Montag, 26. November 2012

Annäherung - Gedanken zum Gebet

Nein, ich denke nicht, dass man das rituelle Gebet, wie in einem Kommentar zum  Beitrag »musst du noch oder willst du schon?« vorgeschlagen, einfach nach Belieben abändern sollte. Für andere Formen gibt es ja die Bittgebete, in denen man ganz ohne Riten und Vorkehrungen jederzeit Zwiesprache mit Gott halten kann.

Schon bei meinen ersten rituellen Gebeten, noch ganz rudimentär, die wichtigsten Texte in Umschrift ablesend,  spürte ich, dass es etwas Besonderes ist. Ich 'wusste', dass es so richtig ist, genau so. Es fühlte sich richtig an. Obwohl mein Verstand sich damals noch "totlachen wollte ob der bekopftuchten Verbeugungen und Niederwerfungen" - wie ich in der »Metamorphose« beschrieben habe.

Freitag, 23. November 2012

hinterhältig - أعوذ بالله من الشيطان الرجيم




Hinterhältig
lässt er mich lange Zeit in Ruh
dann, ganz plötzlich, schlägt er zu
Du!
Du! sagt er, wie kannst du nur
so stur
zusehen wie Andre deines Glaubens wegen
sich Sorgen machen, unglücklich leben
Pass auf sagt er
es ist nicht schwer
musst nur wieder die Alte sein
dann wärst du auch nicht so allein
einfach wieder die Alte, Nette
wie wärs zum Anfang mit einem Glas Wein
oder mit einer Zigarette?

nein!


أعوذ بالله من الشيطان الرجيم





Montag, 19. November 2012

(selbst)zufrieden

In Martin Lings »Muhammad - sein Leben nach den ältesten Quellen«, das ich gerade angefangen habe, zu lesen, stieß ich auf eine Stelle, wo von Führern der Quraish*) die Rede ist, welche durch  ihren Reichtum, ihren Ruhm und ihre außerordentlichen Tugenden ("verschwenderische Grosszügigkeit, löwenhaften Mut, unfehlbare Treue zum eigenen Wort") eine Selbstzufriedenheit erlangten, die sie "taub machte für eine Botschaft, die die Nichtigkeit des irdischen Lebens betonte, die Nichtigkeit der Bühne ihres eigenen Erfolgs."

Nun heißt es doch aber, der Islam bringe dem Gläubigen innere Zufriedenheit. Wie passt das zusammen?

Natürlich ist im Islam nicht diese im Buch erwähnte Art von Selbstzufriedenheit gemeint.  So jemand, der mit sich selbst rundum zufrieden ist, ganz davon überzeugt, ein guter Mensch zu sein, der hält es natürlich nicht für nötig, sich irgendwelche Botschaften auch nur anzuhören. Und es sind beileibe nicht nur Führer mit so herausragenden Tugenden,  die so denken.... 

Nein, wer diese Art von bequemer Selbstzufriedenheit sucht, ist im Islam am falschen Ort. Ganz im Gegenteil - so richtig zufrieden mit sich selbst kann man glaube ich als Muslim/a nie sein.  Da ist immer das Gefühl, nicht wirklich genug zu tun, sich in jeder Beziehung verbessern zu können, sollen, müssen.  Nein, ich bin sicher,  als Muslim/a  kommt man nie so weit, sich zufrieden auf die eigene Schulter zu klopfen und zu denken, ach was für ein guter Mensch ich doch bin. Sondern man wird sich seiner Unzulänglichkeit immer bewusster...

Nein, es ist eine ganz andere Art von Zufriedenheit, die man im Islam gewinnt. Die zunehmende Zufriedenheit mit dem, was man hat, und das damit einhergehende Verlieren  von der Gier, immer mehr »haben« zu müssen, von Neid und Missgunst. Eine Zufriedenheit, die entsteht, wenn man aufhört,  das zu tun, was anderen Menschen gefällt, um ihnen zu gefallen, und beginnt, das zu tun, was Allah t. gefallen kann. Wenn nicht mehr unzählige Instanzen über unser Leben bestimmen sondern nur noch eine. Einer.  Der Eine.  الاحد. Das bringt  Freiheit, Frieden. Und das Wissen, dass wir, je mehr wir es schaffen, das zu tun, was Ihm gefallen kann, desto weniger in der Lage sind, Dinge zu tun, die  unseren Mitmenschen, unserer Umwelt  und uns selber schaden.

