Donnerstag, 15. Juni 2017

Was lange wehrt - äh - währt, wird endlich Wehr. (Arabisch IX)

Dass mein Langenscheidt-Wörterbuch Arabisch<>Deutsch nicht das Gelbe vom Ei war, wusste ich schon, als ich es mir anschaffte. Aber für eine Anfängerin würde es reichen.

Damals hatte ich ja auch noch nichts anderes vor, als aus Spaß an der Freud nochmal eine neue Sprache zu lernen und vielleicht bei eventuellen Reisen in den Orient ein paar Brocken anwenden zu können.

Und erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

Für alle, die meine "Metamorphose" nicht gelesen haben: Dem Arabischlehrer, der mir damals vor über 7 Jahren zu verstehen gab, mein Unterrichtsmaterial und meine bis dahin autodidaktisch angeeigneten Kenntnisse seien weder klassisches, noch Hoch- sondern "schlampiges"  Arabisch (OT), gab ich ziemlich schnippisch zurück, ich hätte ja auch keineswegs die Absicht, den Koran zu lesen ...

Und erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

Und so wurde das, was mich anfangs überhaupt nicht interessierte, zur eigentlichen Motivation für mein Lernen: Der Koran.

Meine gesammelten Erfahrungen - Freud und Leid - mit dieser wunderschönen Sprache könnt ihr unter dem Label "Arabisch Lernen" nachlesen - Jammereien will ich euch diesmal ersparen.

Die einzigen wirklich spürbaren Fortschritte mache ich jedenfalls im Verständnis geschriebener Texte, besonders natürlich, wenn sie vokalisiert sind, wie in Allahs Buch, mit dem ich mich ja täglich beschäftige.

Deshalb fand ich, es wäre jetzt an der Zeit, mir ein vernünftiges Wörterbuch anzuschaffen. Es gibt dieses zwar online als PDF-Version, aber weil ich mich mit den Augen auf dem Bildschirm verliere und viel besser zurecht komme, wenn ich mit dem Finger dem Text nachfahren kann, bestellte ich mir auf Anraten meines Lieblingsarabisten (und streitbaren Transkriptionsdschihadisten) ein günstiges, antiquarisches Exemplar des Wörterbuchs von Hans Wehr.

Nun sollte das Werk nur noch von Österreich (Schweizer Lesern schwant Böses 😉 - entschuldigen Sie bitte, lieber Hr. V., das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen) zu mir in die Algarve gelangen. Es dauerte genau zwei Monate und 5 Tage und gefühlte 100 E-Mails mit dem Absender (sehr nette Unterhaltung, übrigens!), bis es hier war. Das Buch odyssierte offenbar über Spanien nach Frankreich und/oder Belgien und/oder umgekehrt, stagnierte zweimal wochenlang in irgendeiner Niederlassung von Hermes bzw. deren Partnerfirmen, bevor es - inzwischen kaum mehr erwartet - zum Absender zurückgelangte. Anscheinend wurde vergessen, "Portugal" auf das Paket zu schreiben. Wäre allerdings an irgend einer der vielen Stationen ein denkender Mensch am Werk gewesen, hätte dieser anhand der Vorwahl der korrekt angegebenen Telefonnummer das Zielland problemlos ausfindig machen können...

Schlussendlich zahlte sich die Geduld aus. Der Mann in Österreich schickte das Buch diesmal per Post-Express, und binnen 5 Tagen kam es an. Als Geschenk zu Ramadan. Al-Hamdu li-Llāh. Nun besitze ich ein weiteres Hilfsmittel für meinen Dschihad (= meine Bemühungen!) um die Sprache des Korans. Und eine Ausrede weniger für meine vielen Fehler beim Vokalisieren von Zeitungstexten ... (ist grad Thema im Arabischunterricht).

Freitag, 26. Mai 2017

Endlich schon wieder: Ramadan!

