Montag, 27. Mai 2013

Unwort Islamkritik

In einem Forum brachte eine Glaubensschwester das Thema "Islamkritik" auf den Punkt, ich danke ihr, dass ich ihren Beitrag hier veröffentlichen darf:
"Ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, dass die Wörter Christentumskritik, Judentumskritik, Buddhismuskritik, Hinduismuskritik, Zeugen-Jehovas-Kritik, Atheismuskritik etc. überhaupt nicht existieren? 
Und diese Wörter werden auch weiterhin nicht existieren, weil sie völlig unnütz sind. Warum? Weil Religion einfach nichts von Außenstehenden zu kritisierendes ist. Religion ist eine Glaubensangelegenheit. Entweder man glaubt daran oder eben nicht. Da gibt es nichts zu kritisieren und so wird es ja logischerweise von der Allgemeinheit auch mit allen anderen Religionen (außer dem Islam) gehalten. Darum haben wir ja Religionsfreiheit. Fertig -  aus. 
Und genau deshalb dürfen Muslime auch so empfindlich auf "Islamkritik" reagieren! Irgendwann reicht es nämlich. 
Auch zur Bekämpfung von Terrorismus braucht es keine "Islamkritik". Wer jemanden umbringt wird lebenslänglich eingesperrt, sofern man ihn erwischt, weil das Gottseidank so im Strafgesetzbuch steht, völlig unabhängig von der Religionsangehörigkeit des Mörders, auch wenn dieser für seine Tat religiöse Gründe vorschiebt. 
Geht doch mal in eine Talkshow und versucht "Judentumskritik" zu betreiben. Die Reaktionen will ich sehen! Es gab da ja neulich mal ein paar Versuche in die Richtung, wegen dieser Beschneidungsdebatte. Da haben sich die Juden völlig zu Recht vehement dagegen gewehrt und seitdem ist wieder Ruhe. Richtig so!  
Mir hängt das Wort "Islamkritik" und "Islamkritiker/in" mittlerweile so zum Hals raus, dass ich eine regelrechte Allergie dagegen entwickelt habe.  
Was meint ihr dazu? Wie kommen die auf die Idee, dass eine Religion etwas ist, was man als ihr nicht Angehöriger kritisieren kann? Das ist doch völlig absurd. Aber es ist mittlerweile so normal geworden, dass es ganze Zeitungsseiten, Bücher und Talkshows ausfüllt. Warum merkt niemand, wie idiotisch das ist?" 
Amal

Ich möchte auch meinerseits noch einmal betonen, dass es nicht darum geht, dass Muslime nicht kritisiert werden sollen - selbstverständlich dürfen alle Menschen kritisiert werden, die Gräueltaten begehen, ganz unabhängig von ihrer Religion oder sonstigen Weltanschauung. Und es darf auch kritisiert werden - soll sogar, und zwar ganz vehement, wenn sie religiöse Gründe für ihre furchtbaren Taten vorschieben. Aber nicht die Religion selbst und schon gar nicht das Kollektiv aller, die diesem Glauben angehören.

Übrigens: die Diskussion in jenem Forum entstand aus diesem lesenswerten Artikel (ein Klick führt zum Artikel)

"Feindbild der Juden durch Muslime ersetzt" - "Wirkliche Kritik setzt Sachkenntnis voraus. Verallgemeinerung hingegen ist das Kochrezept aller Vorurteile", sagte Prof. Dr. Wolfgang Benz in derBibliothek des Deutschen Bundestages, wo er am Donnerstag, 16. Mai 2013, aus seinem Buch "Die Feinde aus dem Morgenland. Wie die Angst vor den Muslimen unsere Demokratie gefährdet" las.





