Dienstag, 29. September 2015

Brandstifter darf man nicht ignorieren!

Eigentlich wäre der Mann keinen Gedanken wert und viele Glaubensgenossen sind der Meinung, er sollte ignoriert werden, denn sie halten ihn für irrelevant: Kein Muslim, der es mit der Religion ernst nimmt, wird sich durch seine abstrusen Theorien von seinem Glauben abbringen lassen.

Hier aber ist Ignorieren die falsche Strategie – denn dieser Mensch, der jetzt überall in den Medien herumgereicht wird, damit er sein neues Buch „Abrechnung mit Mohamed“ (er heißt Muhammad! - Gott segne ihn und schenke ihm Heil) promoten kann, ist um ein Vielfaches gefährlicher als ein Neonazi, der ein Flüchtlingsheim in Brand steckt. Denn er wirft ganze Tankladungen von Öl in das Feuer der „Angst vor dem Islam“ und steckt Massen von bisher neutralen Beobachtern an. Ein Flächenbrand droht!

Abdel-Samad erreicht nämlich nicht nur Islamhasser, -kritiker und Pegidisten, nein, ihm huldigen auch Intellektuelle, Humanisten - aufgeschlossene, tolerante Zeitgenossen. Keine bösen Menschen, die etwas gegen Muslime haben, sondern Leute, die nichts oder nicht viel von Religionen halten, die vom Islam keine Ahnung haben und sich im Grunde auch nicht dafür interessieren, jetzt aber durch den Zustrom muslimischer Flüchtlinge sensibilisiert sind und aufhorchen. Und nun in allen Talkshows und Medien auf die unsäglichen Theorien dieses als „Islamexperten“ angepriesenen Menschen stoßen.

Und ihm glauben! Denn er weiß sich (und seine Bücher) zu verkaufen! „Da wagt sich endlich mal jemand, zu sagen, was Sache ist“ ist die Essenz der harmlosesten Kommentare auf Twitter und anderswo zur Sendung „Hart aber Fair“ von gestern Abend. Die wenigsten durchschauen den armseligen Populisten.

„Er muss es ja wissen! Er ist ja selber (Ex-)Muslim und Islamwissenschaftler“ sagen sich besorgte und andere Bürger. (In Wirklichkeit ist er allerdings Politologe). Deshalb werden ganz viele ihm glauben, und nicht dem muslimischen Nachbarn, den muslimischen Angehörigen, (ja – wir „Konvertiten“ werden die Auswirkungen wieder einmal ganz besonders zu spüren bekommen), auch nicht dem freundlichen Imam, dem ja die HASsche Objektivität abgeht.

Besonders gefährlich ist er, weil er im Gegensatz zu anderen muslimischen „Islamkritikern“ nicht nur eine konservative Auslegung des Glaubens anprangert sondern auch die liberalste, so schreibt Daniel Bax im Spiegel Online:
„Selbst eine liberale Auslegung des Islam lehnt Hamed Abdel-Samad ab, er hält den Islam für nicht reformierbar und möchte ihn daher auf den Müllhaufen der Geschichte werfen. "Eine zeitgemäße Interpretation des Koran kann nicht die Lösung sein", schreibt er. Vielmehr müssten Muslime anerkennen, dass der Koran nicht Gottes Wort sei, sondern von Menschen gemacht sei, und Mohammeds Verdienste infrage stellen, kurz: Sie sollten zentralen Glaubenssätzen ihrer Religion abschwören.“
Was man gegen diesen Brandstifter tun kann? Ich weiß es auch nicht. Als Anfang den Artikel aus Spiegel-Online so oft verlinken, damit möglichst viele Leute merken, was für ein Mensch dieser Mensch ist:
„Bei einer Veranstaltung der AfD-Jugendorganisation in Köln ließ es sich Frauke Petry nicht nehmen, ein Grußwort zu sprechen. Und Hamed Abdel-Samad bekannte dort gut gelaunt, dass er mit Thesen durchkomme, für die ein Thilo Sarrazin "gekreuzigt" würde. Das läge allein daran, dass ihm als Ex-Muslim quasi ein "Islam-Rabatt" gewährt würde: Nur aufgrund seiner Hautfarbe würde ihm keiner vorwerfen, ein Rassist zu sein, gluckste der Publizist. Da ist etwas dran. Und es ist falsch.“

Ich würde gern den ganzen Artikel hier einstellen, aber ich weiß nicht, ob das erlaubt ist. Deshalb der Link: "Religionskritik nach Pegida-Art"

Freitag, 25. September 2015

Allein kann man nicht feiern. Und: 'id mubârak. Und: ein Aufruf.

Die gestrige Reaktion auf eine Facebook-Statusmeldung hat mich veranlasst, hier ein Thema aufzugreifen, über das offensichtlich ansonsten kaum gesprochen wird.

