Montag, 27. Februar 2012

Traumsequenz

Gestern Nacht träumte ich von einem kleinen, aufgeplusterten, etwas verängstigten jungen Spatz, der sich in meine ausgestreckte Handfläche schmiegte, und den ich ganz zart mit Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand streichelte. Da flog ein ein ausgewachsenes Tier - ich erinnere mich nicht, ob es Männchen oder Weibchen war - sicher war es die Mutter oder oder Vater, herbei, setzte sich auf meine Fingerspitzen neben das Jungtier und beobachtete ganz aufmerksam, wie ich den Kleinen streichelte.

Nur selten kann ich mich an Träume erinnern. Diese kurze Sequenz war so real und so ergreifend und schön, dass ich sie festhalten wollte.

Dienstag, 14. Februar 2012

geschafft!

Heute, an Rabi' Al-Awwal 22, 1433, nach Fajr, habe ich dies gelesen:


مِنَ الْجِنَّةِ وَالنَّاسِ


den letzten Vers der letzten Sure (An-Nâs - die Menschen) des Qur'an im Mushaf  (die schriftliche Aufzeichnung des Qur'an in Buchform wird als „Mushaf“ bezeichnet).

Freitag, 10. Februar 2012

Liebe Leser/Innen

Liebe Leser/Innen dieses Blogs

Zuerst wiederhole ich meinen Dank an euch für die Treue und die aufmunternden Kommentare und Mails. Ihr helft mir sehr, hier in diesem unislamischen Umfeld als Muslima  zu "überleben".

Heute habe ich eine Bitte in eigener Sache. Aber ich will etwas ausholen.

Seit längerer Zeit bitte ich  in meinen Dua3's (für Nichtmuslime: Im Gegensatz zu den rituellen Pflichtgebeten sind Dua3's Bittgebete, die man jederzeit, in jeder Situation - aber gerne auch innerhalb der Pflichtgebete - in seiner eigenen Sprache, mit seinen eigenen Worten spricht. In denen man z.B. um Vergebung bittet, um Erleichterung seiner eigenen Probleme und derjenigen von Menschen, die einem am Herzen liegen) - ich bitte also seit längerer Zeit u.a. um einen Ausweg in einem ganz bestimmten Problem, das ich hier nicht weiter darlegen möchte.

Auf jeden Fall scheint sich sich jetzt eventuell eine Lösung abzuzeichnen, al hamdu-lillah. Dies manifestiert sich in einem neuen Blog-Projekt:


Hier entsteht ein Sammelsurium von Beiträgen - eigenen, gefundenen, wahren und erfundenen; Schönes, Interessantes, Lustiges, Witziges und Nachdenkliches aus meinem Habitat (Algarve, Portugal) und Umgebung - und dem Rest der Welt. Zur Verschönerung kleiner Aus-Zeiten. 

Dass das Bloggen für mich inzwischen nicht mehr ausschließlich "Notlösung" ist sondern mir auch Spaß macht, habt ihr sicher schon bemerkt. Nun besteht natürlich mein Leben nicht nur aus "ausgerechnet Islam". Und weil ich eh schon ein Doppelleben führe ;), gibt es jetzt halt einen zweiten Blog von mir, mit dem ich hoffe, nicht nur Muslime zu erreichen. Und (euch hier kann ich es ja sagen) ich wünsche mir schon, dass ich eines Tages, wenn ich inschaAllah richtig viele Leser habe, vielleicht sogar Menschen, die sich nie im Leben auf eine religiöse Seite verirren würden, auch mal ganz sanft auf den Sinn des Glaubens hinweisen kann.

Also bitte helft mir, das pausenblog publik zu machen, verteilt den Link auch unter nicht-muslimischen Freunden. Es soll, so Gott will,  ein vielseitiges Blog werden, das nicht nur Algarve- oder Portugal-Fans anspricht, auch wenn jetzt am Anfang dieses Thema im Vordergrund stand.

Heute bei Fajr wurde mir übrigens wieder einmal so richtig bewusst, wie richtig und schön sich die Bewegungsabläufe anfühlen.

Dienstag, 7. Februar 2012

guten Flug!

Ganz einfach ist das nicht, mit dem Islam. Es ist wie bei allem im Leben, je mehr man weiß, desto mehr Fragen kommen auf. Fragen, die je nachdem, wem man sie stellt, ganz verschieden beantwortet werden.

Für Spät- und Quereinsteiger ist es besonders schwierig, abzuwägen, wo man nun am besten sein Wissen her holt, welches die vertrauenswürdigsten Quellen sind. Zumal natürlich alle Gruppierungen, alle Autoren von Büchern und Schriften, alle Internetseiten, die man konsultiert von ihrer eigenen Richtigkeit und einzigen Wahrheit vollkommen überzeugt sind. Und alle haben sie ihre Beweise. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob ein Laie überhaupt selbst beurteilen kann, welche Beweise beweiskräftiger sind...

