) und Umgebung - und dem Rest der Welt. Zur Verschönerung kleiner Aus-Zeiten. 

Dass das Bloggen für mich inzwischen nicht mehr ausschließlich "Notlösung" ist sondern mir auch Spaß macht, habt ihr sicher schon bemerkt. Nun besteht natürlich mein Leben nicht nur aus "ausgerechnet Islam". Und weil ich eh schon ein Doppelleben führe ;), gibt es jetzt halt einen zweiten Blog von mir, mit dem ich hoffe, nicht nur Muslime zu erreichen. Und (euch hier kann ich es ja sagen) ich wünsche mir schon, dass ich eines Tages, wenn ich inschaAllah richtig viele Leser habe, vielleicht sogar Menschen, die sich nie im Leben auf eine religiöse Seite verirren würden, auch mal ganz sanft auf den Sinn des Glaubens hinweisen kann.

Also bitte helft mir, das pausenblog publik zu machen, verteilt den Link auch unter nicht-muslimischen Freunden. Es soll, so Gott will,  ein vielseitiges Blog werden, das nicht nur Algarve- oder Portugal-Fans anspricht, auch wenn jetzt am Anfang dieses Thema im Vordergrund stand.

Heute bei Fajr wurde mir übrigens wieder einmal so richtig bewusst, wie richtig und schön sich die Bewegungsabläufe anfühlen.

Dienstag, 7. Februar 2012

guten Flug!

Ganz einfach ist das nicht, mit dem Islam. Es ist wie bei allem im Leben, je mehr man weiß, desto mehr Fragen kommen auf. Fragen, die je nachdem, wem man sie stellt, ganz verschieden beantwortet werden.

Für Spät- und Quereinsteiger ist es besonders schwierig, abzuwägen, wo man nun am besten sein Wissen her holt, welches die vertrauenswürdigsten Quellen sind. Zumal natürlich alle Gruppierungen, alle Autoren von Büchern und Schriften, alle Internetseiten, die man konsultiert von ihrer eigenen Richtigkeit und einzigen Wahrheit vollkommen überzeugt sind. Und alle haben sie ihre Beweise. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob ein Laie überhaupt selbst beurteilen kann, welche Beweise beweiskräftiger sind...

Was tun?  Sich auf den Koran zurückziehen, dem eigenen Verstand vertrauen? Das Vorbild des Propheten  s.a.s. außer Acht lassen, 1400 Jahre Studium von Hunderten von großartigen Gelehrten einfach ignorieren? Oder sich entscheiden, für die eine oder andere Gruppierung, die eine oder andere Beweisführung? "Hör auf dein Herz!" sagt mancher und sicher ist das der beste Rat, wenn man auch aufpassen muss, dass das Herz nicht von irgendwelchen eigenen Vorstellungen, die besser ins eigene Lebenskonzept passen, ausgetrickst wird.

Ein Kriterium habe ich: Bei denjenigen Informationen und Ratschlägen, wo das Vertreten eigener Interessen durchscheint, werde ich misstrauisch. Bei manchen besonders "progressiven" Muslimen habe ich das Gefühl, sie wollen mir ihren "alles ist gut"-Islam schmackhaft machen, um ihr eigenes Gewissen zu beruhigen. Bei manchen besonders eifrigen Muslimen habe ich das Gefühl, sie wollen mit ihrem "alles ist Haram"-Islam die Lebensfreude anderer zerstören, weil sie selber keine mehr haben. 

Der Islam ist die Religion der Mitte. Das habe ich jetzt schon mehrmals gehört und gelesen. Und mir wurde gesagt - und ich glaube, der Vergleich stammt aus einem Hadith: «Ins Paradies fliegst du auf zwei Flügeln: dem Flügel der Hoffnung, und dem Flügel der Gottesfurcht». 

So besteht also die Kunst darin, aufzubrechen, die Schwingen auszubreiten und die Balance zu finden zwischen dem Vertrauen, dass der Allerbarmer sich unserer erbarmt und der Furcht, dieses Erbarmen zu verscherzen, wenn wir Ihm nicht dienen, so gut wir es können.  Ich schaue oft den Möwen zu, sie haben eine so wunderschöne Art, zu fliegen...

....in diesem Sinne wünsche ich uns allen guten Flug!

Freitag, 3. Februar 2012

Paare


An alle, die lieber glauben wollen, es gebe keinen lebendigen Gott als einen, der Leid zulässt.

Und für alle von uns, die diese Frage der Nicht-Glaubenden nach dem Sinn des Leids  immer mal wieder zum Grübeln bringt.

Wenn es kein Leid gäbe - könnten wir dann erfassen, was Freude ist? Wenn es kein "unten" gibt, kann es dann ein "oben" geben? Wenn es keine Dunkelheit gäbe, würde dann das Wort "Helligkeit" überhaupt Sinn machen?

kein hell ohne dunkel
kein schön ohne hässlich
kein laut ohne leise
kein gesund ohne krank
kein reich ohne arm
kein fröhlich ohne traurig
kein gut ohne schlecht
und so weiter....

es gibt
ohne Frau keinen Mann
ohne Nacht keinen Tag
ohne Westen keinen Osten
ohne Leid keinen Trost
ohne Erschwernis keine Erleichterung
ohne Furcht kein Vertrauen
ohne Verzweiflung keine Hoffnung
ohne Sünde keine Vergebung
ohne Strafe kein Erbarmen
und so weiter....

«Und von allem haben Wir ein Paar erschaffen, auf dass ihr bedenken möget.» 
(Sure Adh-Dâriât Vers 49) 

«Und Er ist es, Der lebendig macht und sterben lässt; 
und auf Ihn geht der Unterschied von Nacht und Tag zurück. 
Begreift ihr denn nicht?»
(Sure Al-Mu'minûn Vers 80) 

Wer sind wir denn, in Anbetracht dieser göttlichen Balance zwischen Gegensätzen, zwischen Wunderbarem und Furchtbarem und der ganzen Vielfalt dazwischen, die unsere Welt in Bewegung hält, überhaupt zu fragen, warum Gott dies oder jenes, das unserem kleinen Verstand ungerecht erscheint, zulässt? Macht nicht gerade das die Religion aus, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass (nur) Er weiß, was wirklich gerecht ist? Denn:

«Er ist der wahrhaft gerechte Entscheider, der Allwissende.»
(Sure Sabâ Vers 26)

und weil

«Gewiß, Allah weiß über das Innerste der Brüste Bescheid.»
(Sure Al-Mâ'ida Vers 7)

und

«...Es entgeht Ihm nicht das Gewicht eines Stäubchens, weder in den Himmeln noch auf der Erde....»
(Sure Sabã Vers 3)

deshalb können wir sicher sein:

«Allah tut gewiss nicht im Gewicht eines Stäubchens Unrecht....»
(Sure An-Nisâ Vers 40)

Eins noch zum Schluss: Das Wissen um die Gerechtigkeit Gottes darf uns wohl trösten, aber nicht dazu verleiten, uns zurückzulehnen und zu denken "ach - es ist ja sowieso alles, wie Er es will" - im Gegenteil! Jede noch so kleine Bemühung eines jeden von uns ist doch ein Mosaiksteinchen in dieser göttlichen Balance!