Samstag, 31. März 2012

absolut


Durch die Befremdung und Verdrängung, die meine Konversion nach wie vor auslöst, werde ich immer wieder dazu veranlasst, darüber zu reflektieren, wie anders ich selbst noch vor ein paar Jahren dachte. »Ihr!« warf ich damals (zusammen mit denen, die mich jetzt nicht mehr verstehen...) Menschen vor, die an Gott glauben, »ihr macht es euch leicht, benutzt einfach das Wort »Gott« als Bezeichnung für alles, was ihr nicht versteht und was die Wissenschaft (noch) nicht begreiflich machen kann. Dann braucht ihr nicht mehr nachzudenken und habt für alles eine »Erklärung«.

Irgendwo habe ich mal gelesen, unsere menschlichen Bemühungen, das Universum zu verstehen, seien in etwa vergleichbar mit dem Versuch einer Eintagsfliege, das menschliche Wesen erfassen zu wollen. Das leuchtet ein. So intelligent der Mensch auch sein mag, was er auch »erfindet« (mir gefiele der Ausdruck »heraus-findet« besser, heraus findet aus dem schon immer existierenden absoluten Göttlichen Wissen) – sein Wissen ist immer nur Teilwissen, winzig und beschränkt, meist sehr subjektiv und äußerst relativ. Der Koran fordert uns nun einerseits unzählige Male auf, unseren Verstand zu benutzen und unser Wissen zu vermehren, wir sollen jedoch auch an »das Verborgene« glauben. Ich soll also versuchen, meinen persönlichen Anteil an Verstand und Wissen so gut zu nutzen und zu mehren, wie ich es vermag (und Er es zulässt), muss aber auch dessen Grenzen einsehen und akzeptieren (so gut ich kann –  ich glaube nämlich, Überschätzung des eigenen Verstandes ist eine der verbreitetsten und am schwersten an sich selbst zu diagnostizierenden Untugenden...).

Da ich als Muslima nicht bezweifle, dass der Koran Gottes Offenbarung an die Menschen ist, kann ich nicht anders, als zu glauben, dass sie  ein Teil  jenes  absoluten All-Wissens ist. Das unendlich und unfassbar ist wie Gott selbst: 
«Sag: Wenn das Meer Tinte für die Worte meines Herrn wäre, würde das Meer wahrlich zu Ende gehen, bevor die Worte meines Herrn zu Ende gingen, auch wenn Wir als Nachschub noch einmal seinesgleichen hinzubrächten.»  (Sure 18 Vers 109)
Wenn man nun nicht alles davon versteht, einem sogar einiges ziemlich unlogisch erscheint, liegt das nicht an der Offenbarung, sondern an der Beschränktheit des menschlichen Verstandes. Und wer jetzt fragen möchte: Wenn Gott allmächtig ist, warum kann er denn  nicht eine Offenbarung herabsenden, die alle Menschen verstehen? Dem antworte ich: Er kann! Er wollte aber nicht – aus Gründen, die Er weiß.

In welchen Glaubensbelangen soll und darf man nun seinen gesunden Menschenverstand beiziehen?

Der Koran gibt einen Hinweis:
«Er ist es, Der das Buch (als Offenbarung) auf dich herabgesandt hat. Dazu gehören eindeutige Verse – sie sind der Kern des Buches – und andere, mehrdeutige. Was aber diejenigen angeht, in deren Herzen (Neigung zum) Abschweifen ist, so folgen sie dem, was davon mehrdeutig ist, im Trachten nach Irreführung und im Trachten nach ihrer Missdeutung. Aber niemand weiß ihre Deutung außer Allah. Und diejenigen, die im Wissen fest gegründet sind, sagen: „Wir glauben daran; alles ist von unserem Herrn.“ Aber nur diejenigen bedenken, die Verstand besitzen.» (Sure 3 Vers 7)
Dass es gerade über diesen Vers Meinungsverschiedenheiten gibt, besonders darüber, welche Verse nun eindeutig seien und welche nicht, macht die Sache allerdings nicht einfacher, aber spannend – es hält in Bewegung. Von wegen »wir brauchen nicht mehr nachzudenken«.

Samstag, 17. März 2012

freier Wille und Vorsehung

Ein paar interessante Gedanken zum Thema freier Wille und Vorsehung, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Mittwoch, 14. März 2012

Plädoyer gegen das Feinbild Islam

Das kann man einfach nicht genug überall verbreiten:

Samstag, 10. März 2012

Iman


Iman wird für Nichtmuslime meist kurz mit "Glaube" übersetzt. Muslime allerdings sagen, es sei viel mehr als das, schon allein, weil er in der Schahada mündet, in der man bezeugt, dass es keine Gottheit gibt außer Allah, und dass Muhammad sein Gesandter ist. Bezeugen kann man sprachtechnisch ja nichts, was man "nur" glaubt. Nein, bezeugen kann man nur etwas, was man entweder selber gesehen oder gehört oder erlebt hat.

Sonntag, 4. März 2012

direct access


Ich staune immer wieder, wie viel gerade Muslime auf Englisch lesen. Ich kann eigentlich ziemlich gut Englisch. Trotzdem lese ich Bücher, wenn ich sie wirklich richtig verstehen und davon lernen will, lieber auf Deutsch - ich habe das Gefühl, dann mehr davon behalten zu können. Portugiesische Autoren lese ich in Portugiesisch - das ist ja sozusagen meine zweite Muttersprache. Bei anderssprachigen Büchern traue ich einfach lieber einem professionellen Übersetzer als meinen lückenhaften Kenntnissen. Es kann natürlich sein,  dass ich bloß zu faul bin und es mir zu einfach mache. Oder ist es doch eine Englisch-Phobie, verursacht  durch die vielen älteren rosaroten Britinnen hier bei uns, die bis zum Umfallen Gin und Tonic trinken und dann allen Anwesenden mit kreischendem "hello sweetheart" um den Hals fallen? Oder durch diesen 'Small-Talk', den ich einfach nicht recht durchschaue (vielleicht weil es gar nichts zu durchschauen gibt...).



Und wer sich jetzt daran erinnert, dass ich  mich noch vor kurzem so gefreut habe, den ganzen Koran auf Arabisch gelesen zu haben: ich hatte immer mindestens eine deutsche Übersetzung daneben.


Trotzdem. Jetzt, wo ich darüber nachdenke: mit dem Koran verhält es sich irgendwie anders. Als ob die originalen arabischen Wörter einen direkten Zugang zum Herzen finden würden... Direct access.