Sonntag, 22. Juli 2012

Hoch (oder: Die Süße des Glaubens)


Ich kann nicht anders. Muss es hinausposaunen. Wisst ihr, wenn mir vor zweieinhalb Jahren jemand mit dem Ausdruck "die Süße des Glaubens" gekommen wäre - ich hätte ihn ausgelacht. Aber schallend! Vor zwei Jahren, als ich ihn dann zum ersten Mal hörte, sträubte sich in mir noch alles, so einen "geschwollenen", pathetischen  Begriff zu verwenden für jenes "Gefühl", von dem Muslime immer wieder reden und das ich zum ersten Mal damals auf meinem Balkon erlebte.


Jetzt aber möchte ich am liebsten der ganzen Welt davon erzählen! Wie wunderbar es ist, die "Süße des Glaubens" zu schmecken. Gerade jetzt, in den ersten Ramadantagen, allen (äußeren) Widrigkeiten zum Trotz, überwältigt es mich wieder wie damals. Und wie  nach der Shahada, als ich  tagelang wie auf Wolken schwebte, in mir drin in Endlosschlaufe "ana muslimah, ana muslimah ..." :). Es muss der Segen dieses Monats sein:
«Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Friede auf ihm, sagte: „Wenn Ramadan beginnt, werden die Tore des Himmels geöffnet, die Tore des Höllenfeuers geschlossen und die Satane in Ketten gefesselt.“»
[Sahih Al-Bucharyy Nr. 1899]
Alles fällt leicht, das frühe Aufstehen, das Fasten, selbst die ungeliebten Hausarbeiten. Und sogar das Koranlesen scheint ein klein wenig flüssiger zu gehen. Alhamdulillah! 

Nein, so bin ich natürlich nicht immer drauf. Die Leser/Innen dieses Blogs kennen meine Tiefs, meine Krisen. Und ich bin mir auch bewusst, dass das momentane Hoch kein anhaltender Zustand ist. Allerdings sind Erinnerungen an solche Gemütszustände das beste Mittel, weniger gute Zeiten unbeschadet zu überbrücken. 

Und da ich gerade von vielen Fastenden gelesen habe, wie schwer es ihnen fällt, von Kopfschmerzen, Schwindel und Energielosigkeit, von Zweifeln und Verzweifeln am "es nicht schaffen", möchte ich besonders jenen, die Schwierigkeiten haben, zurufen: habt Vertrauen, das Tief geht vorbei und das nächste Hoch kommt inschaAllah bestimmt. So gebt euch Mühe, tut was ihr könnt, nehmt euch nicht zu viel vor - dann freut ihr euch an jeder Kleinigkeit, die ihr zusätzlich schafft. 
«Der Monat Ramadan (ist es), in dem der Qur'an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klare Beweise der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch während dieses Monats anwesend ist, der soll ihn fasten, wer jedoch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, eine (gleiche) Anzahl von anderen Tagen (fasten). Allah will für euch Erleichterung; Er will für euch nicht Erschwernis, - damit ihr die Anzahl vollendet und Allah als den Größten preist, dafür, daß Er euch rechtgeleitet hat, auf daß ihr dankbar sein möget.» (Sura Al-Baqara 185)

Für interessierte Nicht-Muslime hier ein schöner Link zum Thema Ramadan: 25 Fragen zum Thema Fasten.  Und übrigens: "ana muslimah" heißt "ich bin Muslima")

Kommentare:

  1. Asalamaleikum,
    das besondere am Fasten ist, dass es wirkliche Anstrengung auf dem Wege Allahs ist und uns Geduld lehrt. Und es zeigt auch, wie stark wir an Allah glauben. Denn auch wenn uns andere Menschen nicht sehen, so sieht Allah uns ja. Wir haetten ja jeder Zeit die Moeglichkeit zu essen und zu trinken, wenn uns niemand anderer sieht. Aber man weiss das Allah immer anwesend ist und man freut sich seinem Herrn zu zeigen wie gerne man seinem Gebot des Fasten folgt.
    Hier noch ein schoener Hadith qudsi :

    Der Prophet berichtet, dass Allah sagt:
    „Jede Handlung des Sohnes von Adam gehört ihm selbst, außer dem Fasten. Es ist Mein, und Ich werde ihn dafür entlohnen. Das Fasten ist ein Schutz. Wenn einer von euch fastet, soll er weder obszön noch zu laut sprechen, und wenn ihn jemand beleidigt oder herausfordert, dann soll er sagen: ‘Ich faste.’ Bei Dem, in Dessen Hand die Seele von Muhammad ist, der Atem desjenigen, der fastet, ist bei Allah genehmer als der Duft von Moschus. Der Fastende hat zwei Freuden: Wenn er sein Fasten bricht, erholt er sich, und wenn er seinem Herren gegenübersteht, hat er Freude an seinem Fasten.“
    (Abu Huraira, Muslim)

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  2. As-salamu alaikum liebe Chadidscha,

    die ersten zwei Tage hatte ich noch mit Konzentrationsschwächen zu kämpfen, aber nun am dritten Tage geht es mir wie Dir. Ich genieße das Fasten und die Konzentration auf das Wesentliche. Al-hamdu lillah, es ist wundervoll dies erleben zu dürfen.

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