Und schon wieder und endlich steht der nächste Ramadan vor der Tür. Heute Abend mit Maghrib fängt der Fastenmonat an, dieses Jahr soviel ich weiß praktisch überall gleichzeitig.

Schon wieder, weil die Zeit seit dem letzten so unheimlich schnell verflogen ist. 

Und endlich, weil ich ihn so nötig brauche - muslimische Leser/Innen wissen warum, vielen wird es ähnlich gehen.

Ich habe schon oft über den Ramadan geschrieben, ihr findet die Beiträge unter den Labeln "Ramadan" und "Ramadan 2013". Diesmal halte ich mich zurück.

Und wünsche einfach uns allen einen gesegneten, erfolgreichen Fastenmonat, möge Allah uns helfen, uns nicht nur des Essens, sondern - und das ist genauso wichtig - auch allem zu enthalten, was uns und unseren Nächsten nicht gut tut und was Ihm missfällt. Und möge Er uns die Zeit ausdehnen, sodass wir trotz zusätzlicher Gebete dazu kommen, uns vermehrt dem Koran zu widmen. Denn an der einzigen Stelle, wo Allah darin den Monat Ramadan namentlich erwähnt, spricht als Erstes von Seinem Buch: 

Der Monat Ramadan (ist es), in dem der Qur'an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klare Beweise der Rechtleitung und der Unterscheidung.

und erst danach vom Fasten:

 Wer also von euch während dieses Monats anwesend ist, der soll ihn fasten, wer jedoch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, eine (gleiche) Anzahl von anderen Tagen (fasten). Allah will für euch Erleichterung; Er will für euch nicht Erschwernis, - damit ihr die Anzahl vollendet und Allah als den Größten preist, dafür, dass Er euch rechtgeleitet hat, auf dass ihr dankbar sein möget. 
(Al-Baqara: 185)


Ich nutze die Gelegenheit und bitte alle, die ich irgendwie gekränkt oder ungerecht behandelt habe, von Herzen um Verzeihung.

Ramadan mubarak!

Mittwoch, 17. Mai 2017

absurd



Immer wieder, wenn ich nach dem Gebet so dasitz und meine Dhikr an den Fingern abzähle, wird mir bewusst, wie absurd es doch ist, zu denken, diese (und alles andere!) seien einfach so aus einer Laune der Natur, aus reinem Zufall entstanden, ohne Plan ...




«Ja doch! (Wir) haben die Macht dazu, seine Fingerspitzen zurechtzuformen.» (Al-Qiyāma 4)

«Und auf der Erde gibt es Zeichen für die Überzeugten und (auch) in euch selbst. Seht ihr denn nicht?»  (Adh-Dhāriyāt 20/ 21)

سبحان الله ، الحمد لله ، الله أكبر     

Montag, 15. Mai 2017

viel leichter!

Es ist leider viel leichter

fromme texte zu schreiben
als stets gerecht zu bleiben
den koran zu studieren
als nie die geduld zu verlieren
bart oder kopftuch zu tragen
als gelüsten zu entsagen
zu beten zu vorgegebener zeit
als in echter ergebenheit
auf der rechten seite zu liegen
als die faulheit zu besiegen
formeln zu rezitieren
als die Gottheit zu spüren
andächtige reden zu schwingen
als sich Allahs wahrhaft zu besinnen

Das Leichtere ist der Weg, das Schwere ist das Ziel
Das Leichtere erleichtert das Schwere, so Gott will

