Montag, 23. Dezember 2013

übel

Im Koran heißt es:

Was unter übler Nachrede genau zu verstehen ist, wird in dieser Überlieferung erklärt:


Allahs Gesandter, Gott segne ihn und schenke ihm Frieden, hat gesagt: “Wisst ihr, was üble Nachrede ist?” Die Leute sagten: “Allah und sein Gesandter wissen es am besten!” Er sagte: “Es ist, wenn du von deinem Bruder etwas sagst, was er nicht mag.” Jemand fragte: “Und wenn mein Bruder (so) ist, wie ich sage?” Der Prophet sagte: “Wenn er (so) ist, wie du sagst, dann ist es üble Nachrede, und wenn er nicht so ist, wie du sagst, dann ist es Verleumdung. (Abu Huraira; Mischkat)

Es ist mir schleierhaft, warum gerade diesen grundlegenden und deutlichen Anweisungen zum Verhalten der Muslime untereinander so wenig Beachtung geschenkt wird, während man sich um die Länge des Bartes oder der Fingernägel oder um ein paar denaturierte Moleküle eines nicht-Halal-geschlachteten Tieres in einem Produkt die allergrößten Sorgen macht.

Konkret: Ich kann nicht verstehen, warum manche Polemiken in der Öffentlichkeit diskutiert werden, zum Schaden der Gemeinschaft und des Ansehens der Religion insgesamt, wenn doch das islamisch korrektere Vorgehen wäre, gewisse Dinge diskret in freundschaftlichen Gesprächen (oder Korrespondenzen) untereinander zu regeln.

Ebensowenig kann ich nachvollziehen, warum manche Muslime mit unterschiedlichen Ansichten in Foren und sozialen Netzwerken öffentlich schlecht übereinander reden oder sich übereinander lustig machen. 

Wer jetzt denkt, das sei nur in „weniger gebildeten“ Kreisen gang und gäbe: weit gefehlt! Nur sind die einen in der Lage, sich subtil und wortgewandt auszudrücken und ihren Vorwürfen einen intellektuellen Anstrich und den Anschein von Wissenschaftlichkeit zu verleihen, während die anderen ihre Diffamierungen und Anklagen sehr direkt und ungehobelt und in einer zuweilen ausgesprochen aggressiven Sprache vorbringen. 

Wenn man, um selber gut dazustehen (vor wem?!)*, auf andere herabsehen oder andere schlecht machen muss, hat man, fürchte ich, etwas vom Islam nicht so richtig verstanden. 

* Vor sich selbst? vor den Gleichgesinnten? vor "wichtigen" Leuten? vor der Welt? - Vor Dem, bei Dem es wirklich darauf ankommt, steht man damit wahrscheinlich nicht gerade gut da...


Kommentare:

  1. Ein paar konkrete Beispiele wären hier hilfreich. Wenn z.B. die Kritik an häretischen Inhalten bereits veröffentlichter Bücher eines (echten oder angeblichen) Muslims geht, dann geht es wohl nicht anders. Hier muss zwischen dem Schutz der Gemeinschaft und den Rechten der jeweiligen Person abgewogen werden. Natürlich sollte man dabei sachlich bleiben und es nicht auf die Diffamierung der Person absehen.

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    1. Wie Sie sagen: «Natürlich sollte man dabei sachlich bleiben und es nicht auf die Diffamierung der Person absehen». Darum ging es mir, nicht um Kritik.

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