Mittwoch, 4. Januar 2012

aufgeschlossen

Muslim/a ist nicht einfach Muslim/a – genauso wie Christ/in nicht einfach Christ/in ist oder Atheist/in nicht Atheist/in ist. Hinter diesen Bezeichnungen verstecken sich Menschen. Menschen mit unterschiedlichsten Lebensentwürfen, unterschiedlichsten Auffassungen, unterschiedlichsten Möglichkeiten – in jeder Beziehung. Und auch im Islam gibt es, wie in jeder Religion, verschiedene Gruppierungen. Und innerhalb der Gruppierungen gibt es weniger strenge und ganz strenge, liberale und sehr progressive Auslegungen.

Traurig ist allerdings, dass zwischen Angehörigen einzelner Gruppen so viel Intoleranz herrscht. Dass manche ganz eifrige Muslime anderen mit der Hölle drohen, weil diese eine Sache etwas weniger strikt handhaben. Und dass auf der anderen Seite welche, die es lockerer nehmen, denjenigen, die den Glauben besonders ernst nehmen, fehlenden Verstand vorwerfen. Am meisten stört mich, dass viele dieser Statements nicht sachlich und freundlich, sondern vorwurfsvoll und feindselig geäußert werden. 

Ebenso, wie es einem "liberalen" Muslim weh tut, wenn man ihm sagt, er picke sich nur nach eigenem Gutdünken das beste aus dem Islam  heraus, tut es einem "konservativen" Muslim weh, wenn man ihm sagt, was er mache, sei unnötiger fundamentalistischer Schwachsinn.

Immer und immer wieder rezitieren wir in unseren Gebeten Al-Fatiha. In der ungefähren Übersetzung heißt das "die Öffnende" oder "die Eröffnende". Es ist die erste Sura, sie eröffnet den Koran. Und sie soll unsere Herzen für den Glauben öffnen. Aufschließen. So öffnen wir wir sie auch für unsere Mitmenschen und werden zu aufgeschlossenen Muslimen und Muslimas, offen, sich andere Meinungen anzuhören, sie gelten zu lassen und nicht nieder zu machen - auch wenn sie sie nicht richtig finden.

Liebe Glaubensgeschwister, die ihr nach Toleranz von den Nichtmuslimen schreit – lasst uns erst mal untereinander tolerant sein! Der Friede sei mit euch allen.

Kommentare:

  1. Salam liebe Chadidscha, Du spricht mir aus dem Herzen.Rebekka

    AntwortenLöschen
  2. "Liebe Muslime und Muslimas, die ihr nach Toleranz von den Nichtmuslimen schreit – seid erst mal tolerant untereinander!!!! "

    Das denke ich auch. Allerdings sollte jeder selbst seine Meinung s agen können, ohne aber zu diffamieren "wenn du das machst, kommst du in die Hölle" bzw. "Fundis benutzen ihren Verstand nicht und brauchen für jeden Pipifax eine Fatwa".

    Es ist dieser diffamierende und abschätzige Ton, der dringend abgestellt gehört.
    Allerdings habe ich erlebt, dass gerade die sogenannten "Progressiven" keinesfalls toleranter sind als die als "intolerant" verschrieenen Konservativen. Dabei nehmen sie immer für sich in Anspruch, "tolerant" zu sein, was sie nicht unbedingt immer sind.

    AntwortenLöschen
  3. Mashallah, sehr schön geschrieben!

    AntwortenLöschen
  4. beijocas - was wir alle (die meisten?!) denken aber nicht ausdrücken können bringst du mit liebe worte uns näher ans Herz und Seele - Danke liebes
    Deine Amina_Paula

    AntwortenLöschen
  5. As selamu aleykum Chadidscha,

    danke für den Tipp diesen Beitrag zu lesen. MashaAllah sehr schön geschrieben. Vllt fehlt mir oftmals die Tolleranz. Die Worte regen sehr zum nachdenken an :) Barak Allahu fiki Ukhti :)

    wasselam

    AntwortenLöschen