Kommentare:

  1. Salam, bin praktizierender Muslim und finde den Beitrag der Schwester unsinnig. "Christentumskritik" gibt es (und nicht erst seit Nietzsche), nur hört sich der Begriff aus sprachlich-stilistischen Gründen weit bescheuerter an als "Islamkritik" und wird daher auch so genannt. Ich habe kein Problem mit Islamkritik, sofern es ein ehrliches, prüfendes (gerne misstrauisches) Befragen ist und nicht nur fadenscheinige Stimmungsmache unter pseudo-aufklärerischem Deckmantel. Bei dem vielen Schwachsinn, den unsere eigenen Geschwister und sogar einige Gelehrte über unsere Religion verbreiten, habe ich sogar Verständnis für die eine oder andere "Islamkritik".

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    1. Wa alaykum as-salam

      Gegen "ehrliches, prüfendes (gerne misstrauisches) Befragen" ist bestimmt nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil - aber das nennt man normalerweise nicht "Kritik". "Kritik" hat etwas mit prüfendem Beurteilen, Beanstanden, Bemängeln zu tun, etwas, das sich - wie im unten verlinkten Artikel erwähnt, "nur jemand mit Sachkenntnis" erlauben darf. Kritisieren darf, wer etwas besser weiß. "Islamkritik" IST aber heute meist tatsächlich "nur fadenscheinige Stimmungsmache unter pseudo-aufklärerischem Deckmantel", von Leuten, die keine oder nicht viel Ahnung haben.
      Auch ich habe übrigens vollstes Verständnis für Kritik - an jenen "Geschwistern und sogar einigen Gelehrten", die diesen "Schwachsinn über unsere Religion verbreiten".

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    2. "nur jemand mit Sachkenntnis"

      Genau das sagt die Schwester eben nicht. Sie sagt, alle Nicht-Anhänger einer Religion dürften diese nicht kritisieren. Das ist reinste Satire, denn die Letzten, die eine Religion kritisieren zu wagen, sind ja wohl in der Regel ihre eigenen Anhänger. Damit stünden alle Religionen über jeder Kritik, und das wird kein Mensch, der auf die Benutzung des Verstandes Wert legt, akzeptieren.

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    3. Ups - mea culpa - im Originalbeitrag stand der Link von unten ganz am Anfang, die Aussage "Wirkliche Kritik setzt Sachkenntnis voraus. Verallgemeinerung hingegen ist das Kochrezept aller Vorurteile", war hervorgehoben und der erste Satz der Schwester war: "recht hat er".

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  2. Salam

    ich persönlich halte Islam"kritik" nahezu für einen Segen, denn das wird dem Islam nr noch mehr Anhänger zutreiben. Insofern sollen diese irren Islamhasser nur weitermachen, sie entlarven sich selbst damit und merken nicht, wie lächerlich sie sich damit machen.
    Je mehr gehetzt wird, desto mehr werden das Bedürfnis verspüren, sich über den Islam zu informieren, und zwar bei Muslimen, nicht bei Islamhassern, die angeblich "Auflärung" betreiben. Also schön cool bleiben. Dass auf dem Islam so rumgehackt wird, zeigt im Grunde nur, dass er so falsch nicht sein kann. Denn wer motzt ständig über den Islam? Ist euch mal aufgefallen, dass die meisten Islamhasser aus dem neoliberalen Lager kommen, also Kapitalisten sind ? Beispiele dafür sind Sarrazin, Kleine-Hartlage, PI, Broder um nur einige zu nennen.
    Die Reichen bekämpfen den Islam, auf nationaler wie auf globaler Ebene. Das sollte doch mal zu denken geben.
    wa salam

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    1. Na ja, es ging ja hier nicht um die Hasser und die Motzer, (das ist ein Thema für sich), sondern die unter dem Deckmantel "Islamkritik" agierenden subtilen Diffamierer, die (durch die Medien)viel mehr Einfluss haben auf die öffentliche Meinung. Dass diese von den "Reichen" manipuliert werden, davon bin ich allerdings auch überzeugt.