Freitag, 3. Februar 2017

Khartum الخرطوم

Der Friede sei mit euch.
 .السلام عليكم
Hier ein paar Worte zu meiner Reise nach Khartum.
هنا بضع كلمات عن سفري إلى الخرطوم.
Ich werde heute nur wenig schreiben, in einfachen Worten,
اليوم سأكتب إلا قليلا  بكلمات سهلة،
denn ich möchte es selbst ins Arabische übersetzen.
لانني أريد أن  أترجم إلى العربية بنفسي.
So Gott will ohne viele Fehler ... J
دون اخطاء كثيرة ، إن شاء الله J ...
für meine Freunde in Khartum,
لِأصدقائي وصديقات في الخرطوم،
die kein Deutsch verstehen.
 الذين لا يفهمون الألمانية.
Ich danke meiner lieben Freundin und ihrer tollen Familie,
أشكر صديقتي حبيبة واسرتها المميزة،
die mich so gastfreundlich aufgenommen hat.
التي استقبلتني و كانت مضيافة جدا.
Es war schön bei euch! Ich habe viel mit euch gelernt,
كان وقتا رائعا معكم، تعلمت الكثير معكم!
und auch mit den Freundinnen aus Syrien und aus dem Irak
ومع الصديقات من سوريا والعراق
und mit den sudanesischen Nachbarinnen.
ومع الجارات السودانيات.
Gott vergelte es euch allen!
جزاكم الله خيرا!
Alhamdulillah, dass ich euch kennenlernen durfte.
الحمد لله الذي  كتب لي أن  أتعرف عليكم جميعا.
Und jetzt sprechen die Bilder:
والآن تتكلم الصور:


Ach ja - bezüglich meiner Arabischfortschritte... also es sind natürlich in einem Monat keine Wunder zu erwarten. Aber immerhin haben meine Kenntnisse - zusammen mit Händen und Füßen - gereicht, um mich mit dem jüngsten Sproß der Familie, der wirklich nur Arabisch spricht, ganz gut zu verstehen. Und dank der vereinten Kräfte eben dieses Jungen, meiner Gastgeberin, ihrer zweitjüngsten Tochter und einem "Crashkurs" in Tadschwiid* mit syrischen Frauen hat sich  zumindest, was das korrekte Lesen des Koran anbelangt, doch einiges getan. InschaAllah ...

Wer nun gerne wissen möchte, was für eine ganz außergewöhnliche Familie ich da in Khartum besuchte, klickt sich am besten in Regines wunderbares Blogbuch ein und erfährt direkt von der Quelle mehr:


(Über unsere Blogs haben wir uns übrigens kennengelernt...)

Am Rande sei erwähnt, dass seit der Niederschrift zwei weitere Kinder das recht gute Leben noch besser gemacht haben. Der Jüngste ist jetzt sieben. Ich hab mit ihm Fußball gespielt - Sudan gegen Portugal - und er hat mich beim Koranlesen korrigiert 😊.



* Begriffserklärung: In seinem Buch "Die Regeln der Qur'an-Rezitation" schreibt Abdullah Frank Bubenheim: »Das Wort "Tadschwiid" bedeutet ursprünglich "schön machen, gut machen, können". Als Fachausdruck bedeutet es: "den Laut zu seinem Recht kommen lassen", d. h. ihn richtig aussprechen.« 
"Den Laut zu seinem Recht kommen lassen" ... wie schön - selbst Buchstaben haben ihr Recht!

Montag, 30. Januar 2017

Allahs List?

Könnte es sein, dass die absurden Aktionen dieses unsäglichen Präsidentenclowns die Welt aufrütteln und am Ende eine positive Veränderung herbeiführen? Demos, Solidaritätsbekundungen allenthalben - die Menschen wehren sich!

Dann würde doch glatt diese Übersetzung des Verses 3/54 wunderbar passen:

Und sie schmiedeten eine List, 
und Allah schmiedete eine List; 
und Allah ist der beste Listenschmied. 
(Āl ʿImrān:54)

In den meisten Übertragungen ist von "Ränken" oder "List" die Rede, doch da mir diese Wörter im Zusammenhang mit Gott nicht gefallen wollten, hielt ich mich bisher (wie viele andere auch!) - lieber an den Begriff "Planer", den ich allerdings einzig in der Übersetzung der Ahmadyya gefunden habe. 

Aber ich glaube, ich verstehe jetzt, was gemeint ist ...

InschaAllah