Montag, 29. Dezember 2014

falsches Bild

Da muss unbedingt mal etwas klargestellt werden.

Dieser Blog ist zwar u. a. eine Art Tagebuch, in dem ich mich mit meinem Glauben auseinandersetze und erzähle, wie ich damit lebe, an einem Ort ohne muslimischen Anschluss und inmitten von Menschen, die meine Konversion - milde ausgedrückt - befremdlich finden.

Aber ein richtiges Tagebuch ist es nicht, denn ganz bewusst behalte ich gewisse Dinge für mich. Private, natürlich, aber auch Glaubensdinge. Zum Beispiel solche, die ich (noch) nicht recht verstehe oder bei denen ich unsicher bin. Wie genau meine "Verbiegungen" aussehen. Auch, inwiefern ich mich vom "Mainstream-Islam" (was immer man darunter versteht) in welche Richtung entferne - denn wenn ich etwas nicht mag, ist es, schubladisiert zu werden. Vor allem aber posaune ich meine Verfehlungen nicht hinaus - da halte ich mich an diese Überlieferung:

Jeder in meiner Umma darf mit der Vergebung seiner Sünden rechnen, 
mit Ausnahme derjenigen, die ihre Sünden kund tun. (Abû Huraira, Buchari) 

Dadurch entstand aber offensichtlich ein falsches, viel zu positives Bild von mir - Enttäuschungen vorprogrammiert.

Liebe LeserInnen - ich habe ganz viele Baustellen, charakterliche und religiöse. Baustellen, an denen ich arbeite. Die ich mir manchmal schöndenke. Manchmal sogar zeitweilig zurechtgoogle. Die ich im Großen und Ganzen aber zu eliminieren versuche, mit Gottes Hilfe. Und mit Zeit. (Hoffentlich nicht >23 Jahre...)

Liebe LeserInnen - ich bin in Glaubensdingen auch keineswegs so sicher, wie es vielleicht im Blog zuweilen den Anschein macht, ich weiß ja z. B. nicht einmal, ob ich nicht viel zu wenig tue, denn

Allahs Gesandter (s.a.s) hat gesagt: „Allah spricht: ´Nichts, wodurch Mein Diener sich mir nähert, ist mir lieber, als was ich ihm als Pflicht auferlegte. Doch Mein Diener hört nicht auf, sich Mir durch freiwilliges Tun zu nähern, bis ich ihn (dafür) liebe. Und wenn Ich ihn liebe, dann bin Ich sein Ohr, mit dem er hört, und sein Auge, mit dem er sieht, seine Hand, mit der er etwas greift, und sein Fuß, mit dem er geht.“ (Abu Huraira; Buchari)

oder ob ich es manchmal sogar übertreibe mit dem Gottesdienst, denn

Abu Huraira (r) überliefert, dass der Prophet (s.a.s.) gesagt hat: "Dieser Glaube ist gewiss einfach. Kein Mensch soll sich in Extremen verlieren, was die Angelegenheiten des Glaubens anbelangt, sonst wird ihn die Religion überwältigen. Darum übertreibt nicht und untertreibt nicht, und seid damit zufrieden und sucht Allahs Hilfe im Gebet am Morgen und Abend und im letzten Teil der Nacht." (Buchari)

Aber weil ich so gerne möchte, dass Er mein Ohr ist, mit dem ich höre, und mein Auge, mit dem ich sehe, meine Hand, mit der ich greife und mein Fuß, mit dem ich gehe, bemühe ich mich, mich jeden Tag aufs Neue zu bemühen.

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Ohnmacht. Ohne Macht.

Gestern Abend hat  eine junge Landsmännin (die ich übrigens persönlich kennen lernen durfte, und zwar nicht etwa in der Schweiz, sondern in der Prophetenmoschee in Medina!), auf Facebook folgenden eindrücklichen Text geteilt, mit dem sie vielen Muslimen und Musliminnen aus dem Herzen spricht.

Dahbia sagt: "Zu schweigen ist schwierig, aber die richtigen Worte zu finden, ist manchmal noch schwieriger." Man kann es auch umdrehen: Die richtigen Worte zu finden, ist schwierig - aber zu schweigen, ist manchmal noch schwieriger.

Ich finde, Dahbia hat richtige Worte gefunden. Lest selbst: