Dienstag, 16. Juli 2013

Ramadan. «Lampenfieber»


Eine Freundin, eine muslimische, fragte mich: freust du dich auch so auf Ramadan?

Ja! Natürlich!

Schwer zu glauben für jemanden, der das nie am eigenen Leib erfahren hat. "Wie kann man sich auf so eine Tortur freuen?" hätte ich wahrscheinlich selbst noch vor wenigen Jahren gefragt. Nein, diese Vorfreude kann man wirklich nicht mit Worten transportieren. Vor allem, wenn wie bei mir der "soziale Teil", nämlich das gemeinsame Fastenbrechen, das Zusammensein, die Besuche, die Leckereien von Verwandten, Bekannten und Nachbarn wegfallen. Also müsst ihr es mir einfach glauben: Ich freue mich wirklich auf Ramadan, wie Millionen Muslime in aller Welt. 

Aber da ist noch etwas anderes. Da sind auch Ängste, Bedenken, Selbstzweifel. Je näher der Monat kommt, desto mehr. Werde ich es schaffen? Das Fasten? Die zusätzlichen Gebete? Den Schlafentzug? Was ich mir sonst noch so vorgenommen habe? Und werde ich, wie es die Religion verlangt - auch das gehört zum Ramadan -, trotz der langen Fastenzeiten auch noch ganz besonders geduldig und freundlich bleiben können?

Wer schon mal auf einer Bühne gestanden hat, weiß, wie man sich kurz vor der Vorstellung fühlt: Du fieberst deinem Auftritt voller Vorfreude entgegen - und gleichzeitig schlottern dir die Knie, und du hast schweißnasse Hände und fürchtest, zu versagen.

Ja, das nennt sich LAMPENFIEBER.

Und dann geht der Vorhang auf und du stehst mitten auf der Bühne "Ramadan". Es gibt Einen Einzigen Zuschauer. Und du machst deine Sache, so gut du eben kannst. Perfekt ist anders. Ganz anders. Aber dein Zuschauer ist allbarmherzig, vergebend. Alhamdulillah.

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