*) arabischer Stamm, von dem der Gesandte s.a.s abstammt

Freitag, 16. November 2012

Alles Gold was glänzt und die Türme der Kameltreiber

Gerade habe ich  in meinem pausenblog  einen kleinen Bericht über eine Reise in den arabischen Golf  veröffentlicht (»klick hier«). Die fand noch ein paar Monate vor meiner Begegnung mit dem Islam statt, mit Moscheen hatte ich damals noch genauso wenig am Hut wie mit Kirchen und ich hätte mir niemals träumen lassen, dass ich es eines Tages zutiefst bereuen würde, all die wunderbaren Moscheen nicht betreten zu haben...

gar nicht einfach, das ganze Ding auf ein Foto zu kriegen



Wie dem auch sei - bei Durchsehen und  Auswahl der Fotos und beim Schreiben erinnerte ich mich an die Antwort des Propheten s.a.w.s. auf die Frage jenes 'Fremden' nach der "Stunde":

Der Prophet sagte: „Der Befragte ist diesbezüglich nicht wissender als der Fragende selbst. Was aber deren Vorzeichen angeht, so werde ich dir folgendes nennen: (Die Stunde ist nah,) wenn die Sklavin ihren eigenen Herrn gebärt, und wenn die ungebildeten Kameltreiber Hochhäuser bauen. Es gibt noch andere fünf Vorzeichen, die nur Allah kennt.“ 

aus  »diesem Hadith«, und ich konnte es mir nicht verkneifen,  im »pausenblog« eine Andeutung zu machen. Aber noch etwas anderes wurde mir wieder schmerzhaft bewusst:

Wenn man diesen ungeheuren Luxus sieht, im Wissen um die dritte Säule des Islams (die Unterstützung der Bedürftigen durch eine jährliche Pflichtabgabe, der sog. Zakaat) und der unzähligen Stellen im Koran, die zu Sadaqa (zusätzliche freiwillige Spende und gegenseitige Hilfe) aufrufen, kann man nicht anders, als sich zu fragen, wie es möglich ist, dass es bei solch unermesslichem Reichtum von Muslimen  trotzdem gerade in den meisten islamischen Ländern noch so viel bittere Armut gibt...........

Übrigens ein Argument, das ich auch immer gerne wieder von Nicht-Muslimen zu hören bekomme, und dem man leider nicht viel entgegen zu setzen hat. 

Zum gleichen Thema, inkl. Erklärungsversuch: »warum nur?« 


Sonntag, 11. November 2012

Ein paar Gedanken an Agnostiker und Atheisten

Bevor ich anfange, möchte ich daran erinnern, dass ich selbst vor gar nicht langer Zeit selbst zu den Agnostikern gehörte, und zwar zu den ganz überzeugten. Falls der folgende Text also ein wenig so rüberkommt, wie wenn ein gutmeinender Nicht-Mehr-Raucher uneinsichtige Noch-Raucher belehrt, bitte ich um Nachsicht. Lest doch einfach trotzdem mal weiter! 

Freitag, 9. November 2012

Tentakel


Isoliert wie ich bin und auf mich allein gestellt was den Glauben anbelangt, habe ich inzwischen Gott sei Dank in der virtuellen Welt schon eine ganze Anzahl muslimische Kontakte aus ganz verschiedenen Ecken (nicht nur geografisch ...), mit denen ich mich ab und zu austausche. Nun denkt man ja eigentlich, so "Internetbekanntschaften" sind doch sehr unpersönlich, man weiß nie so genau, wer sich hinter hinter den Mailadressen, den Profilen verbirgt.

Montag, 5. November 2012

Pingpong


Es ist ja beruhigend, dass ich nicht die Einzige bin, bei der "progressiv vs konservativ" oder wer lieber mag "orthodox vs liberal" immer wieder mal ein Thema ist.  Nachdem meine Bloggerkollegin Anisah es wieder aufgegriffen hat (»hier«), und ich Quasselstrippe es einfach nicht schaffe, einen kurzen, prägnanten Kommentar zu platzieren, schreibe ich hier, was mir dazu einfiel.

Anisah fragt: Wer entscheidet, welche Regeln heutzutage wie zu verstehen sind? Ich selbst? Oder irgend eine religiöse Autorität? Welche könnte das sein?

Samstag, 3. November 2012

musst du noch - oder willst du schon...?

Gestern habe ich auf fb dieses Foto gepostet. Der Ausspruch ist nicht von mir - ich habe ihn so ähnlich irgendwo gelesen und fand, nein empfand ihn so richtig und wahr, dass ich ihn gleich übernehmen musste, froh, eine nützliche Verwendung für eins meiner schönen Fotos gefunden zu haben ;-). Hier möchte ich allerdings ein wenig tiefer darauf eingehen, damit uns vielleicht auch Nicht-Muslime verstehen.