Mittwoch, 18. November 2015

Schizophren. Und: I am the world.

Sind wir nicht eine schizophrene Gesellschaft?

Seit Jahrhunderten beuten wir Länder aus. Erst eroberten und erniedrigten wir sie, bestahlen sie, teilten sie unter uns auf und zogen unnatürliche Grenzen mitten durch Stammesgebiete  und – wo immer möglich – zwangen wir ihnen das Christentum als Religion auf. Und dann unsere (wie wir meinen) einzig seligmachende konsumorientierte Lebensweise. Irgendwann gaben wir ihnen großzügig oder gezwungenermaßen die Unabhängigkeit. Vielerorts eine Pseudounabhängigkeit, die uns erlaubt, sie weiterhin auszubeuten: Dank cleveren Verträgen mit despotischen Regierungen sichern wir uns ihre Ressourcen, ja wir klauen den Ärmsten sogar das Wasser, um es in elegante Flaschen abgefüllt teuer an Leute zu verkaufen, die es gar nicht bräuchten, weil bei ihnen sauberes Wasser aus dem Wasserhahn läuft. Wir nehmen ihnen ihr Land weg, um riesige Plantagen anzulegen, auf denen sie Sklavenarbeit verrichten dürfen, während wir sie mit Missbildungen verursachenden Giften besprühen, damit wir möglichst billig möglichst viele Steaks auf unsere Teller kriegen. Wir lassen ihre Kinder unter menschenunwürdigen, krankmachenden Arbeitsbedingungen zu Hungerlöhnen unsere Teppiche und billige Kleider und was auch immer produzieren. Und wir verdanken einen schönen Teil unseres westlichen Wohlstandes der Tatsache, dass wir ihren despotischen Regierungen Waffen zum Bekriegen ihrer eigenen Völker verkaufen und, wenn es sein muss, helfen wir ihnen ganz gerne auch mit militärischen Einsätzen und töten dabei per Knopfdruck versehentlich mehr Zivilisten in einem Monat als alle linken, rechten und muslimischen Terroristen zu allen Zeiten insgesamt.

Montag, 9. November 2015

Glauben oder glauben. Oder nicht glauben.

Für viele scheint das Wort "Glauben" auf ihre jeweilige Religion bezogen etwa den gleichen Gehalt zu haben wie wenn man sagt "ich glaube, das Wetter bleibt, wie es ist". Für mich früher auch.

Jetzt nicht mehr.

„Glauben“ im religiösen Sinn bedeutet heute für mich, "zutiefst davon überzeugt zu sein, dass etwas wahr ist" - auch ohne dass eindeutige, allgemein anerkannte, wissenschaftliche Beweise dafür vorliegen.

Wer mich von diesem Glauben abbringen will, schafft das nur, wenn er mir  eindeutige, allgemein anerkannte, wissenschaftliche Beweise für die Falschheit meines Glaubens vorlegt ;-). 

Wenn du nun deinerseits glaubst, also zutiefst davon überzeugt bist, dass (meine) Religion falsch ist, dann werde ich dich ebenso wenig umstimmen können wie du mich. Aber immerhin sollten wir doch das "Glauben" an sich gewissermaßen gegenseitig nachvollziehen können - glaubst du nicht?

لَكُمْ دِينُكُمْ وَلِيَ دِينِ [١٠٩:٦]

"Euch euer Glaube und mir mein Glaube"
 (Koran, Sura Al Kâfirûn Vers 6)


Ich glaube, du verstehst, was ich meine. Oder auch nicht.