Was tun?  Sich auf den Koran zurückziehen, dem eigenen Verstand vertrauen? Das Vorbild des Propheten  s.a.s. außer Acht lassen, 1400 Jahre Studium von Hunderten von großartigen Gelehrten einfach ignorieren? Oder sich entscheiden, für die eine oder andere Gruppierung, die eine oder andere Beweisführung? "Hör auf dein Herz!" sagt mancher und sicher ist das der beste Rat, wenn man auch aufpassen muss, dass das Herz nicht von irgendwelchen eigenen Vorstellungen, die besser ins eigene Lebenskonzept passen, ausgetrickst wird.

Ein Kriterium habe ich: Bei denjenigen Informationen und Ratschlägen, wo das Vertreten eigener Interessen durchscheint, werde ich misstrauisch. Bei manchen besonders "progressiven" Muslimen habe ich das Gefühl, sie wollen mir ihren "alles ist gut"-Islam schmackhaft machen, um ihr eigenes Gewissen zu beruhigen. Bei manchen besonders eifrigen Muslimen habe ich das Gefühl, sie wollen mit ihrem "alles ist Haram"-Islam die Lebensfreude anderer zerstören, weil sie selber keine mehr haben. 

Der Islam ist die Religion der Mitte. Das habe ich jetzt schon mehrmals gehört und gelesen. Und mir wurde gesagt - und ich glaube, der Vergleich stammt aus einem Hadith: «Ins Paradies fliegst du auf zwei Flügeln: dem Flügel der Hoffnung, und dem Flügel der Gottesfurcht». 

So besteht also die Kunst darin, aufzubrechen, die Schwingen auszubreiten und die Balance zu finden zwischen dem Vertrauen, dass der Allerbarmer sich unserer erbarmt und der Furcht, dieses Erbarmen zu verscherzen, wenn wir Ihm nicht dienen, so gut wir es können.  Ich schaue oft den Möwen zu, sie haben eine so wunderschöne Art, zu fliegen...

....in diesem Sinne wünsche ich uns allen guten Flug!

Freitag, 3. Februar 2012

Paare


An alle, die lieber glauben wollen, es gebe keinen lebendigen Gott als einen, der Leid zulässt.

Und für alle von uns, die diese Frage der Nicht-Glaubenden nach dem Sinn des Leids  immer mal wieder zum Grübeln bringt.

Wenn es kein Leid gäbe - könnten wir dann erfassen, was Freude ist? Wenn es kein "unten" gibt, kann es dann ein "oben" geben? Wenn es keine Dunkelheit gäbe, würde dann das Wort "Helligkeit" überhaupt Sinn machen?

kein hell ohne dunkel
kein schön ohne hässlich
kein laut ohne leise
kein gesund ohne krank
kein reich ohne arm
kein fröhlich ohne traurig
kein gut ohne schlecht
und so weiter....

es gibt
ohne Frau keinen Mann
ohne Nacht keinen Tag
ohne Westen keinen Osten
ohne Leid keinen Trost
ohne Erschwernis keine Erleichterung
ohne Furcht kein Vertrauen
ohne Verzweiflung keine Hoffnung
ohne Sünde keine Vergebung
ohne Strafe kein Erbarmen
und so weiter....

«Und von allem haben Wir ein Paar erschaffen, auf dass ihr bedenken möget.» 
(Sure Adh-Dâriât Vers 49) 

«Und Er ist es, Der lebendig macht und sterben lässt; 
und auf Ihn geht der Unterschied von Nacht und Tag zurück. 
Begreift ihr denn nicht?»
(Sure Al-Mu'minûn Vers 80) 

Wer sind wir denn, in Anbetracht dieser göttlichen Balance zwischen Gegensätzen, zwischen Wunderbarem und Furchtbarem und der ganzen Vielfalt dazwischen, die unsere Welt in Bewegung hält, überhaupt zu fragen, warum Gott dies oder jenes, das unserem kleinen Verstand ungerecht erscheint, zulässt? Macht nicht gerade das die Religion aus, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass (nur) Er weiß, was wirklich gerecht ist? Denn:

«Er ist der wahrhaft gerechte Entscheider, der Allwissende.»
(Sure Sabâ Vers 26)

und weil

«Gewiß, Allah weiß über das Innerste der Brüste Bescheid.»
(Sure Al-Mâ'ida Vers 7)

und

«...Es entgeht Ihm nicht das Gewicht eines Stäubchens, weder in den Himmeln noch auf der Erde....»
(Sure Sabã Vers 3)

deshalb können wir sicher sein:

«Allah tut gewiss nicht im Gewicht eines Stäubchens Unrecht....»
(Sure An-Nisâ Vers 40)

Eins noch zum Schluss: Das Wissen um die Gerechtigkeit Gottes darf uns wohl trösten, aber nicht dazu verleiten, uns zurückzulehnen und zu denken "ach - es ist ja sowieso alles, wie Er es will" - im Gegenteil! Jede noch so kleine Bemühung eines jeden von uns ist doch ein Mosaiksteinchen in dieser göttlichen Balance!