Samstag, 26. Oktober 2013

Luxusapps?

Wie die Tiere verfügen wir Menschen über einen Körper mit all seinen lebenserhaltenden Funktionen. Auch unsere Sinne sind die gleichen: Wir hören, sehen, riechen, schmecken, fühlen. Niemand, ob religiös, agnostisch oder atheistisch, wird abstreiten, dass jede dieser Funktionen einen ganz bestimmten Zweck erfüllt.

Was uns nun von den Tieren unterscheidet, ist das ausgeprägte Bewusstsein unserer selbst, dieser Sinne und ihrer Wahrnehmung. Was den Menschen ausmacht, ist seine Fähigkeit, diese verschiedenen Perzeptionen intellektuell zu verarbeiten, sie abzuspeichern, miteinander zu vernetzen, nach Bedarf abzurufen und weiterzuverwenden. Und wo ist hier der Zweck?

Viele Leute, vor allem diejenigen, die Religionen, respektive die Idee eines Göttlichen Planes für Unsinn halten,  gehen davon aus, dass auch wir, wie alles Existierende, letzten Endes nur dazu da sind, uns zu reproduzieren, um die Arterhaltung zu gewährleisten und die Evolution im Gang zu halten.  Aber dazu braucht es dieses Bewusstsein und diese besonderen Fähigkeiten nicht. Das können auch die Tiere, das kann jede Bakterie, jeder Einzeller.

Haben wir Menschen also von der Natur zufällig ein paar reine Luxusapps mitgekriegt? Über die wir kaum reflektieren - nein, wir nehmen unser Selbst- und Sinnes-Bewusstsein und unseren Verstand und alle daraus resultierenden besonderen Fähigkeiten und Emotionen als selbstverständlich hin. Wenn wir überhaupt darüber nachdenken, neigen wir zur Überzeugung, sie erfüllten den Zweck, uns „selbstzuverwirklichen“, uns zu einem bequemen Leben zu verhelfen und uns die Freuden desselben genießen zu lassen. Und die Leiden? Fehlentwicklungen in der Evolution?  Und was ist mit Liebe, Mitleid, Zuneigung, Erbarmen, oder auch Hass, Neid, Hochmut, und Wut? Sind das dann gewissermaßen die Risiken und Nebenwirkungen?  Zufällige Zugaben der zufällig entstandenen Natur?

Nein. Wer die Welt unvoreingenommen anschaut, weiß, dass darin nichts "einfach so" existiert. Im Koran werden wir immer wieder dazu aufgefordert, unseren Verstand zu benutzen und nicht nur über die Schöpfung sondern auch über unsere Fähigkeiten nachzudenken. Ein paar Beispiele:

Haben Wir ihm nicht zwei Augen gemacht, eine Zunge und zwei Lippen (al Balad 8/9)

Haben sie (etwa) Füße, mit denen sie gehen, oder haben sie Hände, mit denen sie zupacken, oder haben sie Augen, mit denen sie sehen, oder haben sie Ohren, mit denen sie hören? (Al-A'rāf: 195)

Sag: Sind etwa diejenigen, die wissen, und diejenigen, die nicht wissen, gleich? Doch bedenken nur diejenigen, die Verstand besitzen. (Az-Zumar: 9)

Sag: Er ist es, Der euch hat entstehen lassen und euch Gehör, Augenlicht und Herzen gemacht hat. Wie wenig ihr dankbar seid! (Al-Mulk: 23)

Reisen sie denn nicht auf der Erde umher, so dass sie Herzen bekommen, mit denen sie begreifen, oder Ohren, mit denen sie hören? Denn nicht die Blicke sind blind, sondern blind sind die Herzen, die in den Brüsten sind. (Al-Haddsch: 46)

Ja, wir dürfen die guten Dinge, die Gott uns gibt, genießen: 

O die ihr glaubt, esst von den guten Dingen, mit denen Wir euch versorgt haben, und seid Gott  dankbar, wenn ihr Ihm (allein) dient! (Al-Baqara: 172)

Aber wir sollen dabei nicht den eigentlichen Zweck unserer besonderen Fähigkeiten vergessen:

Wir haben den Menschen ja aus einem Samentropfen, einem Gemisch erschaffen, (um) ihn zu prüfen. Und so haben Wir ihn mit Gehör und Augenlicht versehen. (Al-Insān: 2)

(Er,) Der den Tod und das Leben erschaffen hat, damit Er euch prüfe, wer von euch die besten Taten begeht. Und Er ist der Allmächtige und Allvergebende. (Al-Mulk: 2)

Gewiss, Wir haben (alles), was auf der Erde ist, zu einem Schmuck für sie gemacht, um sie zu prüfen (und festzustellen), wer von ihnen die besten Taten begeht. (Al-Kahf: 7)

Und wenn Gott wollte, hätte Er euch wahrlich zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Aber (es ist so,) damit Er euch in dem, was Er euch gegeben hat prüfe.  (Al-Mā'ida: 48)


PS: Ich weiß, für Muslime bringt dieser Beitrag nichts Neues (es kann aber sicher nicht schaden, sich immer wieder daran zu erinnern). Aber vielleicht ist er ein Denkanstoß für Leser ohne Glauben.

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