Dienstag, 3. März 2015

ALLAHU AKBAR! Oder: "Hilfe - wir sind radikal!"

Abendhimmel 2.3.2015 von meinem Balkon aus ;)
Allahu Akbar. Das sagt ein praktizierender Muslim allein schon bei den Ritualgebeten - wenn er sie regelmäßig  verrichtet - insgesamt ... wartet mal ... 85 mal amTag!

Gott ist größer. Größer als alles. Das sagen wir, wenn immer wir etwas sehen, wann immer uns etwas geschieht, das uns an Gottes unermessliche Größe erinnert. Zum Beispiel so ein wunderschöner Abendhimmel.

Und jetzt das: 

"Frankreich: Demonstranten zu jeweils einem Jahr Haft verurteilt, weil sie während einer Demonstration „Allahu akbar“ ausgerufen haben sollen." Quelle: dtj-online.de/frankreich-allahu-akbar-demonstration


Charlies Freiheit ist eben nicht Muslims Freiheit. 

Auch in der Schweiz wird es offenbar immer enger für Muslime. Vor ein paar Tagen standen im Schweizerischen Tagesanzeiger unter dem Titel
u. a. folgende erste Erkennungszeichen - jedes Vorurteil bedienend: 

"Wenn jemand plötzlich neu Gebetszeiten einhält, andere Kleidung trägt oder sich einen Bart wachsen lässt, sein soziales Umfeld sich stark verändert,...."

Nach dieser Einschätzung ist praktisch jeder Konvertierte höchst radikalisierungsgefährdet - denn kaum einer wird Muslim, ohne dass sich sein soziales Umfeld verändert - außer er hat kein Interesse, sich über seinen Glauben mit Gleichgesinnten auszutauschen und kein Verlangen, etwas über seine neue Religion zu wissen.

Und da frisch Konvertierte oft die Tendenz haben, es mit dem Glauben und dem Praktizieren etwas genauer zu nehmen (aus Gründen, die ich >>HIER erwähnte), werden die meisten versuchen, die Gebetszeiten einzuhalten. Und es kann durchaus sein, dass er sich einen Bart wachsen lässt und sie ein Kopftuch umbindet... Uiii Gefahr in Verzug!

Natürlich sind auch geborene MuslimInnen, die irgendwann im  Leben beschließen, sich etwas mehr der Religion zuzuwenden, potentielle Radikale. 

Und da der eine oder andere Bürger, der auf der Straße einem Moslem begegnet, ja nicht weiß, ob sich dieser "plötzlich" irgendwie verändert hat oder schon immer so war, wird der Bürger sich vorsichtshalber lieber erst mal fürchten.

Von einer Hotline wird indessen vorläufig abgesehen. Gott sei Dank. Denn, so der "Extremismusexperte":
"Eine Hotline zwecks Denunziation erachte ich eher als schwierig."
Klar, wird aufwendig, wenn aufgrund solcher "Erkennungsmerkmale" jeder Islamverängstigte anfängt, bärtige und bekopftuchte und/oder zu Gebetszeiten betende Mitbürger/Innen zu bespitzeln und zu denunzieren.

Ich fasse zusammen: Allahu Akbar rufen, Gebetszeiten einhalten, muslimische Kleidung und verändertes soziales Umfeld. Hilfe - wir sind radikal!

Bei so viel Radikalität und Terrorismusgefahr muss man doch die in allen Varianten zu hörende resp. zu lesende Forderung -"Die Muslime sollen einen heimischen Islam hervorbringen" verstehen! Den Wunsch nach einem angepassten, pflegeleichten, unauffälligen, diskreten, am besten unsichtbaren Islam. Noch besser würde man ihn komplett entsorgen. Dann hätte man vielleicht endlich Zeit, sich den wirklichen Problemen der heutigen Zeit zuzuwenden. Zum Beispiel der schreienden Ungerechtigkeit, dass auf dieser Welt die Gier der einen den anderen nicht mal die minimalsten Lebensgrundlagen wie Wasser, Dach überm Kopf und Nahrung gönnt.

Übrigens, nur so nebenbei: Diejenigen Muslime, die ihren Glauben wirklich ernst nehmen, also u. a. auch viele derjenigen, die ihr aufgrund obiger und anderer Erkennungmerkmale für "radikal" haltet, geben sich alle Mühe, sich an folgenden Koranvers zu halten:


Und dient Allah und gesellt Ihm nichts bei. Und zu den Eltern sollt ihr gütig sein und zu den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem verwandten Nachbarn, dem fremden Nachbarn, dem Gefährten zur Seite, dem Sohn des Weges und denen, die eure rechte Hand besitzt. Allah liebt nicht, wer eingebildet und prahlerisch ist, (An-Nisā': 36)

Kommentare:

  1. Wie überall im Leben sollte man nicht alle über einen Kamm scheren. Mir persönlich ist es egal, ob jemand Kopftuch trägt oder einen Vollbart hat. Solange er oder sie sich freundlich verhält und mich mein Leben so Leben lässt wie ich es für richtig halte, sehe ich kein Problem in ihm oder ihr. Egal ob Muslim, Christ, Buddhist oder was auch immer...