Zwar wissen wir alle: Im Grunde muss sich ein Muslim nie wirklich allein fühlen. Und alles, was er wirklich braucht, ist Allah. Denn Er sagt: "...Wir sind ihm (dem Menschen) doch näher als seine Halsschlagader" (Qāf: 16),  und: "...sag: Meine Genüge ist Allah. (At-Tauba: 129). 

Trotzdem.... :

Gestern war also der erste, der wichtigste Tag des Opferfestes, und ich begab mich zum Festtagsgebet nach Portimão. Wie üblich fanden sich auf der Praça Gil Eanes eine recht große Anzahl Männer und eine Reihe Frauen ein. Hier ein Bild vom 'Id-ul-Fitr - es sah gestern so ähnlich aus, nur der Himmel war blauer, aber ich hatte keine Lust zum Fotografieren.

Es ging mir nämlich gestern nicht so gut. Denn mir wurde - verbunden mit der sehnsüchtigen Erinnerung an denselben Tag letztes Jahr in Mekka - bewusst, wie allein ich war. Nach wie vor habe ich in meiner Gegend keinen Anschluss zu Gleichgläubigen, was erstens daran liegt, dass es hier sehr wenige Musliminnen gibt und zweitens diese wenigen keine meiner Sprachen sprechen.

Scheinbar brauchte ich ein Ventil, und so schrieb dann, als ich wieder zuhause war, allein, etwas niedergeschlagen, ohne viel zu überlegen in meinen fb-Status:

"Heute fällt mir das Alleinsein schwer" 

was als erstes eine Welle von überaus tröstlichen Sympathiebezeugungen  zur Folge hatte - für die ich mich auch an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanke, es hat so gut getan und meine Stimmung in kurzer Zeit wieder ganz beträchtlich gehoben. Zwischenzeitlich schämte ich mich für meine Jammerei und fand sie - in Anbetracht der schrecklichen Vorfälle in Mekka und in Sanaa und des ganzen Kriegs- und Flüchtlingselends auf der Welt - unangemessen. 

Aber dann war ich doch wieder ganz froh, das Thema aufgegriffen zu haben.

Es stellte sich nämlich heraus, dass ich ganz und gar nicht die einzige bin, die sich gerade so fühlte. Nein - in Deutschland und der Schweiz gibt es offenbar gar nicht wenige Muslime, Frauen und Männer, die sich an solchen Tagen genauso einsam fühlen wie ich - obwohl es doch dort viel mehr Glaubensgeschwister gibt. Und keine Sprachbarrieren wie bei mir hier.

Ich glaube, das müsste gar nicht sein. Dass ich spontan einige von Herzen kommende, ernst gemeinte Einladungen erhielt, bestärkt mich in diesem Glauben. (Leider wohne ich einfach ein bisschen zu weit weg...). Bestimmt ist es nur Unwissenheit, Unachtsamkeit. Man sieht es uns ja auch nicht an, dass wir gleich zuhause alleine "feiern" werden. (Nein. Man kann allein nicht feiern.)

Liebe Muslim/Innen in der Schweiz und in Deutschland, konvertierte und geborene, mit oder ohne "Migrationshintergrund", und ich meine jetzt diejenigen, die Familie und/oder Freunde haben, die sie zum Festtag umarmen, mit denen sie feiern können: Vielleicht gibt es in eurer Moschee oder in eurer Gegend auch so einen Glaubensgenossen oder eine Glaubensgenossin, der oder die immer ganz allein zum Festtagsgebet erscheint und alleine wieder weggeht ... dann nehmt euch ein Herz - euer muslimisches Herz! -, sprecht die Person an! Vielleicht wartet sie sehnlichst darauf, Anschluss zu finden. Wenn nicht, ist die Sache schnell erledigt - as-salamu alaykum. Wenn ja - wer weiß! Wird sicher spannend.

Übrigens: Es könnte hilfreich sein, wenn der eine oder andere Imam diese Sache in seiner Chutba thematisieren würde.

Und nun wünsche ich etwas verspätet aber umso herzlicher allen LeserInnen gesegnete Opferfesttage.

(Bastelvorlage von Andreas Ismail Mohr

PS: Mir geht es wieder gut. Man kann zwar nicht allein feiern. Aber es gibt andere Möglichkeiten: "Sicherlich, im Gedenken Allahs finden die Herzen Ruhe! (Ar-Ra'd: 28)

Montag, 21. September 2015

freier wille freie wahl

wenn doch alles existierende
alles, was jemals existierte
und alles, was jemals existieren wird
erschaffen ist
erschaffen von Gott
dem Ewigen
dem Einzigen
Schöpfer
nicht nur die dinge
sondern auch
die gedanken
die entscheidungen
die taten
ALLES...