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  3. Salam,
    So, da haben wir schon wieder die nächste Talkshow zum Thema: http://programm.ard.de/TV/Themenschwerpunkte/Aktuell/Alle-Info-Sendungen/Information/eid_281069950888296?list=themenschwerpunkt
    Gäste: Die üblichen. Necla Kelek, "Islam-Kritikerin", darf natürlich nicht fehlen. *gähn!*
    Wer Englisch kann, sollte sich unbedingt das hier mal anschauen: http://youtu.be/RU9QBX4U9qE
    Ich fand da besonders einen Gedankengang interessant. Nämlich, dass Leute, die Attentate verüben oder dazu anstiften eben keine islamischen Extremisten sind, sondern Idioten. Ein Extremist tut, was er tun soll, nur halt eben auf eine extreme, übertriebene Art. Ein Extremist wäre vielleicht einer, der statt fünfmal am Tag zu beten fünfzigmal betet. Übertreibung (Extremismus) ist nach Meinung islamischer Gelehrter nicht in Ordnung, weil der Islam der Weg der Mitte ist. Wer z.B. 50x am Tag betet hätte keine Zeit mehr für seine Familie, zum arbeiten usw. Dennoch sind islamische Extremisten, also Leute, die die Religionsausübung übertreiben, niemals Mörder. Oder, andersherum gesagt: Mörder und Terroristen handeln antiislamisch, denn der Islam erlaubt keinen Mord und keinen Terrorismus. Und aus dem Grund lasse ich mich als Muslima auch nicht dazu nötigen, mich ständig davon zu distanzieren.
    Übrigens habe ich gerade das hier gefunden: http://www.nafeezahmed.com/2013/05/exclusive-woolwich-suspect-tortured-at.html?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+blogspot%2FiKyjg+%28The+Cutting+Edge%29
    Police's arrest of witness claiming Woolwich attacker was radicalised by torture, sexual abuse and harassment was "ordered by MI5"
    Laut diesem Bericht soll der Mutmaßliche Mörder von Woolwich gefoltert worden sein. Folteropfer zu sein rechtfertigt natürlich keinen Mord, aber es wäre ein Hinweis darauf, dass bei dieser Person im Kopf etwas nicht stimmt. Der Typ ist krank im Hirn und die Ursache dafür ist eben NICHT der Islam. Genauso wie die Ursache für Breiviks Attentat NICHT das Christentum ist. Und so gab es logischerweise danach auch keine Talkshows mit Namen wie "Moderne Kreuzritter - Wie gefährlich ist das radikale Christentum? Christentumskritiker diskutieren...."

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    1. "Dennoch sind islamische Extremisten, also Leute, die die Religionsausübung übertreiben, niemals Mörder."

      Schön wär's. Einfach mal über "Kharidschiten" recherchieren und die prophetischen Sahih-Hadithe dazu.

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  4. Ich möchte mich bei dem Muslim, der hier zwei Kommentare unter "anonym" geschrieben hat, bedanken.
    So, wie er es formuliert hat, sehe ich - als Atheistin - es auch.
    Es geht nicht um Religion als Glaube, sondern Religion als Ideologie!
    Ideologie ist immer politisch.
    Jahrhundetelang ist auch in Europa Religion (christliche) als Ideologie mißbraucht worden = von den sog. weltlichen Herrschern und der sog. Priesterkaste. Das war die Zeit der Theokratie in Europa.
    Jetzt schaut mal in dieser Hinsicht in die sog. islamischen Länder.
    Überall dort wird die Religion an oberste Stelle gestellt = Theokratie!
    Alle Menschen haben das Recht zu glauben, aber es hat kein Mensch das Recht, andere Menschen zu einem bestimmten Glauben (Religion) zu zwingen. Das ist mit Religionsfreiheit gemeint!

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    1. "Alle Menschen haben das Recht zu glauben, aber es hat kein Mensch das Recht, andere Menschen zu einem bestimmten Glauben (Religion) zu zwingen. Das ist mit Religionsfreiheit gemeint!"

      Genau. Es heißt ja auch im Koran: "Es gibt keinen Zwang im Glauben." (Aus Vers 256 Sure Al Baqara)

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