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    1. Danke, da hast du sehr recht, ich mag es ja auch nicht, wenn alle Muslime in einen Topf geworfen werden. Ich habe "Den" Bürger in "den einen oder anderen" Bürger abgeändert. Ärgerlich, dass man immer wieder in diese blöde Verallgemeinerungsfalle tappt.

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  2. Hallo,

    ich würde gerne wissen, was Sie über die Rolle von sog. Islamwissenschaftlern denken, die selbst keine Moslems sind.
    Ich habe nämlich den Eindruck, dass so manch einer unter ihnen mit der Einstellung "Lass uns mal den Feind studieren" an die Islamwissenschaft geht.
    Erste heute morgen habe ich einen Beitrag im Radio gehört, in dem ein solcher Islamwissenschaftler Mohammed mit Masskern an Juden im damaligen Saudi Arabien brachte, weil diese nicht zum Islam konvertiert seien.
    Kein Wort verlor der werte Islamwissenschaftler über verfolgte und getötet Moslems sowie die manngifachen Friedensvertragsbrüche den Moslems gegenüber, die nicht nur, aber eben auch von christlichen und jüdischen Gruppen begangen wurden und viele Moslems das Leben kosteten.
    Ich denke, dass gerade solche Islamwissenschaftler dazu beitragen, dass eine Islamfeindliche Stimmung entsteht, da sie dieser Feindseligkeit unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit Vorschub leisten.

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    1. Guten Tag

      Wie recht Sie haben! Und die tun sich dann mit gewissen ehemaligen oder nur-dem-Namen-nach-Muslimen zusammen. Kommt dazu, dass Negativberichte über den Islam und die Muslime Hochkonjunktur haben - da lässt sich auch ganz schön Geld damit verdienen...

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    2. Sie meinen, der Islamwissenschaftler hat gefälligst immer zu erwähnen dass andere ja auch Menschen getötet haben? Oder hat Ihnen einfach nicht gepasst, dass solche Fakten erwähnt werden?
      Das ist übrigens einer der Vorteile, wenn jemand aus einer (im Idealfall neutral-wissenschaftlichen) anderen Perspektive die eigene Geschichte betrachtet:
      Es kommen auch die unangenehmen, gerne übersehenen Dinge ans Licht.

      "Ich denke, dass gerade solche Islamwissenschaftler dazu beitragen, dass eine Islamfeindliche Stimmung entsteht, da sie dieser Feindseligkeit unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit Vorschub leisten."

      Ich denke eher, gerade diese gewisse Verlogenheit, nachdem die islamische Geschichte beinahe nur Frieden und Glückseligkeit gebracht und Muslime ja immer nur auf Ungerechtigkeit reagieren, aber sonst friedlich sind..oder auch diese zwanghafte Erwähnung von Taten anderer, um das "eigene" tun zu relativieren ("aber die Kreuzzüge!");
      also zumindest bei mir kann ich sagen, dass eben die 2 Eigenarten mittlerweile eine gewisse Wut auf die Gläubiger dieser Religion wachsen lassen.

      Gerade auch bei dem konkretem Beispiel hier: "die manngifachen Friedensvertragsbrüche den Moslems gegenüber"; also bitte; Jemand, der aus einer starken Position verhandelt, die er sich erst durch Raubzüge angeeignet hat , also durch Bruch des allgemein anerkannten Friedens; der hat keine moralische Berechtigung, zu verlangen, dass andere vertragstreu zu sein haben; vor allem dann nicht, wenn er zu Beginn schon demonstriert, dass er allenfalls kurzfristig andere Lebensweisen dulden wird.


      Zu dem eigentlich Artikel hier: Ich finde zwar auch, dass seit geraumer Zeit das Thema generell unnötig hochgepusht wird (und vor allem unsachlich!);
      aber es ist durchaus richtig, das Konvertiten eher Gefahr laufen, sich eine radikale Ansicht anzueignen. Das ist aber auch keine bes. islamische Spezialität, das hatte man schon bei den Zeugen Jehovas, Hare Krishna, oder ganz banal bei so ziemlich allen christlichen Konfessionen.

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